Schweden sei Dank

Der Strand veränderte alle. Als Genießertyp wälzte ich mich oft und gerne und überall, Janni hingegen legte los, als wir den ersten südschwedischen Beach erreichten. Das provozierte mich. Er roch fantastisch nach Sand und Salz, und ich bekam Lust, in seinen Plüsch zu beißen.

So kam es, dass Madame et Monsieur nicht vom Fleck kamen, weil wir endlos herumtollen mussten. Aber gab es etwas Langweiligeres als unmotiviert durch die Gegend zu latschen? Man musste den Rhythmus wechseln! Man rasen, mal stoppen, schnuppern und dann ausflippen.

Das Leben war kurz, in dieser Sache musste ich dem Rastaschaf unbedingt zustimmen. Luis wollte sich mit seinem Mädel, einem ehemaligen Hamburger Schlafschaf, auf Weltreise begeben. Zuvor erwartete ich als Ressortleiterin Kolumne noch einen Artikel von unserem Beachblogger, so eine Art Rückblick. Aber es dauerte und dauerte.

Dreamteam?
Dreamteam?

Jedenfalls musste ich dem Schaf zustimmen, was jenes „Carpe diem“ betraf – auf Hundisch: „Laufe, belle, reiße Zäune nieder!“ Derweil wälzte Janni sich wie ein Nilpferd im Sand. Schweden tat ihm sichtlich gut, meine Freundin Wilma hatte es uns vorausgesagt. Kein Wunder, so als gebürtige Schwedin.

Wir freuten uns sehr, dass sie sich während unserer Abwesenheit um die Rennplüsche kümmerte. Und wir hofften inständig, dass sie die kleinen Monster nicht zu attraktiv fand. Zur Sicherheit ließen wir ihr Wurst da, top exklusive Wurst!

Schwedische Küche
Schwedische Küche

Selbst Janni war ausnahmsweise einverstanden. Neuerdings nannte Madame ihn „Speku“ von Spekulatius, aber das musste man nicht verstehen. Es stand in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit Jannis nächtlicher Aktivität, uns auf etwaige verdächtige Geräusche hinzuweisen.

Konnte er nicht einmal abschalten? Den Urlaub genießen? Auch Monsieur fiel es am helllichten Tag ein, anderthalb Stunden in seinen Schnackapparat zu tönen! Da lobte ich mir Madame, die wegen uns auf den Friseurbesuch verzichtete.

Beachlook
Beachlook

Stylen war eh überbewertet. Vermutlich wollte Madame sich durch eine Haarveränderung hier schwedisieren, aber so weit waren wir noch nicht! Erst mussten wir uns ein wenig umschauen und sämtliche Düfte, Bäume, Orte und das Meer checken.

Es war anders und doch gleich. Bislang kam mir die Ostsee immer wie ein Plätscherwasser vor, doch nun erschien sie mir genau so wild wie das wilde Meer, meine Nordsee. Die Ostsee versuchte mehrfach, Janni und mich mit einer Breitseite zu erwischen, doch wir waren schneller.

Strand-Check
Strand-Check

Sämtliche Strände von Österlen, wie die Lutscher diesen entzückenden Landstrich in Südschweden nannten, mussten erkundet und kategorisiert werden. Doch leider waren Hunde nicht überall erlaubt. Trotzdem wurden wir fündig.

Einer unserer Lieblingsorte war ein Strand namens Sandkog bei Ystad, leider ging es hier nur online. Dafür konnten wir im „Hundbad“ von Vårhallen bei Simrishamn so richtig die Sau herauslassen. Die Kontaktaufnahme mit schwedischen Hunden klappte allerdings nur bedingt, man übte sich in Zurückhaltung.

Let's rock it!
Let’s rock it!

Doch wir trafen viele. Große, kleine, neugierige, ob unseres Temperaments erschrockene, ruppige sowie entzückende Kollegen. Wie im richtigen Leben halt. Vor allem in den Orten wie Simrishamn und Kåseberga tummelten sie sich.

Letzterer war wirklich schnuckelig. Eigentlich nur ein Hafen mit ein paar Shops und exzellent riechenden Lokalen. Mein kulinarischer Tipp: panierter, frittierter Hering mit Kartoffelpüree – Himmelschafundmeer! Gab’s beim Grillkiosk in der Mitte.

Boot-Check
Fischerboots-Check

Wegen der Nachsaison hatten schon viele Restaurants dicht gemacht, vor allem unter der Woche mussten wir selber jagen und brutzeln. Aber Madame et Monsieur setzten auf ihr Gespür für Süßes und fanden selbst mitten in der Pampa paradiesisch anmutende Cafés.

Auch dank der Tipps unseres Instagram-Freundes Maxen, ein Bearded Teddy, der in der Ecke lebte und jeden Baum, jeden Beach und jede Kaffeebar kannte. Egal, welche Saison. Kamen wir in unsere Miethütte zurück, empfingen uns die hübsche Olivia und ihr Kumpel, Superrüde Willi.

He's lookin' at you.
Here’s lookin‘ at you.

Er hatte Janni gleich am ersten Tag demonstriert, wer der Boss im Haus war. Dass bei uns matriarchalische Strukturen vorherrschten, hatte Willi noch nicht geschnallt. Ich pfiff den beiden Herren meine Meinung und bewunderte die elegante Olivia. Sie hatte die Ruhe weg, typisch schwedisch.

Obschon wesentlich rustikaler, sahnten Janni und ich in den kommenden Tagen sämtliche Preise ab. Beliebte Sehenswürdigkeiten wie „Ales Stenar“, ein paar lässig arrangierte, wenn auch recht alte Steinbrocken waren nichts gegen zwei Teppiche auf vier Beinen! Der Clou natürlich die Schleifchen, das haute auch den letzten Zweifler um.

Kuschelzeit
Kuschelzeit

Eine Spanierin wollte gar ein Foto mit uns, aber wir hatten alle Pfoten voll zu tun. Dafür lächelten wir liebreizend in die Kamera einer Kanadierin, unterhielten uns mit einer süddeutschen Familie, die sich Hals über Kopf in unseren Plüsch verguckt hatte und mich von allen Seiten begrapschte.

Auch über Instagram trudelten Komplimente ein, es nahm kein Ende. Schweden schien uns zu stehen, und wir standen Schweden. Egal, ob Janni nun jeden einzelnen Stein von „Ales Stenar“ markieren wollte oder ich mich dem Erkunden von Interiorläden widmete.

Und dann nehme ich noch...
Und dann nehme ich noch…

Leider bremsten Madame et Monsieur mich dabei ein wenig aus. Als ob ich Keramik demolieren würde! Ich! Abgesehen von Hering, Waffeln und Stränden entdeckte ich die Möglichkeiten abgeernteter Weizenfelder neu und fand vielfältige Verwendung dafür.

Die Stoppeln massierten den Rücken während des Wälzens, doch das Beste war, mit dem Schlumpfgesicht wie die Hasen wild und chaotisch herumzuhoppeln. Hakenschlagend und in einem irren Tempo! Damit ging ein alter Traum von mir in Erfüllung, Schweden sei dank.

Liebeserklärung im Sand
Liebeserklärung im Sand

Und abends fiel ich dann hundemüde in die Koje. Denn Nacht für Nacht hielt Speku uns in Atem. Verdächtige Geräusche! Na, Schlumpf, welcher Baum hatte sich denn schon wieder bewegt? Dann kam auch noch Frau Gewitter zu Besuch, heilige Ackergülle!

Selbst wenn der Urlaub eine Wucht war, würde ich zu Hause erst mal gründlich ausschlafen – weitab von unserer plüschigen Alarmanlage, Mister Janni. Das war so klar wie Kloßbrühe.

Text: Julchen (während des Diktats eingenickt, Pfötchen zuckend…)

Fotos: Elke Weiler

  1. Wow … äääh … wau, meine ich! 😉

    Eine Frage noch, Julchen, in der schwedischen Küche die Gardinen, das sind doch sicher schwedische Gardinen, oder? 😀

  2. Hej Wolfgang,

    danke!

    Ja, wegen der Gardinen… Madame sagt, sie wären schwedisch. Hilft dir das? 🙂

    Und der Janni, dieser Schlimmling, gehört eigentlich dahinter und nicht davor! 😀

    Liebe Grüße,

    Julchen

  3. Ja just det, Julchen! God natt och dröm sött! 😉

  4. Freut mich, Wolfgang!! Und god morgon! Sovit gott? 🙂

  5. Luft ist verdammt wichtig, lieber Wolfgang, vor allem gute! 😀

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