Die Nachfahren des Rebellen

Wir klettern in die khakifarbenen Jeeps. Immer noch am südafrikanischen Eastern Cape und auf der Suche nach Märchen und Geschichten, die das Leben schreibt. Wir kommen von Port Elizabeth und sind über die N2 unterwegs nach Grahamstown. Noch bevor wir die Hälfte der Strecke geschafft haben, biegen wir links ab.

Auf Stippvisite im Addo Elephant Park. Es ist ein riesiges Gebiet, das bis in die Zuurberg Mountains und noch weiter bis Darlington Dam reicht. 180.000 Hektar. Was wir aufgrund des Namens erwarten, sind auf jeden Fall sehr viele Elefanten. Und das zu Recht. Parkführerin Ilze, die unseren Jeep lenkt, verspricht uns außerdem Zebras und Kudus, eine Antilopenart mit weißer Fellzeichnung und prägnanten Ohren.

Eventuell ein schwarzes Rhinozeros sowie Hyänen. Und wenn wir ganz großes Glück haben: Löwen. „Zwei Mal pro Woche jagen sie“, weiß Ilze, und das sei dann unsere Chance. Hauptsache, sie jagen nicht uns, denke ich. Denn so richtig geschützt sind wir in dem offenen Gefährt ja nicht. Während wir also losdüsen, klärt uns die Kennerin weiter über die Tierwelt im Addo auf und gibt auch eine wilde Story zum besten. Der Protagonist: ein Elefanten-Rebell.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Addo Park

Im Addo lebte nämlich einst der legendäre Hapoor. Ein aufsässiges Tier, das zwischen 1944 und 1968 den Park unsicher machte und auf Menschen nicht gut zu sprechen war. Auch den Elefanten war er zu aggressiv und wurde von der Herde ausgeschlossen. Ein stolzer Solist, für den es leider nicht gut endete: gejagt, erschossen, ausgestopft. Noch heute hängt sein imposanter Kopf im Restaurant des Parks.

Da! Der erste Hapoor! Nein, ein ganz normaler Elefant, noch nicht mal besonders groß. Ein sympathischer Kerl sogar, der sich absolut nicht für uns interessiert. Er läuft durch das Gestrüpp am Rande des Weges. Mein Mund fühlt sich trocken an, die Luft ist staubig. Ganz in unserer Nähe bleibt der Single-Elefant stehen, frisst ein bisschen vom Gestrüpp. Jetzt wollen wir aber mehr sehen.

Natürlich weiß Ilze, wo besonders viele zu treffen, auch Baby-Elefanten. Wir postieren uns an einem Wasserloch und observieren. Neben uns ein Jeep mit einer wissenschaftlichen Beobachterin. Und siehe da, lange dauert es nicht, bis eine ganze Herde auf der Bildfläche erscheint. So viele Elefanten auf einmal habe ich noch nie live erlebt.

Ilze erzählt, dass es gerade mal elf Elefanten hier gab, als das Gebiet als Nationalpark proklamiert wurde. Heute sind es 550. Wir schauen noch eine Weile fasziniert dem Treiben an der Wasserstelle zu, dann fahren wir weiter. Denn ein Kollege von Ilze hat ihr gesteckt, wo die Löwen sind. Wo die Löwen sind? Jetzt wird es also spannend.

Eine Löwin hält Siesta im Addo.

Schon von weitem sehen wir eine Kolonne von Fahrzeugen geparkt. Alle haben sich dort versammelt, am Mittagstisch der Löwen. Wie viele sind es? Mindestens drei Tiere. Voll gefressen und in der Siesta-Phase. So fühlen wir auf der relativ sicheren Seite. Aussteigen sollen wir dennoch nicht.

Also sitzen wir ruhig im Jeep und beobachten. Versuchen das Bild der satten Raubtiere für die Ewigkeit festzuhalten, indem wir an den Kollegen vorbei und irgendwie um die Ecke fotografieren. Ein Weibchen räkelt sich. Schönes Tier, denke ich, als die Löwin sich wieder umdreht und in die Sonne blinzelt. Wie eine Sphinx.

Profis unter den Parkbesuchern haben natürlich Megaobjektive vorgeschnallt und sind klar im Vorteil. Aber auch ohne sind wir stumm vor Staunen. Die Löwin steht auf, und wir notieren ihren muskulösen Körpernbau. Langsam nähert sie sich einem Gebüsch und gesellt sich zu einer schlafenden Kollegin. Am Ende erscheint ein Kerl, wenig Perücke. Er guckt ein bisschen und haut sich ebenfalls aufs Ohr.

Die Kolonne löst sich auf, Hauptsache alle haben mal Löwen live gesehen. Kudus treffen wir kurz danach, weibliche, ihre lustigen Ohren mitsamt der Köpfe ragen aus dem Gebüsch heraus. Dann am Wegesrand knieende Warzenschweine – was will man mehr? Wildlife auf Schritt und Tritt.

Ein Warzenschwein am Wegesrand.

Doch auf dem Rückweg, da wird es spannend. Elefanten mitten auf unserem Weg! Wir sind kurz vorm Ziel. Und doch dürfen wir jetzt nicht einfach durchbrausen. Denn der Elefant vor uns könnte das missverstehen. Also schön ruhig verhalten und warten, bis er das Feld räumt.

Er sieht uns an, verharrt. Ist er ein Hapoor-Typ? Nach ewig dauernden Sekunden geht er weiter. Gefahr gebannt. Doch als wir im Restaurant später den Kopf des Rebellen entdecken, kommt es mir seltsam vor. Nicht alle Geschichten gehen gut aus.

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke an South African Tourism für die Unterstützung dieser Reise.

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  2. Definitiv passen wir Menschen nicht in das Beuteverhalten der Tiere und meistens reagieren die Tiere in Afrika etwas wilder wenn wir Ihnen zu nahe kommen und der Bannkreis einfach für sie zu eng wird. Also merke in Afrika immer mit Abstand unterwegs zu den Tieren zu sein.
    Liebe Grüsse sendet
    Dani

    • Ich hatte auch kein Bedürfnis, eines von diesen Tieren zu streicheln. 😉 Es war einfach nur spannend, sie alle zu sehen – so relativ nah!

      LG, Elke

  3. Einfach ein ein genialer Park. Die Elefanten-Herden sind einfach klasse!!

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