Der Duft der Köttbullar

Für mich war das Meer immer das Meer.

Manchmal impertinent, so dass man es scharf zurechtweisen musste. Dann wieder nett und friedlich. Dass die Lutscher ein und demselben Wasser hundert verschiedene Namen gaben, machte die Sache unnötig kompliziert. Jedenfalls hatte ich den Skagerrak schon mehrfach verkostet, und ganz ehrlich: Geschmacklich kaum ein Unterschied zur Nordsee.

Um von Norwegen nach Schweden über den Skagerrak zu gelangen, reichten Emilias Fähigkeiten leider nicht aus. Eine Ente, die nicht schwimmen konnte! Zwangsläufig enterten wir etwas Größeres, das wie eine fahrbare Brücke zwischen den Ländern funktionierte. Es schaukelte gemächlich, also döste ich eine Runde, und schwupps, waren wir in Schweden.

Leben wie Pippi Langstrumpf

Natürlich tat es mir leid um einige Leuchtturminseln inklusive rasanter Bootstouren. Nach meinen ersten Erfahrungen in Torungen sah ich ein hohes Potential in Südnorwegen und liebte die relaxte Atmosphäre auf so einer Insel. Nicht umsonst hatte ich während der letzten Fahrt echte Seebeine entwickelt.

Chillen vor der Hütte

Hüttenhund

Doch wenn Schweden rief, musste man als kulinarisch inspirierter Hund folgen. Immer dem Duft der Köttbullar (sprich: schöttbüllar) hinterher. Zudem erhielt meine frisch erwachte Leidenschaft fürs Campen neue Nahrung, denn Madame versicherte mir, dass wir in Westschweden nur noch in Holzhütten hausen würden. Das wurde einer würdigen Nachfolgerin Pippi Langstrumpfs mehr als gerecht.

Gefühl fürs Campen

Ich mochte auch die vielfältigen Möglichkeiten auf dem Gebiet sozialer Kontakte. Wenn Madame mich doch nur von der Leine lassen würde! Wie in Dänemark, als ich fast von jenen netten Asiaten zum Dinner eingeladen worden wäre. Doch Madame, die alte Spielverderberin, war der Meinung, ich könnte nicht uneingeladen in fremde Gärten und Hütten hineinspazieren.

Na, komm schon!

Na, komm schon!

Dabei freuten sich die Leute doch über meinen Besuch! Gerade auf Campingplätzen traf man die umgänglichsten Lutscher überhaupt. Wer keinen Kontakt wollte, konnte ja auf einer einsamen Insel urlauben. Die Ansammlung von Hütten, Zelten und Wohndosen mitten in der Natur bedeutete aufschlussreiche Geruchs- und Soundanalysen.

Inspiration

Schweden brachte zudem eine ideale Kombinationen von Wald und Wasser mit sich. Nordfriesland war ja mit Bäumen nicht gerade gesegnet, vor allem in der Marsch. In Schweden hingegen konnte ich am Strand buddeln und danach Labyrinthe aus Büschen und Bäumen erforschen. Balsam für die Seele jeder Entdeckernatur.

Begegnung in Varberg

Begegnung in Varberg

Selbstredend begleitete ich Madame auch in diverse Städte, grundsätzlich war ich der Lutscherkultur gegenüber aufgeschlossen. Vor allem in lärmreduzierter Umgebung. So hatte ich sehr gute Erfahrungen in Varberg gemacht. Wir latschten Richtung Strand, und ich traf coole Typen. In einem netten kleinen Café mit Blick aufs Wasser ließen wir uns nieder.

Top-Service in Varberg

Die Jungs brachten mir Wasser, bevor Madame überhaupt etwas ordern konnte. Dabei machte ich mir Sorgen, denn sie hatte noch nicht gefrühstückt. Doch Madame hielt durch, bis ein Smörgås auf ihrem Tisch landete. Ein Brot mit Lachs, so viel konnte ich riechen. Ich hatte zwar schon gefrühstückt, hätte aber noch ein Häppchen vertragen. Keine Chance!

Ein Drink am Mittag

Ein Drink am Mittag

Wir liefen die Wasserkante entlang, und das Meer nannten sie hier übrigens Kattegat. Aber ich sage nichts mehr zu dem Thema. Madame freute sich wie ein Lamm im Frühling, als wir ein Kaltbadehaus entdeckten. Bei jeder Gelegenheit schwärmte sie einem die Ohren voll von dieser wundersamen Erfindung der Schweden.

Zeugen der Tat

Glücklicherweise war es geschlossen, sonst hätte ich wohl noch auf Madames werte Anwesenheit verzichten müssen. So schlenderten wir zur Festung, und ich entdeckte eine weitere nette Location für Speis und Trank. Doch Madame wollte weiter. Wir sahen bunte Lutscherräder im Wasser liegen, die scheinbar nicht in Betrieb waren.

Plötzlich wurden wir Zeugen einer Straftat. Ein fieser, mieser, heimtückischer Raub! Eines dieser frechen Möwentiere stibitzte einer jungen Schwedin das Pausenbrot. Sie schrie auf. Ich war außer mir und wollte eingreifen, doch es war zu spät. Ich wusste schon, warum ich diese lästigen Piepmätze immer vom Strand vertrieb!

Die Lärmattacke

Ansonsten gefiel mir Varberg ausgesprochen gut, und auch in Båstad und Torekov ging es locker und leise zu. Gewisse Problem hatte ich lediglich mit Helsingborg. Die kulturellen Erkenntnisse gingen mir in der Stadt am Öresund (!) völlig ab. Auch wenn Madame so angetan war vom Dunkers Kulturhaus und jenem Food namens Lakritz.

Kulturhund

Kulturhund

Für mich keine Option im Vergleich zu Köttbullar, aber ok. Mit Letzteren hatten wir an unserem letzten Abend in der Luxus-Campinghütte von Torekov noch eine Party geschmissen, bis wir fast platzten. Ich liebte es, mit Madame auf Roadtrip zu sein! Die uneingeschränkte Aufmerksamkeit meiner Lieblingslutscherin zu haben und dann auch noch Köttbullar im Napf – besser ging es nicht.

Aber dann kam Helsingborg und mit ihm eine Geräuschkulisse, die nur ich übertrumpfen konnte, wollte, musste. Madame beschloss, ohne mich weiterzumachen, not amused. Aber ich konnte wirklich vor keinem Steinhasen posen, während Höllenmaschinen uns wild umkreisten. „Du bist eben kein Stadthund“, tönte Madame.

In der natürlichen Umgebung

In der natürlichen Umgebung

Ja, Himmelschafundmeer! Ein Hund gehörte schließlich in seine natürliche Umgebung und nicht zwischen eingezäunte, zubetonierte Flächen mit starker Lärmbelästigung. Großstadtmäßig konnte ich überhaupt nur eine einzige Ausnahme machen: Malmö. Und das lag nicht nur an Kickis Köttbullar. Aber dazu demnächst mehr!

Text: Julchen (nach Diktat mal in der Küche geschnuppert. Es wäre doch der ideale Tag für Köttbullar mit Kartoffelpüree!)

Fotos: Elke Weiler

Dieser Teil unseres Roadtrips #scandi43 – eine Reise durch Skandinavien mit Hund und Ente – wurde von Camping.se unterstützt.

Kategorie Roadtrips, Schweden
Autor

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Einst mit Emil verlobt, einem Schapendoes aus Nordfriesland, ist Julchen zur Zeit wieder ungebunden. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

4 Kommentare

    • Danke, liebe Tante Ca! Weißt du, es gab tatsächlich Köttbullar gestern zum Dinner. Aber in Schweden hatte ich mehr abgekriegt! 😀 Grüß die Jungs! Bussi!

  1. Pingback: Mittsommer in Malmö, Schweden | Roadtrip #scandi43

  2. Herrlich. So ein paar Tage oder auch Wochen in Schweden würden mir jetzt auch gefallen. 😉 Einfach mal leben in Slow Motion und viel entspannter.

    LG aus dem Defereggental

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