Don Pepito und die Pfingstlutscher

Als Jannis neue Freunde ihm den Rücken kehrten, schaute der Dicke ziemlich blöd aus dem Plüsch. Die Jungbullen hatten nämlich eine attraktive Milchkuh erblickt und zögerten keinen Moment, dieser unisono ihre Aufwartung zu machen.

Ein lautstarkes Baggern, Flirten und Schäkern begann, das Janni leicht irritierte. Mich interessierte der Liebeskram unter Kühen weniger, ich wollte Action. Also gab ich Madame ein Zeichen, mir das Frisbee zu werfen.

Eine meiner Spezialitäten war, die Flugscheibe in der Luft abzufangen, und mit artistischen Einlagen konnte man Madame immer begeistern. Nun zu Teil 2 unseres reizenden Spiels: Wenn ich zum Saufen an den Graben lief, parkte ich das Frisbee knapp am Rand.

Mit Kühen kommunzieren?

Dort ließ ich es liegen und lief fordernd zu Madame, die mir die Scheibe schmeißen sollte. Leise vor sich hin fluchend krabbelte sie dann unter tiefliegende Äste, um das Frisbee zu holen.

Wenn sie schnell war, schaffte sie es, bevor die Scheibe ins Wasser rutschte und wegtrieb. Wenn nicht – dumm gelaufen! Muss ich noch erwähnen, dass die Gräben um uns herum voller Frisbees in den unterschiedlichsten Farben waren?

Um mir etwas Abwechslung zu verschaffen, ventilierte ich Maus- und Bisamunterschlüpfe durch. Rund ums Haus hatte ich mehr Glück und schaffte es, ein Nagerexemplar freizulegen. Doch es hatte leider schon das Zeitliche gesegnet.

Das wäre Meister Mats nie passiert, aber ich war halt kein Löffelgesicht. Ich musste Madame et Monsieur dringend zu einer Neueinstellung überreden, schließlich konnte ich mich als Ressortleiterin Kolumne nicht auch noch ums Housekeeping kümmern.

Pfingstbesuch! Julchen sich sieht für das Amüsement zuständig.

Nach dem Abschied von der netten Bloggerkollegin Tante Elena stand in guter Pfingsttradition schon der nächste Lutscherbesuch auf der Matte. Mit der Bespaßung rund um die Uhr hatte ich alle Pfoten voll zu tun.

Mein Praktikant war dabei keine große Hilfe, zumal er mit dem Hünenlutscher seine Probleme hatte. Obwohl wir eine tolle Zeit in St. Buddel verbrachten, schaffte Janni es, den Kerl von Madames Freundin in die Wade zu zwicken.

Als Richterin in oberster Instanz gab ich dem Antrag der Verteidigung auf Straferlass statt, da das Pummelschwein provoziert worden war. Mit Jannimännern war eben nicht zu scherzen!

Richterin in oberster Instanz: Julchen on the beach.

Viel Lob hingegen von Postlutscherseiten: Während Janni befand, dass ihn das Schicksal aller Rockstars ereilte, die mit zunehmenden Alter ruhiger würden, ging meine Theorie in eine ganz Richtung.

Messerscharf analysierte ich die Lage: Die lieben Kumpels und Verwandten hatte in einer konzertierten Aktion beschlossen, Pummels Verhältnis zu Postlutschern durch eine Flut von Geburtstagspaketen zu verbessern. Bingo!

Besonders amüsierte den Postlutscher die Adressierung an „Janni Yeti Pummel Weiler“. Mister Postman lächelte wieder – nach Monaten der Spannung. Mitten im schwelenden Konflikt schienen die Fronten aufzuweichen.

Im übrigen wirkte Janni-Baby von dem Geschenkeberg leicht überfordert, und wir begannen, die Gadgets nach und nach gemeinsam auszutesten. Eines davon: Don Pepito der Papagei.

Nach dem Stress: Buddeln hilft immer.

Wenn er vor sich hin gackerte und zwitscherte, packte ich ihn soft zwischen die Beißerchen und trug ihn an die frische Luft. Er musste fliegen! Draußen! Hoch auf die Bäume! Tat er aber nicht.

Janni hingegen schaute Don Pepito nur schräg von der Seite an, das Pummelschwein trug eben null soziale Verantwortung. Was musste er nicht noch alles in seinen dicken Kopp reinkriegen!

Vor allem, was das Verhalten bei Lutscheraufläufen in St. Buddel anging. Wir trafen unsere Pfingstlutscher in meinem Lieblingscafé – normalerweise eine Oase der Ruhe. Doch was war los?

Eine Höllenmaschine nach der anderen knatterte vorbei, und ich kam aus dem Austeilen der Verweise gar nicht heraus. Madame et Monsieur befürchteten, dass wir mit Inselverbannung bestraft würden, doch ich konnte nicht auf alle Befindlichkeiten Rücksicht nehmen.

Bis Australien bohren. Gemeinsam ist alles möglich.

Dazu war die Lage zu ernst und die Höllenmaschinen zu laut. Als wir endlich den Strand stürmten, hätte ich mich abreagieren können. Doch das Einhüten des vergrößerten Rudels nahm fast meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch.

Abwechslung lief uns in Form einer sympathischen Berner Sennerin über den Weg, die Janni vom Fleck weg heiraten wollte. Dala schien ebenfalls nicht abgeneigt und warf sich auf den Boden.

Doch aufgrund einiger Verständigungsprobleme kamen die beiden nicht weiter. Der Dicke musste sich abkühlen und sprang in die Fluten. Monsieur kriegte sich kaum ein vor Begeisterung und sah Big Janni schon die Hundolympics von 2014 gewinnen, Disziplin: Planschtauschschwimmwaten mit Stockfishing. Ergebnis: ein sauberer Rüde.

Der gemeine Bade-Beardie.

Nebenbei erwähnt: geschadet hatte es dem Stinker gewiss nicht. Ich kaprizierte mich aufs Sandbaden, neben dem Buddeln meine Spezialität am Strand. Ergebnis: der Superflausch. Monsieur verliebte sich erneut. Sowie zwei Lutscherpassanten auf dem Laufsteg St. Buddels, der Beachbrücke: „Zwei wunderschöne Hunde. Aber nur als Paar!“

Doppelter Beardie, doppelte Begeisterung. Allerdings kam Janni nicht bei jedem gut an. So durfte er sich dem Oldie Kaspar nicht nähern, während meine Aufwartung hier durchaus geschätzt wurde. Sein Kollege Ludo hatte allerdings einen Narren an Janni gefressen.

Kein Wunder, die Yetis waren im gleichen Alter und ähnlich durchgeknallt. Man verabredete sich locker auf ein weiteres Treffen, denn ihr Rudel hatte noch eine Ferienwoche vor sich. Jetzt aber erst mal zu den Fischbrötchen!

Nach all dem Stress: ein schönes Sandbad.

Ich wollte mich flugs in der Schlange einreihen, doch Madame et Monsieur hielten mich zurück. Die Pfingstlutscher übernahmen netterweise den Job, nur leider schwante mir etwas…

Yep, sie vergaßen glatt meine Portion! Janni hatte ja genug auf den Rippen, aber ich schob Kohldampf nach dem ganzen Gehopse, Gerenne und Getanze. Zum Glück fielen ein paar Pommes für unsereins ab, sonst hätte ich den Rückweg kaum geschafft.

Da ich zudem auch noch eifrig an meinem ersten Buch arbeitete, kam mir jeder Snack und jede Pause entgegen. So haute ich mich abends auf die Couch neben Madame und die Pfingstlutscher, und wir zogen uns einen Schwedenkrimi rein.

Es gab einfach nichts Entspannenderes als Rudel-Viewing. Hauptsache, der Dicke kam mir nicht zu nahe. Später konnte ich ihm immer noch ein Gute-Nacht-Bussi geben, wenn er sich ausnahmsweise mal vernünftig verhielt, der Herr Rocker.

Laut meiner Tagesplanung würde das frühestens nach dem Spätgassi passieren. Gute Nacht, ihr Lieben!

Text: Julchen (nach Diktat einen Antrag auf Neubesetzung der Housekeeping-Stelle gestellt)

Fotos: Elke Weiler

  1. Immer wieder gut! Und die Hundefotos sind echt nicht zu toppen! 😀 Die wehende Mähne kommt immer gut.

  2. Liebes Julchen, liebe Elke,
    wundervoll und sehr, sehr amüsant.
    Danke und schönen Gruß.
    Helmut

  3. So viele schöne Formulierungen wieder mal. Das gibt ein dreifaches #hach!
    Und für die Fotos gleich noch einmal: #hach!

  4. Ach, ach, ach …. das ist Beardie Liebe pur. Einfach nur zum knutschen die Fotos und auch Deine Texte liebe Elke, klasse. Lieben Dank für diesen tollen Beitrag.
    LG sendet Dir Dani

  5. Köstlich! Gefällt mir ja oft; aber heut fand ich es mega, wie wir hier in Luxemburg so sagen! Da war man doch irgendwie fast mit bei!

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