Life is a camping trip

Julchen hält Siesta auf der Wiese, Emilia daneben im Halbschatten, ich sitze Kirschen essend auf der Terrasse. Chillen vor der Hütte, life is a camping trip. Und es gefällt uns von Tag zu Tag besser. Jeder Platz ist anders, und unsere Situation in Falsterbo könnte kaum besser ausfallen. Nur ein Stück Wald trennt uns vom Strand.

Nach Nordsee, Skagerrak, Kattegat und Öresund haben wir nun die Ostsee erreicht.

Julchen ist das wurscht, Hauptsache Wasser, Hauptsache Sand und Wind, der durchs Fell fährt. Dann dreht der Hund erst richtig auf. Bislang hatten wir ausgesprochenes Wetterglück, unser Juni ist überwiegend sonnig und kompatibel mit dem Campen. Ein Mann steuert mit seinem Sohn auf unsere Hütte zu. Er sieht das Auto, die Augen leuchten auf. Am Kennzeichen hat er uns sprachlich identifiziert und schwärmt nun: „Tolles Auto!“

Ich hab ein Haus, ein Äffchen...
Ich hab ein Haus, ein Äffchen…

Wir unterhalten uns eine Weile über Routen, Campingplätze und den geliebten Norden. Bis sein Sohn mich fixiert: „Haben Sie gerade gesagt, dass ich blöd bin?“ Irritiert schaue ich ihn an. Schnell schiebt er hinterher, er sei Autist, und ich hätte damit wohl keine Erfahrung. Ich überlege, worüber ich mit seinem Vater sprach und erkläre mich.

Gesellige Individualisten

Er fragt mich wieder. „Sagen Sie doch einfach Nein.“ Ich komme ins Stocken, denn er hat recht. Bei der dritten Wiederholung der Frage, die beiden haben sich eigentlich schon verabschiedet, dreht er sich noch einmal um. „Nein“, sage ich. Wie oft rede ich überflüssige Dinge daher? Sogenannter Smalltalk, wie ein Bächlein dahin plätschernd, Honig der Kommunikation, nichtssagend.

Zeit für Kirschen
Zeit für Kirschen

Ich habe gelernt: Ich muss nicht besänftigen, wenn ich nicht angegriffen habe. Jedes überflüssige Wort käme quasi einem Schuldgeständnis gleich. Wir sind oft Sklaven dieser kleinen Automatismen, bis sie jemand entlarvt. Campingplätze werden mir immer sympathischer. Man könnte sagen, dass hier vor allem gesellige Individualisten hinfinden. Zumindest in Schweden.

Am Empfangshäuschen habe ich nach Hundeabschnitten am Strand gefragt. Der junge Mann schüttelt den Kopf. Aber die meisten würden sich nicht an das Verbot halten. Zumindest, wenn wenig los sei am Strand. Abends würden die Hunde dort ihre Runden drehen, ich müsste einfach mal schauen. Zaghaft stapfen Julchen und ich den Dünenweg entlang und scannen die Gegend ab.

Wir lieben Falsterbo

Weit und breit kein Mensch zu sehen. Erst mal weiter. Als wir die Wasserkante erreichen, kann ich in einiger Entfernung einen frei laufenden Hund ausmachen. Gerne lasse ich Julchen das tun, was sie am liebsten mag: am Strand toben. Es ist eine helle Freude mitanzusehen, wie sich der Hund verwandelt, aufblüht, rennt, bellt, buddelt. Mich animiert, es ihr nachzutun.

Wir lieben Falsterbo. Unsere Tage in Schweden enden auf dieser südlichsten Halbinsel des Landes, und wir verspüren schon jetzt so etwas wie einen Reisekater. Abschiede schmecken fad. So viel haben wir bislang erlebt! Morgen schon werden wir über die wunderbare Öresundbrücke Richtung Dänemark düsen und noch zwei Tage in Sønderjylland verbringen.

Zumindest täten wir das gerne, wenn Emilia nicht auf den letzten Kilometern schlapp machen würde. Sie springt am Morgen nicht an, und ich bitte die Campingfamilie um Starthilfe. Der Besitzer holt extra sein eigenes Auto herbei, meint aber väterlich: „Du solltest so eine Tour mit einem verlässlichen Auto machen.“

Beim Enten-Doc

Unnütz, ihm klarmachen zu wollen, wie perfekt Emilia für Roadtrips ist. Dass jeder Mensch und jedes Auto mal ein Zipperlein haben kann. Außerdem habe ich schon einen Termin in einer nahen Werkstatt ergattern können, um die Ladefähigkeit der Batterie vom Profi testen zu lassen. Am Telefon wollte sich der Werkstattleiter zunächst nicht mit Emilia befassen, sein Terminkalender wäre schon voll.

Sorgen um Emilia
Sorgen um Emilia

Doch als ich ihm die ganze Situation schilderte, war er bereit, sich die Acadiane zwischendurch kurz anzusehen. Auch habe er eine passende Ersatzbatterie, falls nötig. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Als wir ankommen, schaut er Emilia gleich in den Rachen. Und er tut, was ich eigentlich von der Inspektion vor unserer Abfahrt erhofft hatte: Er misst das Laden der Batterie bei laufendem Motor.

„Die Lichtmaschine muss defekt sein“, so seine Schlussfolgerung. Sie habe meine Batterie ruiniert, die zu heiß geworden sei. Zwar müsse er mir eine neue einsetzen, doch die Lichtmaschine sollte ich so schnell wie möglich reparieren lassen. Er kenne sich damit nicht aus. Da das Problem ja scheinbar schon länger existiert, kalkuliere ich, mit der neuen Batterie reibungslos nach Dänemark und schließlich nach Hause zu kommen.

Lieder, die mich verfolgen

Was für ein Gefühl, sich nicht länger um Startprobleme sorgen zu müssen! Ich singe laut, während wir die Öresundbrücke ansteuern. Leider habe ich kein Radio im Auto, man hätte das Schlimmste verhindern können. Seltsamerweise haben sich unserem Roadtrip nämlich zwei Lieder angeheftet, ohne dass ich auch nur den geringsten Schimmer habe, warum. Angeheftet wie Klebstoff.

Jedes Mal, wenn wir auf einer Landstraße oder Autobahn unterwegs sind und eine gewisse Strecke vor uns haben, sind sie einfach da. Sie müssen von der Straße kommen. Meist erscheint „Davy’s on the road again“, und ich singe lautstark „Baby’s on the road again“. Den Rest erfinde ich frei hinzu. Erst nach meiner Rückkehr erfahre ich, dass das Lied von Manfred Mann’s Earth Band stammt. 80er Jahre. Krass.

Das zweite Lied tritt zum Glück seltener auf, und hier fällt mir der Sänger sofort ein: „Wherever I lay my hat“ von Paul Young. Was so ein Roadtrip mit einem macht! Wie er Unglaubliches zutage treten lässt!

Glückshormone, als wir den Öresund queren. Die magische Brücke. Im Dezember werde ich wieder dort sein.

Vi ses, Sverige!
Vi ses, Sverige!

Text und Fotos: Elke Weiler

Dieser Teil unseres Roadtrips #scandi43 – eine Reise durch Skandinavien mit Hund und Ente – wurde von Camping.se und Visit Sweden unterstützt.

  1. Falsterbo ist echt toll! Dieser magische Strand und der Kiefernduft! Ist aber ewig her, dass ich da war, dabei hat der Mann eine Tante dort, die uns schon x mal eingeladen hat, aber irgendwie war immer was. Im kommenden Frühjahr muss das jetzt wirklich mal sein.

  2. Pingback: Sønderjylland – die letzte Etappe des Skandinavientrips mit Hund und Ente

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