Penguin Days #1, Antarctica

Der Watschelgang soll sehr effizient sein. Flugunfähige Vögel in der Polarregion wissen, wie man über Eis und unwegsames Gelände tanzt. Zur Not auch über den Bauch schlitternd. Im Wasser hingegen die pure Eleganz, sie springen wie Delfine, schießen pfeilschnell durch die Fluten.

Ich habe noch nicht von Pinguinen geträumt, doch es kann nicht mehr lange dauern. Die vermutlich außerordentlichste und abgefahrenste Reise meines Lebens rückt näher und näher. Ich lese Bücher, Blogs, schaue Filme an… Doch was hilft es?

Die Antarktis ist unendlich weit entfernt, surreal meine Reise in die Eiswelt.

Dabei habe ich schon eine perfekte Einstimmung auf „blickgewinkelt“ gefunden. Jemand, der bei minus zwei Grad ins Südpolarmeer steigt, ist entweder verrückt oder heißt Inka und hat ein Faible für Eis. Man könnte die liebe Kollegin auch als Eisbloggerin bezeichnen.

Vor einiger Zeit, als ich noch nichts von meinem Glück ahnte, fiel mir am Flughafen ein Buch ins Auge: „Der Pinguin meines Lebens“. Eine rührende Geschichte von einem jungen Mann, der einem ölverschmierten Pinguin das Leben rettet und diesen fortan nicht mehr los wird. Diese Fälle von tierischer Anhänglichkeit scheinen immer mal wieder vorzukommen.

Samba!

Samba!

So ging zuletzt noch die Geschichte von Dindim durch die Medien, einem Magellan-Pinguin, der Jahr für Jahr seinen brasilianischen Retter besucht und dabei 4.000 Kilometer Strecke macht und noch mal 4.000, um zurück nach Hause zu schwimmen. Das ist Treue. Faszinieren uns Pinguine deswegen so? Oder ist es diese Kombination aus Tolpatschigkeit und Eleganz?

Weil ich denke, dass mich auf der Reise in die Antarktis vor allem Eis und Pinguine erwarten, nenne ich mein Tagebuch „Penguin Days“. Ich versuche, wohl nicht täglich, aber hin und wieder je nach Netzverfügbarkeit eine kurze Episode meiner Erlebnisse vom „Ende der Welt“ live zu berichten. Vielleicht schaffe ich es auch nur zu einem Bild auf Instagram, Twitter oder Facebook.

Nächsten Dienstag geht es los. Husum – Hamburg – Amsterdam – Buenos Aires – Santiago de Chile. Dort haben wir einen Aufenthalt mit Übernachtung. Ich werde ein bisschen von der chilenischen Hauptstadt erleben – bei fast 30 Grad. Auf der Südhalbkugel herrscht Sommer. Deswegen wird es auch weiter südlich nicht ganz so kalt werden, wie man es von einer Antarktis erwartet. Ein paar Grad minus vielleicht.

Vom heißen Santiago fliegen wir am folgenden Tag vier Stunden hinunter nach Punta Arenas, wo wir auf der MS Midnatsol von Hurtigruten einschiffen. Eine erste Cruise mit Tenderbooten ist im Garibaldi-Fjord geplant, dann geht es über Puerto Williams nach Kap Hoorn, dem südlichsten Punkt von Südamerika. Das Wetter entscheidet über eine Anlandung. Wir verlassen Patagonien und nehmen Kurs auf die Antarktis.

Die Spannung steigt: Wird die Drake Passage gnädig mit uns sein? Die beiden ersten Seetage unserer Reise werden es zeigen. Half Moon Island, der nächste Stopp, zählt zu den südlichen Shetlandinseln und zur Antarktis. Nur noch 120 Kilometer trennen uns jetzt vom antarktischen Festland.

Kein Mensch wohnt am Südpolarmeer, sieht man von den 4.000 Forschern aus 29 Nationen in über 80 Stationen ab. Etwa die Hälfte sind sogar während des Winters besetzt. Nach einem Besuch von Half Moon Island werden wir in Brown Bluff erstmals antarktisches Festland betreten.

Antarktika gilt als isoliertester und kältester Erdteil, im Winter kann es bis zu minus 60 Grad abkühlen. Wie kommen die Forscher in der Isolation über den Winter? 1959 legte sich man sich auf ein Verbot von militärischer Nutzung und wirtschaftlicher Ausbeutung des Festlands fest, bis jetzt haben 50 Nationen den Antarktisvertrag unterzeichnet.

Die Antarktis gehört nicht den Menschen, sie gehört den Pinguinen und sämtlichen 8.000 marinen Arten, die am Südpolarmeer leben. Robben, Wale, Delfine, Kalmare, Seevögel. Laut WWF gab es vor dem industriellen Walfang allein 240.000 Blauwale, nun nur noch 2.300. Das Walfangverbot wird zwar teilweise missachtet, doch ein weitaus größeres Problem stellt heute der Klimawandel dar.

Soll ich überhaupt in die Antarktis reisen? Sowohl Forschung als auch Tourismus belasten das Ökosystem zusätzlich. Rund 30.000 Touristen kommen pro Jahr. Jeder einzelne trägt ein Stück der Verantwortung mit, nichts zu verschmutzen, keine fremden Arten einzuschleppen. Dabei sind Touristen oft weniger die Träger von Samen, die nicht in die Antarktis gehören, als die Forscher der letzten Jahrzehnte.

Was auch daran liegt, dass sich Touristen oft in Vorbereitung auf diese einzigartige Reise neu einkleiden. Wer sich in diese letzte Wildnis begibt, ist angehalten, respektvoll zu agieren, Abstand zu halten, keine Abfälle dort zu lassen, keine „Souvenirs“ mitzunehmen.

Und ich bin eingeladen zu sagen, wie wunderschön die Antarktis, aber auch wie verletzlich diese Schönheit ist.

P.S.: Erwähnte ich bereits, dass wir auf Cuverville Island anlanden? Eselspinguine! Siehe erstes Foto. Die größte Kolonie der Antarktis. Zum Pinguintag im April hatte der britische Telegraph einen Test erfunden: Was für ein Pinguin bist du? Bei mir kam Eselspinguin heraus. Keine Ahnung, ob das gut ist. Sie sagen: „You’re TOUGH, RESILIENT and EXCEPTIONALLY BRAVE.“

Text, Fotos, Video: Elke Weiler

Meine Reise in die Antarktis wird von Hurtigruten unterstützt.

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Kategorie Antarktis

Kunsthistorikerin, Reisejournalistin, Redakteurin, Buchautorin (u.a. Eco Architecture: Natural Flair, Evergreen/Taschen Verlag). Hauptberufliche Meerbloggerin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern. Über das Meer und so.

13 Kommentare

  1. Meine Antarktis Reise Anfang diesen Jahres war die schönste und beste Erfahrung die ich jemals gemacht habe. Es war einfach GRANDIOS! Und nicht mit Worten zu beschreiben.

    LG Mel

  2. Liebe Elke, aus deinen Zeilen spricht groß Freude, einiges Grübeln, ein wenig Hin- und Hergerissensein. Ich kann diese Mischung gut verstehen; es würde mir bei der Aussicht auf ne Antarktis-Reise wohl genauso gehen. Vor allem dieser Tage, wo die ziemlich schockierende Meldung die Runde macht, dass es genau gegenüber, in der Arktis, gerade 20 (!) Grad wärmer ist als sonst üblich. Wir wissen ja, dass zu den Umweltproblemen auch die Kreuzfahrtindustrie beiträgt (Stichwort Schweröle, fehlende Abgastechnik). Ganz im Sinne von Enzensberger kommt man da einmal mehr ins Nachdenken ob der eigenen Verantwortung, so von wegen „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet“. Das ist am Meer nicht anders als in den Bergen.
    Ich denke, nahezu jeder würde, wenn sie sich im böte, die Chance nutzen, in die Antarktis zu reisen; um diese unwirtlich-faszinierende Region zumindest ein ganz klein bisschen kennenzulernen. Deshalb: Trotz aller Zweifel (so ganz auf der Meta-Ebene) wünsch ich dir (so ganz persönlich) eine wunderbare Zeit. Ich bin gespannt, welche Geschichten, Erfahrungen und Einblicke du mitbringst und mit uns teilst. Liebe Grüße, Nadine
    Und, ach ja, hast du Eistau von Ilija Trojanow im Gepäck? http://www.kulturnatur.de/2015/12/02/8713/ – Ich werd ja nicht müde, dieses tolle Büchlein anzupreisen. 🙂

    • Danke, liebe Nadine, genau so ist das! Und danke auch für die Buchempfehlung, ich wollte immer schon mal etwas von Trojanow lesen, und das passt ja jetzt scheinbar gut! Liebe Grüße und bis bald! Elke

  3. Wow! Bei Inka habe ich schon die Berichte bestaunt und beneidet, jetzt geht es hier weiter. Ich freue ich auf deine Erlebnisse und wünsche dir eine einmalige Reise mit unbeschreiblich (oder doch besser beschreiblich) schönen Erlebnissen. Verdammt, so langsam will ich auch!
    Liebe Grüße, Nicole

    • Danke, liebe Nicole! Ich kann es auch noch nicht so richtig fassen. Vermutlich erst dann, wenn ich in Punta Arenas aufs Schiff gehe… 🙂 Liebe Grüße, Elke

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  7. Du hast absolut Recht, wenn Du schreibst, dass die Antarktis uns nicht gehört. Genau so wenig wie die Wälder, die Wüsten, oder die Meere. Eigentlich sind wir auf diesem Planeten nur zu Gast.

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