Durch die Khlongs von Bangkok

Ich stolpere, reiße fast einen Tisch um, traumwandele durch Bangkok. Doch Nok schaut für Zwei, geleitet mich sicher durch Gassen, über Treppen und zu sämtlichen Verkehrsmitteln, die wir an diesem ersten Tag benutzen: Auto, Skytrain, Longtailboat.

Mir ist abwechselnd warm und kalt, meist friere ich jedoch – und das bei 28 Grad plus! Aber der Wind auf dem Longtailboat ist frisch und der klimatisierte Skytrain auch. Ich habe keinen Appetit, und doch brüllt ab und zu der Bär in meinem Magen.

Nok, die immer wieder die Leidenschaft der Thailänder fürs Essen betont, kauft Fleischspießchen und zwei Sorten Klebereis, bevor wir ins Boot einsteigen. „Wir essen fünf bis zehn Mal am Tag“, versichert mir der gertenschlanke Guide. „Irgendwo durftet immer irgendwas Leckeres, und man muss es probieren.“ Doch kaum esse ich zwei Happen, bin ich abgefüllt, als hätte ich ein ganzes Tier vertilgt. Der Jetlag ist ein komisches Wesen.

Longtailboat, Bangkok
Wir starten.

Es ist so entspannend, sich den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen und erste Eindrücke einer fremden Stadt auf diese Weise aufzunehmen. Doch das ist nicht das Bangkok der Hochhäuser und glitzernden Shoppingwelten. Fernab vom brodelnden Verkehr düsen wir mit Highspeed durch die Khlongs.

„Das Wasser sieht schlimmer aus, als es ist.“ Ich mag Noks Humor. Aber sie hat wohl recht. Wir passieren eine ganze Armada von geparkten Reinigungsschiffen, die sich jeden Abend auf den Weg machen. Hier und da baden Männer im Kanal, kleine Jungs erfrischen sich noch mal kurz nach der Schule, bevor sie nach Hause gehen.

Der Chao Phraya
Der Chao Phraya

Vom Fluss Chao Phraya sind wir in das verzweigte Kanalsystem der Stadt abgebogen. Vor dem Straßenbau galten die Khlongs als wichtige Transport- und Verkehrswege, heute ist es eher ruhig hier, daher untypisch für das sonst so wimmelige Bangkok. Der perfekte Einstieg.

Ich hatte mich bei Nicole vom Blog „Freibeuter Reisen“ schon virtuell auf die Khlongs eingestimmt, denn solch maritime Geschichten sind Balsam für die Meerblogseele. Aber von Slow Travel keine Spur: Unser Captain düst mit fuffzig Sachen über die Wasserstraßen – James Bond ein Witz dagegen!

Zwischen den Häusern, die mal alt, mal neu, mal edel, mal einfach aussehen, hängen die Bäume voller Mangos und Kokosnüsse. Sogar die ersten Papayas sind schon zu sehen. Der Bambus schießt in die Höhe, Zuckerrohr flankiert die Gebäude. Es gibt Brotfruchtbäume und Mangroven.

Khlongs, Bangkok
Überall sprießt es.

„Wir mögen keine Blumen, denn man kann sie nicht essen“, witzelt Nok wieder. Wir lachen entspannt über thailändische Vorlieben. Blumen gibt es natürlich en masse, allein als Opfergaben sind sie beliebt. Und um die Geister zu besänftigen. Auch in den Khlongs hat jedes Haus sein Geisterhäuschen.

Ein Grundstück mitsamt Garten steht zum Verkauf. „Wer hier wohnt, hat auch ein Boot“, meint meine kundige Begleiterin. Wenn ich irgendwo in Bangkok wohnen wollte, dann vermutlich hier. Mit Boot, aber ohne diesen krachenden Longtailmotor. Unser Fahrer hält kurz an einem Tante-Emma-Laden, um Zigaretten zu kaufen.

In den Khlongs gibt es einfach alles. Boote, die Souvenirs verkaufen oder kalte Getränke, Hüte, Stifte, Fächer. Unzählige Tempel, eine Werft, ehemalige Salzfabriken, günstige Mietwohnungen mit Wellblechdächern, Gemüsegärten. Ja, Gärten. Im Wasser. Es handelt sich um Wasserspinat, den wir später auf dem Teller wieder finden werden.

Wasserspinat
Kommt später auf den Teller.

In der Nähe des Tempels Wat Arun setzen wir über den Fluss und benutzen einen privaten Anleger der Altstadt Rattanakosin. Meinen ersten Sonnenuntergang in Bangkok erlebe ich von der Rooftop Bar des „Sala“, das auch Restaurant und stylisches Bed & Breakfast ist.

Direkt am Fluss und gegenüber des Wat Arun, dem Tempel der Morgenröte, der sich auch im Abendlicht gut macht. Der Wasserspinat gibt sich als perfektes Wok-Gemüse. Gemeinsam mit Baby-Spargel, Pilzen, Bohnen, Blumenkohl und Möhren. Natürlich dürfen Massen an Knoblauch bei keinem Thai-Gericht fehlen!

Und wenn ich heute schon kein Fleisch esse, dann darf es doch wenigstens frittierter White Snapper sein? Mit Knoblauch und Chili scharf gemacht. Weniger „hot & spicy“ ist schwierig und bedarf meist langwieriger Verhandlungen. Einige Zeit später falle ich wie ein Stein ins Bett, den Langstreckenflug noch in den Knochen. Mein erster Tag „Bangkok in leichter Trance“ ist vorbei.

Händlerin auf dem Boot
Gerade erst angekommen.

Um Mitternacht wache ich kurz auf und habe den Eindruck, Bangkok ist die Stadt, die niemals schläft. Im Gegenteil, nachts wird sie erst richtig wach, wenn der Berufsverkehr und die Geschäftigkeit ausbleiben. Dann drehen alle auf.

Obwohl mein Hotel in einer kleinen Seitenstraße abseits des Rummels liegt, dringen die Geräusche der Millionen-Stadt durch das offene Fenster. Doch als ich heute das erste Mal einen Blick von meinen Balkon auf die Stadt geworfen habe, kam sie mir gar nicht so typisch metropolisch vor. Es lag vielleicht an diesem Duft, einem süßlichen Duft nach Bäumen und Blüten.

Text und Fotos: Elke Weiler

See you!
See you!

Mit Dank an Thailand Tourismus, die diese Reise ermöglicht haben.

  1. Sehr schön geschrieben und ich konnte mich sofort in deine Zeilen hineinversetzen. Der laustarke Motor des Longtail-Bootes gehört einfach zu Bangkok. Ebenso das schubweise Gas geben dabei. Der Sound von Bangkok.
    Und in einem Punkt muss ich dir auch zustimmen. Bangkok schläft nie. Die Stadt ist 24 Stunden lebendig.
    Lg Thomas

    • Danke, Thomas! Wie oft warst du eigentlich schon dort? Ich sehe dich mal nach Bangkok ziehen, in der Zukunft… 😉

  2. Juhuuuu, jetzt freu ich mich noch mehr auf meinen Thailand-Trip (wenn das überhaupt geht). Kannst du diese Tour weiterempfehlen? Wie viel hast du bezahlt und wo bucht man sie am besten? Will ich auch!! 🙂 Lieber Gruß und ganz viel Spaß noch.

    Sina

    • Liebe Sina, ich kann die Tour unbedingt weiterempfehlen. Du kannst sie an mehreren Anlegern des Chao Praya direkt bei den Fahrern oder Kassierhäuschen buchen, z.B. bei Tak Sin Bridge pier (BTS station), Thatien pier (bei Wat Poh) oder Tha Chang pier (in der Nähe des Grand Palace). Wichtig ist, die Dauer und das Ziel zu bestimmen und über den Preis zu verhandeln. Rechne mit 800 Baht pro Boot. Seid ihr mehrere Leute, wird es also günstiger. Liebe Grüße, Elke

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