Himbeeren am See

„Das duftet!“ Claudia Hardekopf-Daene hat die Backofentür geöffnet und holt die Bleche heraus. Pflaumenkuchen! Wir sind in der Küche der Kutscherscheune in Groß Zecher und dürfen der Backfee über die Schulter schauen. Sie zeigt uns, wie sie die Kreation des Hauses zubereitet, die berüchtigte Kutschertorte.

Eine ganzjährig verfügbare Torte mit Biskuitboden, Schmandmasse mit Mandarinen und Orangensahne on top. Eine Leichtigkeit! Wie Eiskugeln sehen die Sahnebällchen aus, wenn die Torte fertig ist. Prompt fragen die Gäste vor der Vitrine stehend: „Ist das Eis auf dem Kuchen?“

Ich liebäugele ja mit einem Stück Himbeersahne, habe aber gerade erst opulent gefrühstückt. Himbeeren waren übrigens mit von der Partie, bis Anfang Oktober kann der hohe Bedarf der Kutscherscheune von einem Obstbauern aus dem Nachbardorf gedeckt werden. Später müssen gefrorene Himbeeren den Job übernehmen und sich für diverse Torten zur Verfügung stellen.

Nein, übers Essen können wir uns wirklich nicht beklagen. Schon gestern Abend habe ich Biofisch aus dem Schaalsee probiert. Frisch gefangen, frisch gebraten, einfach und lecker: drei kleine Maränen, dazu Bratkartoffeln und Salat. Am Schaalsee geben sich Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Hand, hier verlief einst ein Stück der innerdeutschen Grenze.

Früher war also nicht viel los. Heute zählt der See zu einem von weltweit 550 UNESCO Biosphärenreservaten, in denen die Natur sanft und achtsam genutzt wird. Das bedeutet zum Beispiel, Maräne, Barsch, Hecht und Aal nachhaltig zu fischen. Die drei Berufsfischer legen dafür Stellnetze und spezielle Reusen aus, aus denen sich auch ein am Schaalsee lebender Otter zur Not selbst befreien könnte.

Mit dem Kanu auf dem Schaalsee
Der See wartet.

Nach dem Frühstück ist vor dem Kuchen und der ideale Zeitpunkt, sich dem See zu widmen. Das eigene Bötchen kann man hier nicht zu Wasser lassen. Daher leihen wir uns eines der Kanus von der Kutscherscheune aus und arbeiten uns durch das Uferschilf in Richtung Sonne vor. Der Herbst ist die ideale Zeit für Aktivitäten rund um den See. Wandern, Vögel beobachten, Radfahren, Pilze sammeln.

Und nachher in der Küche brutzeln. Denn damit sind die Wohnungen und Ferienhäuser der Kutschenscheune allesamt ausgestattet, sogar für die Doppelzimmer gibt es einen Gemeinschaftsbereich mit allem Pipapo. Der Gutshof ist seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie von Witzendorff. Doch erst Hannelore von Witzendorff hat sich auf Tourismus spezialisiert, die gelernte Landwirtin hat uns bereits ein bisschen herumgeführt.

Die Kutscherscheune
Noble „Scheune“

Als wir so über den Schaalsee paddeln und sich die Gebäude des Gutshofes immer weiter entfernen, machen wir die Bekanntschaft von Schwänen. Allerdings sind wir nicht sicher, ob die Freude auf Gegenseitigkeit beruht. Ein graues Schwanenkind bleibt dicht an der Seite der Mutter, während uns der Herr Papa abzulenken versucht.

Besser, wir paddeln in eine andere Richtung! Aber das ist leichter gesagt als getan, denn mitten auf dem See merken wir die Strömung und auch den Wind, der gegen uns arbeitet. Irgendwie landen wir wieder im Schilf, können uns aber befreien. Theoretisch wäre es sogar möglich, die gut 40 Kilometer nach Lübeck vom Schaalsee aus zu paddeln. Mit Zwischenstopp in Ratzeburg.

Lang ist der Schaalsee.
Langes Wasser

Aber da waren wir ja schon. Auch in Mölln, wo ich die Bekanntschaft des umtriebigen Till Eulenspiegels gemacht habe. Und am Schaalsee wartet doch der Himbeerkuchen. Außerdem winkt nach dem Kaffee ein Kuscheltermin in der Kutscherscheune. Denn die Hausherrin liebt Tiere, teilweise ungewöhnliche Tiere. So stehen wir mit einem Mal einer Kreuzung aus Haus- und Wildschwein von beachtlicher Körpermasse gegenüber.

Wir besuchen mehrere Familienmitglieder dieser Art, kraulen ihr borstiges Haar, während sie uns ihre Riesennasen entgegen strecken. Besonders vorwitzig und aufgeregt sind die Ferkel bei unserem Besuch. Immer wieder recken sie ihre Nasen neugierig in die Höhe, wollen uns ein wenig beknabbern und gestreichelt werden.

Am liebsten würde ich eines mitnehmen – gestreift oder gepunktet? Sie sind alle niedlich. Doch dann fällt mir wieder ein, wie groß sie werden, und ich verwerfe meinen Plan. Nicht ganz so beachtlich wie Rosa und Pontus allerdings. Als Hannelore von Witzendorff ihre Kuhwirtschaft aufgab, schenkten ihr die Mitarbeiter des Hofs ein Kalb. Zu Rosa gesellte sich bald Zwillingsbruder Pontus, inzwischen sind sie erwachsen und halten gerade Siesta auf der Weide zwischen Pferden und Maultieren.

Als wir uns nähern, gibt Rosa sich die Ehre. Ich habe mächtigen Respekt, als sie sich langsam erhebt, immer größer wird und auf uns zukommt. Kühe sind klasse, aber echte Schwergewichte. Die Hofherrin wirkt glücklich inmitten ihrer Tiere – ich kann das gut verstehen. Und wer weiß, vielleicht werden wir uns zu Hause eines Tages erweitern, ein paar Schafe und Kühe in Rente warten bestimmt schon auf ein lässiges Leben an der Nordsee.

Text und Fotos: Elke Weiler

Abends am Schaalsee
Tschüss, Schaalsee!

Diese Reise entstand in Kooperation mit der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein und führt ins Glückswachstumsgebiet.

  1. Wie wäre es mit einem Minischwein? 🙂

    Liebe Grüße
    Jessi

  2. Hallo Elke, Dein Beitrag kam wie bestellt. Wir hatten Sonntag überlegt, ob wir an den Schaalsee fahren; es dann aber doch wieder verschoben. Wunderbar, dass ich nun jedenfalls bei Dir mitlesen konnte. Und liebe Grüße, Stefanie

    PS.: Das Nasentier! Ich bin hingerissen.

  3. Dann viel Spaß, falls ihr demnächst fahrt!! Und grüß‘ mir bitte die Tierchen!!!

  4. Ferkelchen sind wirklich niedlich. Ich habe in Ungarn mal ein Wollschwein gestreichelt, da war ich verliebt. Dieses rötlichen weichen Locken auf dem Rücken, zuuu niedlich.
    Liebe Grüße aus Brixen Südtirol

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