Tante Emma und die Kunst

Katzen sitzen auf den Bürgersteigen, Hühner laufen frei herum. Mitten in Tetenbüll, hinter einem Haus auf der Dörpstraat. Nur Menschen sind kaum zu sehen.

Langsam legt sich winterliche Dunkelheit über die Halbinsel Eiderstedt. Umso gemütlicher wirken die erleuchteten Häuser ringsherum. Ein Dorf mit etwa 360 Einwohnern, in der Mitte die Kirchwarft, eine der bauchigen alten Backsteinbauten tragend. Ringsherum schmale Straßen und oftmals sanierte Häuser.

Eines davon lässt einen Einblick in das historische Eiderstedt zu: das Museum Haus Peters in eben jener Dörpstraat. Egal, wie man es nennt, ehemaliger Kolonialwarenhandel, historischer Kaufmannsladen oder Hökerei – zwischen 1820 und 1923 wurden hier Dinge verkauft, die die Eiderstedter nicht selbst produzierten: Gewürze, Tee, Kaffee, Stoffe, Rum.

Hökern kommt aus dem Plattdeutschen und steht für verkaufen. Dabei war der einstige Tante-Emma-Laden weit mehr als eine Warenhandlung mit Wohnhausanschluss. Auch heute kommt eine ältere Dame herein, die einfach nur schnacken will. Ein Ort der Kommunikation, des Austauschs, der Zusammenkunft.

Haus Peters in Tetenbüll
Backstein, Backstein

Viele der Besucher shoppen hier sogar, etwa eine Eiderstedter Marmelade oder eine Pellwormer Stoffmaus. Und fördern damit den Erhalt des Museums. Je nach Jahreszeit sind Produkte diverser kleiner Manufakturen im Angebot, und das nicht nur aus Nordfriesland.

Auch Kunstinteressierte kommen im Haus Peters auf ihre Kosten, denn es ist gleichzeitig Galerie. Aus Platzgründen verteilen sich die Exponate der Wechselausstellungen – gerne aus dem Kreise der Norddeutschen Realisten – in alle heute zugänglichen Räumlichkeiten des ehemaligen Vorhauses.

Thematisch muss es passend: So sind aktuell Bilder der „Malerin des Windes“ zu sehen. Die Hamburgerin Susanne Wind fängt den bewegten Augenblick ein: schaukelnde Kinder, flatternde Wäsche, tanzendes Dünengras. Inspiration findet die Künsterlin ringsherum genug.

Die Küche
Die Küche

Mit der Sanierung der Architektur aus dem 18. Jahrhundert und der Wiederbelebung des verbliebenen Inventars hat der Förderverein also nicht nur ein Stück Geschichte erlebbar gemacht, sondern auch eine Art Kulturzentrum ins Leben gerufen: Rosentage, Lesungen und Künstlergespräche gehören dazu. Oder eben einfach nur vorbeikommen und schnacken. Der Eintritt ist ohnehin frei.

Im Eingangsbereich wandelt der Besucher dann über den mit original schwedischen Kalksteinplatten gefliesten Boden. Alles wurde einzeln abgetragen und darunter eine Fußbodenheizung installiert, damit keine störenden Heizkörper den Denkmalschutz auf den Plan rufen.

Der hölzerne Tresen sowie die Regalwand mit etlichen Schubkästen geben das gründerzeitliche Aussehen des Ladens wieder. Das gusseiserne Schaufenster hingegen, ein Stück aus der Rendsburger Carlshütte, stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Alles in allem ein für damalige Verhältnise aufwendig eingerichtetes Geschäft – und somit Zeugnis einer guten Kaufkraft der Gegend.

Relikte
Relikte

An das sogenannte Vorhaus mit straßenseitiger Fassade und Friesengiebel, das den Laden und Wohntrakt beherbergte, war im 19. Jahrhundert ein Wirtschaftsgebäude angebaut, das in die Höhe und Breite gezogen der damals reetgedeckten Architektur ein haubargähnliches Äußeres verlieh.

Heute profitieren die Besucher anstelle des Wirtschaftsteils von einem Bauerngarten mit den typischen Stauden sowie Rosen in Hülle und Fülle. Zumindest dann, wenn der Winter vorüber ist, die Tage länger werden und ein paar Menschen mehr die Straßen bevölkern.

Text und Fotos: Elke Weiler

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