Von Pula bis Poreč

Der Rosmarin wuchert in ihrem Garten, wie alles andere auch. Wenn Jelena Jozin ihn nicht regelmäßig zurückschneidet, kommt sie irgendwann nicht mehr durch.

Die Kroatin mit schwäbischen Akzent lebt eigentlich mit Mann und Kindern in Stuttgart. Doch etwa die Hälfte des Jahres verbringt sie in ihrer alten Heimat, denn sie vermietet in Pjescana Uvala Ferienwohnungen.

Oberhalb des Meeres ziehen sich moderne Architekturen den Hügel hoch. Alles wirkt wie frisch gebaut, auch die kleine, weiße Kirche in der Form eines Schiffes.

„Sandstrand“, übersetzt die schwarzhaarige Jelena den Ortsnamen. Viele Leute aus dem nahen Pula ziehen die Ruhe Pjescanas vor. Auch Jelena. „Ich fahre einfach gerne mit dem Rad die Küste entlang.“

Pjescana Uvala unweit von Pula.

Das nahe Pula gilt mit seinen rund 57.000 Einwohnern als größte Stadt Istriens und kulturelles Zentrum. Die Altstadt wird vom vespasianschen Amphitheater dominiert und ist unser Startpunkt: Wir wollen die Stadt zu Fuß erkunden.

Wo sich innerhalb der majestätischen Rundbögen einst die Gladiatoren tummelten, finden heute Filmfestivals und Konzerte statt, laufen wir und andere Touristen durch die Mittagssonne.

Unter der Erde und angenehm kühl können wir uns in den ehemaligen Räumlichkeiten der Gladiatoren über den Oliven- und Weinbau Istriens in der Antike informieren. Römische Pressen und Amphoren ringsherum in sandfarbenen Räumen.

Das römische Amphitheater in Pula.

Ich gehe lieber oberirdisch weiter zum Triumphbogen im korinthischen Stil – errichtet im 1. Jahrhundert vor Christus. Seine Eleganz und Feinheit soll schon den Renaissance-Künstler Michelangelo beeindruckt haben.

Entlang der Einkaufsstraße Sergijevaca laufe ich zum alten Forum, wo sich der Augustustempel in die Höhe reckt. Das imposante antike Bauwerk ist heute ein beliebtes Motiv für Hochzeits-Shootings. Auf der anderen Seite des römischen Triumphbogens schlendere ich die Flanaticka entlang und laufe geradewegs auf den 1903 während der k.u.k. Monarchie gegründeten Marktplatz zu.

Wie ein exotisches Relikt wirkt die mehrstöckige Eisen-Glas-Konstruktion mit ihren leichten Jugendstilformen. Tagtäglich herrscht hier geschäftiges Treiben; einheimische Erzeuger bevölkern mit Honig, Obst und Gemüse den angrenzenden Kastanienpark.

Hochzeitspaar am Augustustempel in Pula.

Schon in der Antike führte aus Pula die Römerstraße an Fazana vorbei. Wir mögen den alten Fischerhafen sofort und wollen von hier mit einem Boot zu den Brijuni-Inseln übersetzen.

Um eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen, gründeten die Fazaner die Sardellen-Akademie. Besucher können hier alles über Fischfang und Zubereitung der Sardellen erfahren.

Wir tun es den Einheimischen gleich und lassen uns in einer der Konobas, der rustikalen Lokale der Gegend, nieder und probieren zarteste Fischchen, eingelegt in Zitrone oder Salz, frittiert und gegrillt. Dazu ein Glas des strohgelben Malvasier aus der Gegend, gut gekühlt.

Sardellen essen in Fazana.

Und dann ab aufs Schiff Richtung Veli. Schon seit der Antike ist die größte Brijuni-Insel besiedelt. Thermen, Tempel und Gästehäuser haben die Römer in der Bucht erbaut. Mit Fußbodenheizung!

2000 Jahre später wurde die Insel wiederbelebt durch den Wiener Industriellen Paul Kupelwieser. Nachdem der Wissenschaftler Robert Koch Anfang des 20. Jahrhunderts die Malaria besiegt hatte, errichtete Kupelwieser ein erstes Hotel und machte Veli Brijuni nach und nach zum schicken Sommerkurort.

Elitär blieb die Insel auch zu jugoslawischen Zeiten. Titos ehemalige Residenz steht noch heute im Dienste des Staates und wird hermetisch abgeschirmt. Unsichtbar für die Touristen, die tagtäglich mit einem Bimmelbähnchen durch den 1983 eingerichteten Nationalpark gondeln.

Einer der istrischen Esel auf Veli Brijuni.

Hinter den Säulen, Überresten einer römischen Villa, schimmert es türkisfarben, das Meer. Im Juni blüht die Myrte und verbreitet einen zitronenartigen Duft, doch jetzt riecht es grün und würzig. Überall Macchia, Pinien, Zypressen und vor allem Lorbeerbäume.

Hirsche knabbern den unteren Teil der Steineichen ab, die so ihre typische Schirmform erhalten. Hellgraue istrische Rinder bevölkern einen Safaripark auf der Nordseite der Insel. Ich flirte ein bisschen mit einem der istrischen Esel. Nicht ganz uneigennützig, denn er gibt ein hervorragendes Model.

Und später tauschen wir die Ruhe der Insel gegen das lebhafte Treiben in Rovinj. Besonders im August wird an allen Ecken und Enden Italienisch gesprochen. Ein kleiner Junge fragt seine Mutter: „Und das war mal Italien?“ Die Mutter erzählt ihm die Geschichte.

Durch die Altstadtgassen von Rovinj.

Die Altstadt von Rovinj kann ihre venezianischen Einflüsse kaum verleugnen. Allein der Campanile auf der Spitze des Dorfhügels erinnert an die nahe Lagunenstadt. Mit krummen Gässchen und kreisrunder Hügelbebauung ergibt sich ein typisch mittelalterliches Stadtbild.

Heute ist das gesamte Zentrum Fußgängerzone und Flaniermeile. Kunstgalerien, kleine Shops, Cafés. Schöne Menschen sitzen im Bikini mit einem Glas Champagner auf dem Felsen einer angesagten Bar und warten auf den Sonnenuntergang.

Rovinj blickt aufs Meer.

Über den Seeweg wären es nur 100 Kilometer von Venedig nach Istrien, zunächst erreicht man Poreč. Wir nehmen natürlich den Landweg von Rovinj aus, denn Poreč ist ein Muss. Auch hier hinterließen die Römer ihre Spuren, Straßen und die Byzantiner eine Basilika, die heute zum Weltkulturerbe zählt.

Umgeben von Kiefern- und Pinienwäldern liegt der Altstadtkern mit der Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert auf einer Landzunge. Schon von außen fallen mir die Mosaiken auf, ich bin gespannt auf die Apsis. Was für eine Atmosphäre – trotz der ganzen Besucher.

Eingang der Euphrasius-Basilika in Porec.

Und was für ein Gefühl, über das steinalte Pflaster zu laufen. Keine Chance, sich auf dem rechteckigen römischen Straßenmuster mit Decumanus und Cardo Maximus zu verirren. Der Rhythmus ist entspannt, in Istrien geht niemand schnell. Wozu auch?

Genug Kultur, genug Geschichte. Wir wollen endlich baden, hier, rings um Poreč, in diesem glasklaren Wasser. Ich kann verstehen, dass Jelena wenigstens die Hälfte des Jahres in Istrien verbringt. Einen langen Sommer am Meer.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an den Tourismusverband Istrien, der diese Reise ermöglicht hat.

  1. Jandó László

    Hallo Elke!

    Ich hatte ein großen Bitten. Kennen Sie das Telefonnumer von Frau Jelena? Möchte gern rufen, die Platz ist wunderschön….

    Danke sehr!

    Mit freundlichem Gruß
    Jandó László
    +36306227347

    • Hallo Jandó,

      tut mir echt Leid, aber ich habe die Telefonnummer leider nicht. Allerdings meine ich, dass die Ferienwohnung über Novasol buchbar ist, ich würde einfach mal in deren Katalog schauen.

      Schöne Grüße und viel Erfolg!

  2. Pingback: Pula, Rovinj und Labin – Sommerfeeling in Kroatien - pictures of

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