Geburtstag am Strand

It’s my party

„Lebe jeden Tag, als wäre es dein Geburtstag“, sagt die beste aller Psychoanalytikerinnen, Mademoiselle Julie. So weit ok. Was aber, wenn dann wirklich Geburtstag ist? Lebe ich dann wie jeden Tag, oder setze ich noch einen drauf? Mit dieser komplexen Fragestellung wachte ich am Sonntagmorgen auf und beschloss, mich erst mal neben Madame zu kuscheln. Doch sie ratzte noch.

Schlagartig wurde mir klar, dass ich nun fünf Jahre alt war. In Lutscherjahren machte das 35. Krass! Musste ich endlich erwachsen werden oder war ich es schon? Es geschah schätzungsweise, als der Dicke eingezogen war, damals noch der kleine Pupser genannt. Seitdem hatte ich erzieherische Aufgaben und jede Menge Verantwortung übernommen.

Es war eine verwirrende Zeit, damals. Mein Verlobter Emil zog fort von unserer schönen Halbinsel, wo wir traditionell die Deiche gerockt hatten. Zwar kam er nur bis Husum – Grönland hätte mich ziemlich gewurmt, da es unser gemeinsames Traumziel war – doch wir sahen uns lange Zeit gar nicht.

Hunde im Schnee
Damals: Emil, der Schnee und ich. Träume von Grönland.

Dann stand er eines wunderbaren Tages ausgerechnet im heiligen St. Buddel vor meiner Nase! Und verstand sich super mit Janni. Ich freute mich wie ein Lamm im Frühling, Emil und meine Ex-Schwiegermadame wieder zu sehen. Wir vereinbarten locker weitere Treffen, wurden aber nicht aktiv. Dann, vor ein paar Tagen, passierte es wieder.

Ich sah die beiden schon von weitem, noch bevor Madame etwas raffte. Wir spazierten mit meiner Freundin Wilma und ihrer Madame über den Deich, da entdeckte ich den alten Wuschelkopp. Keiner schlenderte wie Emil! Himmelschafundmeer, ausgerechnet in unserem alten Wirkungsgebiet lief er mir über den Weg! Dann kapierte Madame es auch und ließ mich frei. Stürmisch flog ich auf die beiden zu, Schwiegermadame hatte gerade noch Zeit „Julchen!!!!“ zu jodeln.

Der typische Emil-Blick!
Der typische Emil-Blick!

Kennt ihr dieses schlumpfige Gefühl im Bauch? Genau so war es mit Emil. Wir fielen wie die Irren übereinander her. Und ich merkte sofort: Er hatte sich kaum verändert. Ok, er war etwas runder geworden, der alte Staubsauger. Die ganze Zeit ohne mich, seine beste Trainerin. Emil und ich tickten immer noch gleich, doch schien er dem Flugtraining abzuschwören.

Aber ich musste die schaflose Situation ausnutzen und tat, was ich lange nicht tun konnte: Ich raste über die Deichkrone, etwa 80 Kilometer pro Stunde, immer hin und her. Derweil demonstrierte Emil seine neuen Zirkusfähigkeiten, hockte da wie ein Löffelträger, Vorderbeine hoch, ordentlich angewinkelt. Wilma fand den Hasen wohl attraktiv und warf sich vor seine Füße.

Wir beschlossen, uns bald wieder zu treffen, und Emil schrubbelte sich auf dem Rücken den Deich hinunter. Wälzen gehörte auch zu seinen liebsten Fortbewegungsarten! Was für einen Spaß hatten wir immer am Everschop gehabt! Cheek to cheek die Sonnenuntergänge am Hafen geguckt. Getanzt bis zur geistigen Umnachtung. Uns durchs Watt gejagt, bis die Madames kreischten, als wir ihnen das taupefarbene Ergebnis vorstellten.

Hund in den Dünen
Aber so was von erwachsen!

Während mir all diese Bilder an meinem fünften Geburtstag durch die Rübe gingen, bliesen Monsieur und Madame zum Aufbruch. Beach-Party in St. Buddel! Janni drehte durch. Wie üblich, wenn Action anstand. Wie ein wildgewordener Handfeger feuerte er die Lutscher an. Ich biss ihm in die Backe, damit er sich beruhigte. Der ganz normale Wahnsinn also.

Am Strand trafen wir saisonbedingt jede Menge Kollegen. Janni und ich jagten uns, buddelten um die Wette, bissen uns zärtlich in den Plüsch, flogen über den Sand und tanzten durch die Pfützen. Plötzlich merkte ich, dass Janni längst Emils Platz eingenommen hatte. Zwar war er völlig anders gestrickt, doch jedes Mal, wenn wir im heiligen St. Buddel waren, verwandelte sich mein Mitbewohner in einen Schnuckel.

Wie immer flüsterte er mir ins Plüschohr: „Was ist mit der Verlobung, Süße?“ Als Geschenk bekam ich eine Ladung Sand auf die Nougatnase, so romantisch war der Janni. Alles veränderte sich, und manchmal machte einen das Leben ganz schön schwindelig. Es war gut, einen Ruhepol zu haben. Das Rudel. Madame, Monsieur, Janni und der letzte aller Rennplüsche, der süße Nuno.

Madame meinte zwar, es wäre umgekehrt, und ich würde das Leben schwindelig machen. Ich wusste schon, was sie meinte. Und das tat gut. Sie war seit fünf Jahren meine beste Freundin, meine Heldin, mein Ein und Alles. Beziehungsweise ich für sie. DAS Dream Team! Und wir hatten für Mitte 2016 ein hammerhartes gemeinsames Mega-Projekt – ohne die Jungs.

Aber zuerst musste ich in die Tasten hauen und mich um Buch Nummer 3 kümmern. Es sollte ein Krimi werden, Madame hatte es blöderweise schon verraten. Wie mich das jetzt unter Druck setzte! Würde ich den Täter trotzdem finden? Oder waren es mehrere? Momentan war mein größtes Problem, dass die Leiche noch nicht mal aufgetaucht war…

Aber das wird schon, ihr Lieben! Ich wollte euch mal danken, heute, an meinen Geburtstag. Für die letzten fünf Jahre, die wir quasi gemeinsam verbracht haben. Ein Hoch auf uns, oder wie singt dieser Zwitscherlutscher? Und auf das, was kommt!

Dicker Knutscher,

Euer Julchen

Mit Hund am Strand
Dream Team
  1. Der Artikel ist toll! Happy birthday, Julchen!

    Alex und Birgitta von REISEUM

  2. Oh, ganz lieben Dank, ihr Beiden!

    Das ist ja schön!!! 🙂

    Euer

    Julchen **

  3. Pingback: Wurst im Winter | Meerblogs Hundekolumne

  4. Das ist ein super schöner Blick in deine aufregende Welt, Julchen. 🙂 Danke. :-*

    Grüße aus dem Defereggental Osttirol

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