Churros con Chocolate

Sonntags morgens in Madrid. Churros con chocolate. Egal, welches Wetter. Die Zeiten sind vorbei, als ich noch dachte, Churros seien etwas für kalte, feuchte Wintertage. Wie naiv!

Echte Madrilenen meinen: Churros gehen immer. Die Frage ist, ob man die puddingartige Schokolade dazu noch schafft. Ich treffe mich mit der Kennerin Vanessa, die in der spanischen Hauptstadt aufgewachsen ist und jeden Winkel kennt.

Unser Ziel ist der Mercado de San Antón im Viertel Chueca, nicht weit vom Hotel. Ich verschaffe mir noch eine Grundlage im „Only You“, einen Kaffee und À-la-Carte-Frühstück. Endlich mal ein Hotel ohne Buffet.

Der Café con leche ist stark und aromatisch, leicht aufgeschäumte Milch gießt die nette Kellnerin dazu, bis ich Stopp sage. Es gibt Süßes und Herzhaftes zur Auswahl, einen bunten Brotkorb oder Croissants und Teilchen. Früchte, Yoghurt, frisch gepressten Saft, Eier in jedem Aggregatzustand.

"Only You" in Chueca
„Only You“ in Chueca

Ich nehme nur etwas Kleines. Wegen der Churros. Die stehen zwar schon serienmäßig auf den Tischen, doch von Vanessa weiß ich, dass man sie heiß und frisch essen muss. Das „Only You“ auf der Calle Barquillo liegt mitten in Chueca und ist damit ein guter Ausgangspunkt für alle, die Madrid zu Fuß erkunden wollen.

Es gibt kleine Läden, Theater, Kino, Restaurants und Cafés in der Umgebung, einfach alles. Wir sind schnell am Mercado, zu schnell, denn er öffnet sonntags um 10 Uhr. Doch Vanessa hat eine Idee. „Wollen wir etwas weiter laufen? Ich weiß, wo es die besten Churros von ganz Madrid gibt!“ Muy bien, ich bin dabei.

Das Café liegt an einer Ecke in der Gasse Postigo de San Martin auf der anderen Seite der Gran Vía. „Valor“ mit Namen und einer Tradition seit 1881. Wir bestellen eine kleine Portion Churros, quasi als Dessert nach dem Frühstück.

Porras, frisch frittiert
Porras, frisch frittiert

„Sie haben auch die beste Schokolade hier“, meint Vanessa. Im „Valor“ riecht es natürlich nach Kakao und Frittiertem. Durch ein Glasfenster können wir beim Backen einer gigantischen Teigschnecke zuschauen, die dann zerstückelt wird. Ein paar dieser Teile landen auf unserem Teller. Heiß und fettig, so muss es sein.

„Sie machen die Schokolade mit Maisstärke“, klärt mich Vanessa weiter auf, während sie einen Churro hinein tunkt. Dadurch bekommt sie ihre dickflüssige Konsistenz. „Aber die Churros sind eigentlich Porras.“

Jetzt bin ich verwirrt. Wir wollten doch Churros essen? Porras sind eben auch Churros, nur etwas dicker und weniger gebogen. Alles klar. Jedenfalls schmecken geringelte Churros und gerade Porras gleich gut. Oder sind die Porras doch besser?

So und nicht anders.
So und nicht anders.

Porras wirken so, als könnte man damit jemanden erschlagen. Kein Wunder, übersetzt heißt das Knüppel. Und der wohl bekannteste Ort für Churros und Porras ist die Chocolatería „San Ginés“ im gleichnamigen Pasadillo, eine schmale Gasse zwischen Calle Mayor und Calle Arenal mitten im Zentrum der Stadt.

„Diese Chocolatería ist so bekannt, weil im letzten Jahrhundert viele berühmte Leute dort verkehrten“, meint die Madrilenin. Es galt als Literatentreff im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Heute ist es 24 Stunden am Stück geöffnet und sehr beliebt, um nach einer durchtanzten Nacht aufzutanken. Und Schokolade sei ja gut gegen Kater, lautet ein hartnäckiges Gerücht.

An diesem Sonntagmorgen in der Chocolatería „Valor“, die ihre eigene Schokolade produziert und als Pralinen verkauft, geht es eher ruhig zu. Die Gäste sind überwiegend Spanier, die vermutlich die Nacht nicht durchzecht haben.

Und nachts ins San Ginés.
Und nachts ins San Ginés.

Unsere Porras haben sich flott assimiliert, ich tunke fleißig. Doch am Ende kann ich genau wie Vanessa keinen einzigen Löffel vom Schokoladenpudding mehr zu mir nehmen. Als Prävention gegen Herzattacken wird es schon reichen.

Und beim nächsten Madridbesuch also das „San Ginés“ um fünf oder sechs am Morgen. Denn das berühmte Nachtleben der Stadt, die Movida, ist mir doch tatsächlich durch die Lappen gegangen.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an das Spanische Fremdenverkehrsamt, das zu dieser Reise eingeladen hat.

  1. Pingback: Madrid ist grün? Madrid ist... Genuss!

  2. Das weckt Erinnerungen! 😀 Meine ersten Churros hatte ich in einem völlig überteuerten Cafe in Valencia, da, wo alle Touris reinströmen. Warm müssen sie sein und die Schokotunke richtig heiß! Wenn ich es mal nach Madrid schaffe, werd ich mal deine Cafe-Tipps checken. Man muss ja dringend vergleichen 😉
    LG Claudi

  3. Churros con chocolate kann ich einfach nicht zum Frühstück essen! Da ist dann der Tag gelaufen, weil ich mich danach nur noch träge fühle. Aber lecker sind sie!
    LG
    Ulrike

  4. Oh Churrossss… die habe ich vor vielen Jahren in Salamanca jeden Morgen gegessen, also ich dort zwei Wochen einen Sprachkurs absolviert habe. Nicht gesund, aber verdammt lecker!! 🙂

  5. Pingback: Im Viertel Raval | Barcelona

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