Mauern für die Schönheit

Ich habe einen Verdacht. Dubrovniks Mauern wurden vermutlich nie zur Verteidigung, sondern gleich zur Besichtigung errichtet. Für Flaneure und Kulturfreaks. Als zwei Kilometer lange Rundum-Promenade. Um einen Kaffee mit Blick auf Lokrum zu trinken. Für Küsse und Heiratsanträge. Und natürlich zum Fotografieren.

Beweise? Nein, die habe ich nicht. Aber da hier nie verteidigt wurde, dafür aber alles andere ständig passiert, drängt sich die These geradezu auf. Mauern für Schönheit und Vergnügen.

Ganz früh bin ich schon unterwegs, sonntags um Acht. Und ich muss mich wundern: Noch vor dem Ansturm der Kreuzfahrttouristen, der für etwa zehn Uhr erwartet wird, steppt bereits der Bär rund um die Altstadt von Dubrovnik. Und es ist heiß, schon jetzt.

Blick von oben auf den Onofrio-Brunnen.

Gleich hinter dem Eingang zur Altstadt sprechen sie mich an: „Tickets?“ Dubrovnik lässt sich sein Highlight bezahlen. 90 Kuna, also knapp 12 Euro für zwei Kilometer selber Laufen. Mit Aussicht.

Ich hechte die Treppe hoch, wieso brennt die Sonne schon so früh? Oben geht’s nur links herum: Einbahnstraße. Alles geregelt im Land der Bora und Touristenstürme. Links herum ist meine Richtung, denn dort glitzert das Meer.

Im Gegensatz zu den Anderen habe ich ein Ziel vor Augen. Die Buza Bar, beziehungsweise der gleichnamige Beach. Mladen hat ihn mir ans Herz gelegt, mein Guide vom Vortag: „Viele finden ihn nicht.“ Zu seinem Lieblingsstrand kommt man durch einen kleinen Gang in der Mauer, der gerne übersehen wird.

Relaxen am Buza Beach in Dubrovnik.

Schon nach fünf Minuten suche ich verzweifelt Schatten, mein Schädel scheint in der Septembersonne zu schmelzen. Alle zwei Meter ein Foto. Die Touristen, die gleichzeitig unterwegs sind, haben teilweise Audio-Guides dabei.

Dubrovnik von oben ist genauso hübsch wie von unten. So kommen wir fleißigen Frühaufsteher uns beim Festhalten dieser Schönheit schon mal in die Quere. Aber die Wahl des Zeitpunkts war optimal, noch geht es gemütlich zu.

Das Meer wirkt magisch, so tiefblau. Kleine Boote und Segler ziehen hinaus. Rote Dächer, Ruinen und aufgespannte Wäsche zur anderen Seite. Gepflegte Häuser aus Kalkstein, der sich je nach Licht mal weiß, mal gelb, mal rosa zeigt. Ich trinke Wasser wie verrückt, vermisse einen Sonnenhut und -creme.

Dubrovniks begehbare Mauern mit Meerblick.

Dann sehe ich ihn, den Buza-Beach von oben. Am alten Hafen entziehe ich mich der Mauer-Faszination, mein Magen knurrt. Zeit fürs Frühstück. Am Gundulićeva Poljana, meinem neuen Lieblingsplatz in der Stadt, herrscht auch sonntags eifriges Markttreiben. Obst, Gemüse, Lavendel, typische Süßigkeiten wie Mandeln, getrocknete Feigen und Orangenschalen, alles gut gezuckert.

Der Rest des Platzes ist mit den Stühlen und Tischen der Lokale zugestellt. Ich finde ein Café mit Frühstücksoption, ein recht beliebtes, auch bei den Einheimischen. Die Kellnerin wirkt gestresst, wo doch sonst immer alle so entspannt und nett sind. Ich ordere Cappuccino und Croissant, doch schon bald vermeldet sie, dass sie nichts mehr zu beißen hat.

In den kleinen Supermarkt gegenüber mit dem sinnigen Namen „Konzum“ will sie mich schicken, wo ich doch gerade dieses nette Plätzchen erobert habe! Ich muss verhandeln. „Pancakes?“ Sie zeigt auf die Karte, und ich wähle die Variante mit der bitteren Orangenmarmelade. Typisch für hier.

Pfannkuchen mit bitterer Orangenmarmelade. Lecker!

Vom Nebentisch werden mir mit einem fragendem Lächeln Stühle entwendet, nema problema! Der Sonntagsmorgenskaffee mit Freunden ist wichtig. Mladen behauptete sogar, die Dubrovniker verbrächten 70 Prozent ihrer Zeit im Café. Ich will bleiben!

Ich hatte Ivona, die ich am Tag zuvor im Restaurant Rozario traf, darauf angesprochen. „Das ist das Schöne daran, in einer Kleinstadt zu wohnen. Die Wege sind nicht weit. Und so habe ich Zeit, mich mit Freunden im Café zu treffen. Jeden Tag.“

Und wer würde nicht wollen? Viel zu viel Zeit geht ohnehin für die Arbeit drauf. Stattdessen sollte man lieber tanzen und … Eine ältere Frau nimmt an einem der Tische Platz, sie hat Brot gekauft und will nun einen Kaffee trinken.

Ich mag Cafés, in denen plötzlich jemand zu singen anfängt.

Kätzchen in der Altstadt von Dubrovnik.

Die Kellnerin bestätigt mir, dass es sich um eine Lokalmatadorin handelt. „But she’s good, really good!“ Das höre ich. Und ich sehe den Katzen zu, die um die Beine der Gäste streichen. Die Altstadt ist voll davon, und die Touristen lieben sie.

Auf meinem Weg zum Buza Beach treffe ich ein besonders putziges Exemplar, das dann aber lieber einem Insekt hinterher rennt, als mir weiter Modell zu stehen. Natürlich finde ich den „Geheimgang“ zum Strand nicht direkt.

Ich lande am kleinen Buza, der ebenfalls eine Bar hat. Eine italienische Familie sonnt sich als einzige auf dem Felsen. Man klärt mich über die Verhältnisse auf, der Vater ist gerade umständlich aus dem Wasser gekraxelt: „Ja, man rutscht ein bisschen, aber es geht.“

Endlich gefunden: der Buza Beach im September.

Wir philosophieren über das Rein- und Rausklettern auf dem felsigen Untergrund, bis ich beschließe, doch noch den anderen Buza aufzusuchen, den richtigen, den Lieblingsstrand von Mladen.

In einer Gasse frage ich eine handarbeitende Dubrovnikerin, die mir detailliert den Weg erklärt. Dass sie nicht mitgeht, ist alles. „Five minutes!“ Sie hat recht, und ich bin in fünf Minuten im Wasser, das hier nicht türkisfarben wie bei Lokrum ist, sondern herrlich blau.

Spanier, Portugiesen und Einheimische tummeln sich am Buza. Ich schaue nach oben, ins Himmelsblau, und dann betrachte ich die Mauern der Schönheit. Oben steht ein Spaziergänger und sieht hinab. Neidisch, ganz klar.

Ein französisches Paar kommt an den Rand des Felsens. Er ohne Schwimmhose, egal, dann springt er eben mit seinen knielangen Shorts ins Wasser. „Tu es content?“, fragt sie ihn, von oben fotografierend. Er lacht. Natürlich ist er zufrieden. Ich übrigens auch.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Visit Croatia, die zu dieser Reise eingeladen haben.

Noch mehr lesen?

  1. Interessant zu lesen 🙂
    Ich freue mich wie immer schon auf den nächsten Eintrag!
    LG Manuel

  2. Oh, so schön! Da kommen Erinnerungen auf…..

  3. Dubrovnik gehört ganz eindeutig zu meinen Lieblingsstädten. Ich war schon 5 x dort und kenne sooooo viele Leute und Geschichten rund um diese wunderbare Stadt. Ich kenne geheime Buchten in den kleinen Örtchen und Hafenstädtchen rund um die Stadt, war schon mit den Fischern draussen auf dem Meer und auf den Inseln und und fange grad bei deinem Bericht an, so ganz nebenbei (voller Sehnsucht) die nächste Reise dahin zu träumen. Wer sich grad auf den Weg machen sollte, sollte mal unbedingt einen kleinen Abstecher in den Vorort Zaton machen und dort im kleinen Hafen bei Marco und Ifka frischen Oktopus essen. 🙂

    • Tanja, bevor ich das nächste Mal nach Dubrovnik fahre, frage ich dich auf jeden Fall!!! 🙂 Warst du auch schon im Winter dort?

  4. Danke für den Blog über Dubrovnik. Da hast Du mir richtig Reiselust verschafft. Vor 30 jahren war ich an der Makarska Riviera und Split hatte mich bereits fasziniert. Dann kam leider Weltgeschichte dazwischen und ich habe Dubrovnik aus den Augen verloren. Leider. Aber jetzt werde ganz sicher von Korsika aus hinüberhüpfen und es „entdecken“ 🙂

  5. Pingback: Der Blick in andere Reiseblogs | Luxushotel-Tester

  6. Pingback: Luis liegt am Mittelmeer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.