Öl im Watt?

Manchmal, wenn es ganz still ist, hört man es am besten. Früh morgens oder an einem nebligen Tag. Wenn der Wind schweigt, kann man das Watt hören, sein Schmatzen und Blubbern. Das Watt, sprechender Meeresboden. Nicht nur unzählige Häufchen von Sandkot sprechen vom emsigen Treiben in Sand und Schlick. Nicht nur die Schreie der Möwen, Austernfischer und das Pfeifen der Knutts.

Wattwürmer, Wattschnecken, Bäumchenröhrenwürmer, Garnelen, Krabben, Flohkrebse, Seeringelwürmer, Herz, Mies- und Schwertmuscheln. Voller Leben ist das Watt, jede Wattwanderung gibt davon Zeugnis. Jede ist anders, jedes Mal lernst du andere Wattbewohner kennen. Und weiter draußen, bei Ebbe auf den Sandbänken, die glänzenden Leiber der Seehunde und Kegelrobben. Vor zwei Jahren wurden etwa 26.500 Seehunde und 4.300 Kegelrobben im Nationalpark Wattenmeer gezählt.

Wattbewohner
Wattbewohner

Sogar Wale gibt es, kleine Wale. Vor Sylt und Amrum sind sie manchmal zu sehen: die mit Delfinen verwandten Schweinswale. Es ist schwer zu schätzen, wie viele an der deutschen Nordseeküste leben, man geht von bis zu 54.000 aus. Meist sind nur Kopf und Rückenfinne an der Wasseroberfläche zu erkennen. Nur, wenn das Meer ruhig ist.

Bohrungen im Nationalpark

Sie finden ihre Nahrung per Echoortung und fühlen sich bei Lärm im Meer schnell gestört. Offshore-Windanlagen dürfen daher nicht im Nationalpark gebaut werden. Bei Öl scheint die Sache anders zu liegen, denn die Deutsche Erdöl AG hat Anträge für Probebohrungen im niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeer gestellt.

Mitten im Nationalpark? Werden die jeweiligen Umweltminister dem zustimmen? Greenpeace ist zur Zeit mit der Beluga II unterwegs, einem zweimastigen Segelschiff, das auch in flachen Gewässern fahren und trockenfallen kann. Die Umweltschützer wollen auf die aktuelle Entscheidungslage aufmerksam machen. Ich habe die Greenpeace-Expertin & Umweltwissenschaftlerin Lisa Maria Otte während der Nordseetour für den Meeresschutz in Husum getroffen.

Lisa Maria Otte auf der Beluga II in Husum
Lisa Maria Otte auf der Beluga II in Husum

Sie sagt mir, dass schon Probebohrungen mit einem Risiko behaftet sind. Es handelt sich dabei um mobile Pontons, von denen eines den Bohrturm trägt. Nach der Bohrung werden die Löcher wieder verfüllt. Das alles ist mit Lärm und erhöhtem Schiffsverkehr verbunden. Dea fördert bereits seit 1987 Öl im Wattenmeer, und zwar auf der Bohrinsel Mittelplate südöstlich der Vogelinsel Trischen.

16.000 Seevögel starben 1998

Es werden weitere Reservoirs mit 18,4 Millionen Tonnen Öl vermutet – lohnt sich der Aufwand für diese relativ geringe Menge? Die UNESCO hat für das Weltnaturerbe Wattenmeer drei Aussparungen vorgesehen, darunter ein Gebiet in der Nähe von Mittelplate, eines südlich davon sowie eines westlich von Neuwerk. Dabei handelt es sich um sensible Bereiche des Wattenmeers, gemäß Nationalpark-Begrifflichkeiten fallen drei der vier anvisierten Bohrstellen in Schutzzone 1.

Hier hat die Natur Vorrang vor der menschlichen Nutzung. Das Ökosystem würde durch die Bohrungen belastet, das Risiko eines Unfalls ist nie auszuschließen. Wie sich schon der Austritt relativ geringer Mengen Öl im Wattenmeer auswirkt, zeigte sich 1998, als ein Frachtschiff vor Amrum auf Grund lief und 100 Tonnen austraten. An die 16.000 Seevögel starben.

Wer sich gerne informieren möchte, kann die Beluga II auf ihrer Tour in den nächsten Tagen noch auf Föhr, Amrum und Sylt besichtigen, danach läuft sie Büsum und Cuxhaven an. Die Crew sammelt Unterschriften und reicht diese an die zuständigen Umweltminister von Niedersachsen und Schleswig-Holstein weiter – in der Hoffnung, das Vorhaben der Ölförderungsindustrie im Wattenmeer stoppen zu können. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, online gegen das Vorhaben zu protestieren.

Aktualisierter Stand im Januar 2017: Die von Greenpeace gesammelten 24.000 Unterschriften gegen das Vorhaben wurden im November 2016 überreicht. Je ein von Greenpeace und ein vom Umweltministerium beauftragtes Rechtsgutachten ließen Hobeck zum gleichen Schluss kommen: Die Bohrungen seien in Schleswig-Holstein nicht genehmigungsfähig.

Text und Fotos: Elke Weiler

  1. Ich liebe das Watt. Es ist eine Schande, das wir im 21 Jahrhundert den Wert immer noch nicht begriffen haben. 🙁

  2. „Man kann das Watt hören“, dieser Satz stimmt zu 100 %!

  3. Ich komme zwar nicht von der Küste, doch es ist für mich immer eine richtige Wohltat dort Urlaub zu machen.Massentourismus ist überhaupt nicht mein Ding und durch das Watt zu laufen ist eine Sache, die ich nicht mit Worten beschreiben kann.Viele meiner Bekannten können mich das nicht verstehen. Doch ich stehe zu meiner „Leidenschaft“. Das Wattenmeer ist was einzigartiges, was man erhalten muss.

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