Mitten ins grüne Herz

Boutique klingt nett. Es gibt dementsprechende Hotels und Schiffe. Und es existieren, so behaupte ich mal, sogar Boutique-Dörfer. Ihres Zeichens hübsch und exklusiv.

Keitum auf Sylt ist so ein Ort. Wie aus dem Ei gepellt. Das ehemalige Dorf der Kapitäne, noch im 19. Jahrhundert so baumlos wie die ganze Insel, wähnt sich heute „grünes Herz“ der Insel.

Zu einer Zeit, als man auf Sylt nicht von Tourismus sondern Seefahrt lebte, zog es viele Kapitäne in Rente nach Keitum. Ergo avancierte der Ort zur Hauptstadt der Insel.

Mit seinen Reetdachkaten, Friesenwällen, Heckenrosen und einem Baumbestand, der seinerzeit auf Anregung des Lehrers und Sylter Chronisten Christian Peter Hansen angepflanzt wurde, hat sich das ehemalige Heidedorf in die Wahlheimat gut betuchter Feriengäste verwandelt.

Überall Reetdächer.
Überall Reetdächer.

Zur Zeit leben 927 mit Hauptwohnsitz sowie 622 mit Nebenwohnsitz in Keitum. Scheinbar einer davon schläft in einem blank polierten Automobil, als ich mein Fahrrrad vor dem Hotel Aarnhoog abstelle. Die Fahrer rufen mich kurz herbei, um das seelig schlummernde Kerlchen zu bewundern.

Dieser Terrier sei ein „waschechter Keitumer, hier um die Ecke geboren.“ Also gut, nicht mehr mit Wohnsitz, nur mit Herrchen und Frauchen auf Heimatbesuch. Im Hotel.

Das Aarnhoog zählt nämlich zu den hundefreundlichen seiner Art. Deswegen sind acht der zwölf komfortablen Suiten auch gemeinsam mit dem vierbeinigen Freund bewohnbar.

Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Haupthaus muss zunächst als Hof oder Stall funktioniert haben. Heute beherbergt es die Rezeption nebst Küche und der nordisch gemütlichen Tee- und Kaffeestuuv.

Der Stall aus dem 17. Jahrhundert
Der Stall aus dem 17. Jahrhundert

Küchenchef Bernhard Bohn kreiert Köstlichkeiten wie weiße Sellerie-Schalottencremesuppe mit Landschinken oder Filet vom Merlan an gebratenem Blumenkohl und Wasabipüree.

Doch selbst wer im Aarnhoog nicht diniert, profitiert schon morgens vom reichhaltigem Frühstücksbuffet. Damit auch ja keine Langeweile aufkommt, wechseln die Aarnhooger ihre Motti für den Morgen: Mal kommt es rustikal auf den Tisch, mal nordisch, mediterrran oder auch vital.

Rundherum sorgt ein beige bis friesisch-blauer Landhausstil für Wohlbefinden. Kein Wunder, dass die Gäste für eine Kleinigkeit wie Eintopf oder Halligbrot zum Mittagessen wieder eintrudeln. Oder sich am Kuchenbuffet von Frau Feddersen laben. Alles hausgemacht.

Ab ins Bett!
Ab ins Bett!

Wer sich wie ich schließlich in sein Doppelzimmer oder auch in eine Suite mit Kamin zurückzieht, blickt wohlmöglich auf einen schönen Tag in der Natur zurück. Erfreut sich am elektrisch verstellbaren Komfortbett, während der satte Sound der Stereoanlage erklingt.

Oder dreht noch eine Runde im 27°C warmen Badewasser des Pools. Der Wellnessbereich à la römische Klassik verbindet Haupt- und Suitenhaus unterm Rhododendrongarten.

Die Dunkelheit der Nacht legt sich über Keitum, der Mond spiegelt sich im Watt. Da wird aus dem Boutique- ein echtes Kuscheldorf, in dem kaum noch Autos unterwegs sind. Die Straßen und Wege mit niedrigen Laternen beleuchtet, heimelige Stimmung hinter den Friesenwällen der Katen.

Geselligkeit und Wärme hinter Sprossenfenstern – bei den Privathäusern wie im Hotel. Die Bürgersteige wie leergefegt, während das Leben in den Restaurants des Ortes pocht.

Auch zu Silvester bleibt es ruhig in Keitum, denn Feuerwerk tut Reetdächern nicht gut. Und über diese entspannte Lage freuen sich nicht nur die Hundegäste im Aarnhoog.

Text und Fotos: Elke Weiler

Das Hotel Aarnhoog auf Sylt hat mich zur Übernachtung eingeladen.

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