Eine Bude in St. Pauli

Die Mädels wollen noch Schuhe kaufen. „Geht einfach hier die Juliusstraße entlang bis zur Susannenstraße. Dort gibt es nette kleine Läden.“ Stimmt. So mit dem Koffer in der Hand auf dem Weg zur Superbude St. Pauli ist mir auch schon aufgefallen, was die Rezeptionistin jetzt sagt. Haltestelle Sternschanze, Schanzenstraße überquert und mittendrin im Getümmel.

Wo hört eigentlich das Schanzenviertel auf, wo fängt St. Pauli an? Am Schulterblatt? Ich muss später Hanne von den Hamburg Greeters fragen. Auf jeden Fall wohne ich günstig, in jeder Beziehung. Und stylish noch dazu. Macht die Superbude nun auf Hostel oder witziges Hotel und Eventlocation? Freitagabend ist jedenfalls ein Konzert angesagt, doch dann bin ich nicht mehr da.

Der junge Mann hinter der Rezeption drückt mir ein Ticket mit Code zum Surfen in die Hand. „Frühstück gibt’s von 7 bis 12 Uhr“, sagt er noch. Und lächelt. Wenn ich zwischendurch ein Getränk wollte, einfach nur aus dem Kühlfschrank dort nehmen, aufs Zimmer schreiben lassen oder merken und irgendwann bezahlen. „Wir sind hier ganz locker.“

Zweckenfremdete Mausefallen in der Superbude St. Pauli.

Ich schaue mich ein wenig um. Gummitierchen in Glasbehältern auf den Tischen der Lobby. 10 Cents das Stück. Zum Herausnehmen, Eintüten und irgendwann Bezahlen vermutlich. Mausefallen an den Wänden, die als Clips für Flyer fungieren. Schubkarren mit Schaffellen als Sitze. Aber es sind nicht nur die Details.

Die Farbe Gelb zieht sich durch das Innendesign ebenso wie das gedrehte Tau-Motiv. Ein Gesamtkonzept, irgendwo zwischen Rock und Pop, zwischen Industrial Style und Vintage. Farbenfroh, passend zum Viertel. Ich fahre in den vierten Stock und lese alte Zeitungen an den Wänden meines Zimmers. Alles über Hamburg, St. Pauli und Budenpaten.

Ich logiere fast ganz oben in dem alten Backsteingebäude, das von außen eher streng wirkt, mit diesem Innenleben wie in einem Überraschungsei. Das Dachfenster klappt nach außen auf, und ich sehe und höre die Stadt von oben. Die Dächer, Kräne, Kirchtürme, das Rattern der S-Bahn und das sanfte Brodeln der Stadt zu fast jeder Zeit.

Alles weit weg und doch zum Greifen nah. Wieder dieses Mittendrin-Gefühl. Gegenüber ein Bio-Kiosk, der neben Obst auch Oliven im Angebot hat. Gründerzeithäuser und moderne Wohnbauten mit weiten Fensteröffnungen dazwischen. An meinem Fenster pappt ein kleiner Aufkleber mit der Bitte um Diskretion: Keine Fotos, keinen Lärm – please!

So sieht ein Doppelzimmer in der Superbude St. Pauli aus.

Ich klappe das Fenster wieder zu, und entdecke weitere Details: Ein Flipflop, der als Zeitungshalter dient. Zweckenfremdete Saugglocken an den Wänden als Garderobe. Ein Tornetz statt Kopfteil am Bett. Wo ist der Fußball? Ich habe ein Doppelzimmer mit einem Bad ganz für mich, also wie im Hotel.

Natürlich gibt es auch Mehrbettzimmer, ganze Familien haben sich hier einquartiert, wie ich am nächsten Morgen beim Frühstück feststelle. Oder ist die fünfköpfige Gruppe in der Rockstar Suite untergebracht? „Für dich und deine fünf Groupies“ ist sie nämlich gedacht. Um 9 Uhr morgens tummeln sich jedenfalls jede Menge Groupies verschiedenen Alters rund ums Buffet.

Ich ergattere noch einen freien Platz am langen Tisch, nachdem ein Groupie mir unsanft das Ei vom Teller und auf den Boden befördert hat. Es war das letzte seiner Art in diesem Zeitfenster. Dem Mädchen ist es dann auch wahnsinnig peinlich, bevor es sich in der Schlange zum Waffelbacken anstellt.

Deswegen duftet das hier so! Mal schauen. Diverse Sorten Bio Fair Trade Tee in hübschen orangen Dosen. Nein, ich nehme doch lieber einen Milchkaffee aus dem Automaten. Müsli? Sieht gut aus, doch Brot und Brötchen ebenso. Alles frisch vom Bäcker. Leider gibt es keine Croissants. Leider habe ich morgens im Hotel nie so viel Appetit, wie das Buffet suggeriert.

Noch herrscht gähnende Leere im Frühstücksraum.

Leider bleibt mir nicht mehr viel Zeit in der coolen Superbude. Aber nächstes Mal… da bringe ich dann die ganze Band mit.

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke an Hostelbookers Deutschland für die Unterstützung dieser Reise.

  1. Hach Hamburg. Irgendwann will ich dich mal besuchen und erleben. Wer so nah am Wasser wohnt, kann ich nur mögen. 🙂

    Liebe Grüße
    Christina

    • Ja, Hamburg gefällt mir auch mit jedem Besuch besser… 😉

      Und sag‘ gerne Bescheid, wenn du mal in den Norden kommst!!

      LG, Elke

  2. Pingback: Eine Bude in St. Pauli | ReiseblogsReiseblogs

  3. Das Hotel hört sich sehr kurios an. Flipflops und Saugglocken zweckentfremdet, das nennt sich wohl Recycling. 😀
    Hamburg ist jedenfalls eine tolle Stadt, ich hatte schon das Vergnügen.
    Spaß ist dort vorprogrammiert.

    lg
    Max

  4. Hi Max,

    ja, das Hotel hat gepasst 😉

    Schönes Blog übrigens, eures! Muss ich öfters mal besuchen! 🙂

    LG, Elke

  5. Tolles Hotel und ungewoehnliche Einrichtung. Werde ich beim naechsten HH Besuch mal testen..

    LG, Marcus

  6. Preiswerte Möglichkeit zum Übernachten, insbesondere für Familien oder Freunde.
    Danke für diesen Artikel über eine Besonderheit in Hamburg, meiner Lieblingsstadt!

  7. Inzwischen haben wir die Superbude ausprobiert: Das ist eine super Bude!

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