Amrumer Waffeln

Insel-Krug steht noch über dem Eingang des roten Hauses an der Uasterstigh 19. De facto heißt der Laden aber „Dörnsk an Köögem“ – was soviel heißt wie „Stube und Küche“.

Und man muss noch nicht einmal Öömrang, also Amrumer Friesisch verstehen, um das zu begreifen. Denn wer in die gute Stube tritt, vernimmt sogleich diverse Düfte aus der angrenzenden Küche.

Ich bin mitten im Inseldorf Nebel, umgeben von schönen Reetdachhäusern, und trotzdem fällt mir das alte Haus ins Auge. Vielleicht wegen der Farbgebung. Sympathisch auch der mit Kreide an die Tafel geschriebene Spruch – direkt unter den „herzhaften und süßen Leckereien von 11 bis 18 Uhr“.

„Oh Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“ Urheber Aurelius Augustinus war Theologe und Philosoph, irgendwann zwischen Antike und Mittelalter. Und er hat es bis ins 21. Jahrhundert geschafft, von Algerien über Italien auf eine kleine Nordseeinsel.

Mit Charme und Persönlichkeit

Im Café läuft Musik, nostalgische Aufnahmen, wenn auch nicht aus der Antike. Allein das Kratzen der Nadel fehlt am Ende der Platte – weil es gar keine ist. Es duftet nach frisch gebackenen Waffeln, das gesamte Interior wirkt warm und einladend. Überall sind kaufbare Wohnaccessoires dekoriert: Die „Stube & Küche“ ist also zugleich Café und Dekogeschäft.

Reetdachkate, Amrum
Dörnsk an Köögem

Und das wissen außer mir noch zahlreiche andere Gäste zu schätzen. Kein einziger Platz frei im Erdgeschoss. „Oben hat sich einiges getan“, wirft mir die flotte Bedienung zu, bevor sie „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ laut mitsingt. Ein Laden mit Charme und Persönlichkeit also. Alle sind gut drauf, und ich bin gespannt auf die kulinarischen Highlights.

Wer die Wahl hat… Bei 40 Sorten Tee im Angebot – plus den üblichen Koffein-Verdächtigen – braucht man einfach etwas länger. Oder lässt sich von der Chefin helfen. Es wird ein Kräutertee – ideal bei Schietwetter. Und obwohl die friesische Quiche mit Krabben ebenso verlockend klingt wie die hausgemachten Kuchen aussehen, lasse ich mich von den Sitznachbarn und Küchendüften beeinflussen: „Waffeln mit roter Grütze, bitte!“

In der guten Stube

Zeit, sich einmal umzusehen in der guten Stube. Omas Sofas, Stühle und Sessel laden in der Kate zum Verweilen ein. Aus der oberen Etage hat man einen guten Überblick auf das Geschehen darunter, denn nur zur Hälfte ist das Obergeschoss abgeschnitten. Jeder Winkel birgt irgendeinen Schnickschnack: kaufbare Herzen, Vasen, Kränze, Servietten.

Im Innern
Im Innern

Und da kommt auch schon der Tee – perfekt mit Tea Timer. Im Erdgeschoss piept es hörbar: Es gibt Leute, die vor lauter Entdeckungsdrang ihren Tee vergessen. Die Zeituhr will nämlich abgestellt werden, wenn das Heißgetränk soweit ist. Kurz darauf dampfen die Waffeln vor mir – jeder Happen ein Genuss, egal ob mit Gabel oder Fingern.

Schade, dass Amrum zwei Fährstunden vom Festland entfernt ist. Sonst würde ich bestimmt öfters herkommen, nicht nur wegen der Waffeln. Draußen blinzelt die Sonne zwischen den Wolken hervor: Die beste Zeit, sich wieder aufs Rad zu schwingen.

Text und Fotos: Elke Weiler

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