Am Pool des Jaguars

Ein Auf und Ab, der Weg. Schon in Quito geht das los. Wir drängeln uns durch die ewige Rush Hour der Hauptstadt Ecuadors, halten Kurs auf Breitengrad Null, die Mitte der Welt.

Und weiter Richtung Norden. Vom wolkenverhangenen Himmel in die Sonne. Meist geht es bergab, wir gehen von 2850 Metern bis auf 1000 runter. Die Bremsen des Busses müssen glühen, der Fahrer kriegt vermutlich bald einen Wadenkrampf, sagt aber nichts. In den Ohren knackt es.

Totempfähle auf Breitengrad Null
Totempfähle auf Breitengrad Null

Ringsherum wird es immer grüner. Die Blätter der Ameisenbäume glänzen silbrig in der Sonne, die Cecropia ist typisch für das tropische Amerika. Noch sind wir in der Provinz Pichincha, benannt nach dem Vulkan, als wir auf eine Schotterpiste abbiegen. Doch weiter unten mündet sie wieder in eine frisch geteerte Straße. Wir sind unterwegs nach Mashpi, wo der Nebelwald in einen subtropischen Regenwald übergeht.

El Camino de los Yumbos

Der Ort in den Wolken, der Wald ohne Schatten. Doch bevor wir in Wasserfällen duschen, haben wir eine Verabredung in Tulipe, etwa auf der Hälfte der Strecke. Ein Besuch bei den Yumbos. Ich habe zum ersten Mal im Nebelwald von Yunguilla von ihnen gehört.

Unterwegs durch Pichincha
Unterwegs durch Pichincha

Dort kann man auf dem „Camino de los Yumbos“ zu den archäologischen Überresten des alten Volkes wandern. Die Yumbos haben schon vor den Inka gelebt, sie tauchten um 800 auf und verschwanden 1660 wieder von der Bildfläche.

Viel weiß man nicht über sie. Für ihren regen Handel gruben sie tiefe Pfade in die Erde, um deren Frische auszunutzen; ihr Streckennetz reichte von den Bergen bis zur Küste. Vermutlich starben sie aufgrund eines heftigen Ausbruchs des Pichincha im 17.Jahrundert aus. Einige verließen die Region und vermischten sich mit den Amazonasvölkern.

Bei den Yumbos
Bei den Yumbos

Ihre Sprache und viele Details ihrer Kultur gingen verloren, doch sind sie im Ecuador von heute noch präsent. Man huldigt ihnen auf Dorffesten – in Form von Tänzen und Spielen. So erinnert die alljährliche „Yumbada“ an die Besuche der Yumbos im Hochland. Ihre Hütten bauten sie aus Bambus, ihre Kultstätten aus Erde und Stein. Als friedlich waren sie bekannt, die Händler und Farmer, die sich auch der Astronomie widmeten.

Nordic Walking vor vielen Jahrhunderten

Wir laufen durch das Museum von Tulipe, da sehe ich es: Eine lebensgroße Männerfigur, die einen laufenden Yumbo-Händler darstellt – mit einem großen Korb auf dem Rücken. Ohne den Korb sähe der Mann aus, wie auf frischer Tat beim Nordic Walking ertappt. Mit ähnlichen Stöcken zogen die Yumbos von A nach B, sportlich und effektiv waren sie. Eindeutig ihrer Zeit voraus.

Der Pool des Jaguars
Der Pool des Jaguars

Hinter dem Museum finden wir die archäologische Stätte von Tulipe: Pyramiden unter Gras und ein Poolsystem wie ein großer Spiegel, der die Gestirne reflektiert. Alles angelegt in halbrunden und rechteckigen Formen. Die schönste und komplexeste Form ist das Becken des Jaguars, dem stärksten Tier des Urwalds.

Auf zur Mitte von Nichts

Vom Museum aus sind es noch etwa anderthalb Stunden bis Mashpi. Gibt es noch Jaguare? Ja, aber wohl im Amazonas-Becken. In Mashpi warten vor allem Falter, Frösche und bunte Vögel auf uns. Wegen der Schlammlöcher müssen wir langsamer kurven. Wir wundern uns, in der Mitte von Nirgendwo in eine Verkehrskontrolle zu geraten. Doch die Papiere scheinen in Ordnung zu sein, wir dürfen weiter.

You're leaving civilization.
You’re leaving civilization.

Noch einmal halten wir, denn der Duft aus der Panadería des kleinen Ortes Pacto ist zu verlockend. Mit einem süßen Teilchen auf der Hand können wir auch den letzten, härtesten Teil der Strecke überleben.

„This is how you remind me of what I really am“, singen Nickelback vom Band und laden die Luft musikalisch auf. Erst in Mashpi hört die Musik auf, die uns durch ganz Ecuador begleitet. Bis wir sie mitten im Urwald neu erfinden.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Quito Turismo und Metropolitan Touring, die diese Reise ermöglicht haben.

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