Leuchtfeuer

Rotweiß gestreifte Türme ließen mich völlig kalt. Ich wusste nur, dass viele Ferienlutscher sich unwiderstehlich von ihnen angezogen fühlten und schlimmstenfalls sogar dort heirateten. Insofern sie schwindelfrei waren.

Doch wenn man es genau nahm, standen die langweiligen Riesen doch nur in der Gegend herum. Egal, ob es stürmte, schneite oder regnete. Wenn sie sich wenigstens noch bewegt hätten! Doch das Einzige, was sie konnten, war ab und an ein Leuchten von sich zu geben.

Ein Leuchtturm – eignete er sich nur zum Heiraten?

Grundsätzlich hatte ich Respekt vor Dingen, die größer waren als ich. Ich meine nicht Lutscher, die waren leicht zu knacken. Kühe ebenso. Busse dagegen gehörten schon einer anderen Kategorie an. Hier galt das Prinzip: Leben und leben lassen, wenn sich so ein schnaubendes, knächzendes Ungetüm näherte.

Da kümmerte ich mich lieber um stille, bodennahe Dinge. Äste! Stürme waren ein dankbares Ding, wenn man sich ihnen nicht direkt in den Weg stellte. Denn wenn das Winddrama vorüber war, gab es sehr viele Stöckchen auf dem Boden, die alle bearbeitet, weggetragen oder betanzt werden wollten.

Statt mich also lange damit aufzuhalten, warum die Ferienlutscher lieber auf einen unbeweglichen Riesen zusteuerten, als sich mit mir zu beschäftigen, kümmerte ich mich lieber um Schafskot, Äste und Treibgut. Ich wunderte mich immer wieder, wieviele Baumteile auf nordfriesischem Boden zu finden waren. Denn Wald kannte man ja hier nur vom Hörensagen.

Winddrama? Kein Problem für Julchen!

Mir war zu Plüschohren gekommen, dass auf Helgoland und Sylt massenweise luxuriöse Käselatschen an Land gespült worden waren – alles dank eines Winddramas! In Stufhusen hingegen gab es keine Lutscherfußschlüpfer auf dem Boden, dafür aber jede Menge Holz. Wie ein Balletttänzerin hüpfte ich über den Deich, eine raffinierte Choreografie entwickelnd.

Je größer der Stock, desto besser. Baum und Deich gehörten mir ganz allein, bis ein Lutscherpaar mit ihren Minis anrückte. Natürlich freute ich mich über die neue Spielgesellschaft und tat das lautstark kund. Was Madame et Monsieur nicht gerade in Freudentaumel versetzte.

Warum durfte ich dieses Titi auf dem kleinen Knatterauto nicht zum wilden Spiel auffordern? Mini-Lutscher waren wunderbar: Sie rannten und schrien wie am Spieß.

Doch Madame lenkte mich ab, und natürlich konnte ich ihr nicht widerstehen, wenn sie so wild herumhüpfte. Es war Zeit für einen typischen Deichtango! Wenn Emil schon nicht da war…

Die mit dem Ast tanzt...

Für alle, die ihn noch nicht kennen: Emil ist holländischer Abstammung, von wendiger Statur und er liebt Salzwasser. Wenn wir über die Wiesen toben, bis uns die Zungen aus dem Hals hängen, freuen wir uns über jede Meerespfütze.

Bjelle hingegen, eine erwachsene Labradorhündin und gemeinsame Bekannte, nahm lieber ein Bad im natürlichen Planschbecken. Einer sich schüttelnden Meerjungfer gleich entstieg sie den Fluten und wirkte wie ein neuer Hund.

Aber Emil und ich waren schon wieder unterwegs, wir konnten nicht ewig auf solche Marotten Rücksicht nehmen. Denn das Schöne war: Wir hatten immer die gleichen Ideen oder Vorlieben. Und immer denselben Rhythmus.

Deswegen konnten wir uns nie voneinander trennen und liefen selbst bei Wind und Regen mit ungetrübter Freude durch die Gegend. Zwar zwickte ich ihn nie in den Schwanz und so. Und im Grunde war es auch relaxter, nicht mit ihm zusammen zu leben.

Der Kutter für die Flitterwochen mit Emil steht bereit

Denn dann wäre ich nur noch ein Strich in der Landschaft. Emils Zweitberuf war nämlich Staubsauger. Trotzdem, wir waren ein Dreamteam. Möglicherweise wollte er mich auf dem Westerhever Leuchtturm heiraten.

Ich hielt zwar nicht viel von Bindungen à la „bis dass der Tod euch scheidet“. Aber für die Flitterwochen hatte ich schon einen Kutter organisiert, mit dem wir nach Grönland reisen konnten. Wir suchten nur noch nach jemandem, der Krabben, Scholle und Hering schmackhaft zubereiten konnte…

Text: Julchen (nach Diktat einen Jobanzeige für einen Smutje aufgegeben)
Fotos: Elke Weiler

  1. Wuff Julchen!
    Eigentlich wollten wir dir und den senkrechten Typen nur frohe Weihnachten wünschen, da liest Frauchen von Labrador Bjelle. Das ist lustig, denn meine eine Sheltiefreundin, die fast so alt ist wie ich, heißt auch Bjelle. So ein Zufall!
    Also dann!
    Frohe Weihnachten und ein lustiges Jahr!
    Maddy nebst Zweibeiner

  2. Hallo Maddy,

    danke dir für die guten Wünsche! Natürlich auch für dich und dein Rudel ein tolles Fest der Liebe!

    Bjelle ist ein schöner Name, nicht?

    Alles Gute, bis bald mal!

    Dein Julchen

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