Fünf Mal Schweden

Heute ist Welttag des Buches, und ich bin spät dran mit meinen Empfehlungen. Die liebe Bettina vom Blog „Frühes Vogerl“ hat mich nach meinen Lieblingen gefragt. Es geht nach Schweden!

Seit einiger Zeit lese ich mich in das skandinavische Land ein. Denn wir werden im Sommer in Skåne sein, und das ist nicht der einzige Grund. Schweden fasziniert mich. Gute Gründe findet ihr zum Beispiel im Björklunda-Interview.

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand*
Ich lese und empfehle ungern Bestseller, aber das Debüt des schwedischen Journalisten Jonas Jonasson ist ein Knaller. Deswegen konnte der gleichnamige Film nicht an das Original herankommen, deswegen hätte ich lieber das Buch noch mal lesen sollen. Ich liebe Jonassons Gespür für skurrile Situationskomik, die aus schwedischem Understatement – personifiziert durch den alten Mann – gekonnt entwickelt wird. Ein Hundertjähriger, der die Welt bewegt. Wurde die Welt durch Zufälle bewegt? Es liegt auf der Hand, dass sich ein solcher Mann früher oder später mit einem ehemaligen Zirkus-Elefanten anfreunden muss.

Ein Mann namens Ove*
Lasse dich niemals von einem Buchtitel abschrecken! Der sich zudem wie ein roter Faden durch die Überschriften der Kapitel zieht, etwa „Ein Mann namens Over kauft einen Computer, der kein Computer ist“. Also die längste Kapitelüberschrift ever.
Um es kurz zu machen: Zunächst ist der werte Leser geneigt, den Endfünfziger als sperrig und spießig zu empfinden, der sich tierisch über jeden Falschparker in der Reihenhaussiedlung aufregt. Und eigentlich will Ove die meiste Zeit seinem Leben ein Ende setzen, was gründlich schiefgeht. An letzterem ist die temperamentvolle neue Nachbarin nicht ganz unschuldig.
Am Ende lieben alle einen Mann namens Ove. Und das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an Oves Humor, der sich auch in der Typisierung seiner Umgebung äußert. Beispiel: Er nennt den „Handtaschenhund“ einer Nachbarin gerne „Winterstiefel“.
Was ich erst am Ende erfahren habe: Autor Fredrik Backman ist Blogger, und seine Leser haben Ove zum Protagonisten seines ersten Romans gekürt. Ich widme mich bald der Nummer 2 des Autors, der sich dieses Mal der Oma widmet.

Gebrauchsanweisung für Schweden*
Ausgesprochen sprachgewandt und humorvoll führt Antje Rávic Strubel in die Geheimnisse und Besonderheiten eines Landes ein, in dem sie eine Zeit lang gelebt hat. „Eigentlich machen die Schweden nur nicht gerne viel Aufhebens um sich. Niemand scheint mit aufgepumptem Ego herumlaufen zu müssen.“ Klingt geradezu paradiesisch. Ein bisschen Schwedisch lernt man in dieser „Gebrauchsanweisung“ ganz nebenher. Etwa, dass „Vill du fika?“ nur eine Einladung zum Kaffee und nichts anderes bedeutet.
Verblüffend fand ich Strubels Annäherung an die zentrale Bedeutung des Rasenmähers für den schwedischen Mann, die sich übrigens mit den Schilderungen aus dem Ove-Roman trifft. Wobei ich mich hin und wieder frage, wie international dieses Phänomen wohl ist.
Besonders gut gefallen haben mir die Passagen über eine Reise in den Norden des Landes und das abschließende Zitat eines samischen Dichters. Ich muss nach Lappland, bald.

Alter Schwede!*
Zugegebenermaßen nicht der originellste Titel für ein Schwedenbuch. Auch der Untertitel wirkt mit „zwei Hochzeiten und ein Elchgeweih“ eher abgegriffen. Doch wer einmal anfängt, das vierhändig geschriebene Buch von Gunnar Herrmann und Susanne Schulz zu lesen, wird sich sofort ins pralle schwedische Familienleben versetzt fühlen. Er wird erfahren, warum Frauen in Schweden nicht die Tür aufgehalten wird. Warum Väter während der Elternzeit arg gestresst sein können. Und wie es um das Gesundheitssystem bestellt ist. Die beiden Journalisten verstehen ihr Handwerk und würzen ihre Stories mit einer guten Prise Selbstironie. Mein absolutes Highlight ist Töchterchen Laura, oder: die Weltanschauung einer Dreijährigen.

Wo der Elch begraben liegt*
Zum Abschluss noch ein Erstlingswerk von einer Journalistin. Carin Hjulström beschreibt die Erfahrungen einer Studentin, die ihren Praktikumsplatz in einem smaländischen Kaff antritt. Sie macht eine Schlagzeile mit „Bruseryd von der Landkarte gestrichen“ und dieses Nichtvorhandensein auf der Karte findet sich auch im (gelungeneren) Originaltitel wieder. Die Einwohner des Ortes lehnen sich auf und greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen.
Nein, es ist kein Frauenroman, auch wenn das Cover der deutschen Ausgabe so wirkt. Aktuelle Problematiken wie Landflucht und Rassismus integrieren sich in den Erzählfluss mit einer Natürlichkeit und Leichtigkeit, die an das filmische Genre der Tragikomödie erinnern. Auch hier warte ich auf Buch Nummer 2.

Welche Schwedenbücher haben es euch angetan? Ich freue mich über jeden Tipp, egal ob Krimi, Lovestory, Reiseführer, was auch immer.

Text und Foto: Elke Weiler

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  1. Moin Elke, danke für die Tipps. Das Ove-Buch hatte ich schon ein paar Mal in der Hand, fand aber das Cover so doof. Dabei soll man doch ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen 🙂 Jetzt werde ich´s mal lesen.

    Mir gefallen die Krimis von Asa Larsson. Die sind nicht bloß spannend. Sondern auch sprachlich eine Freude. Aber das sind vielleicht eher Winterbücher. (Sommer in Skane klingt sehr, sehr gut). Liebe Grüße, Stefanie

    • Moin, Stefanie! Du hast recht, das Ove-Cover hat meine Kaufentscheidung auch eher negativ beeinflusst. 😉 Interessanterweise spielt es beim eBook-Einkauf keine so große Rolle mehr wie in der Buchhandlung.

      Dann werde ich gleich mal bei Asa Larsson reinlesen, danke für den Tipp!! Ich mag Krimis ja, ist schon ein Wunder, dass unter meinen Schweden-Lieblingen keiner ist!

      Liebe Grüße zurück!!

  2. Hej liebe Elke, jetzt habe ich ein bißchen „Heimweh“ bekommen. Sommer in Skåne, dass wird sicher wunderbar. Hier kommen ein paar meiner Schwedenlieblinge, „Der Schwimmer“ von Joakim Zander und „Die italienischen Schuhe“ von Henning Mankell. Leila Lindholm und ihr Buch „Backen mit Leila“ mag ich sehr gerne, es enthält unter anderem mein Lieblingsezept für den besten Möhrenkuchen ever 😉 lg, Pamela

    • Danke, liebe Pamela, klingt alles top! Wusste ich doch, dass du gute Tipps hast. Und ich jetzt richtig was zu lesen. 😉 Liebe Grüße, bis bald!!!

  3. Hej Elke,

    tolle Vorstellung der Bücher. Ich habe selbst nur der 100jährige gelesen und das erste Werk von Gunnar Herrmann „Elchtest – Ein Jahr Bullerbü“.
    Empfehlen kann ich dir alle Krimis und Romane von Håkan Nesser – mein schwedischer Einsteigerschriftsteller und sein Roman „Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod“. Aber auch „Gebrauchsanweisung Schweden“ usw…
    Liebe Grüße
    Heike

    • Danke, Heike! Da werde ich mich reinlesen! Komisch, dass noch niemand Pippi Langstrumpf empfohlen hat. Oder Nils Holgersson. 🙂 Liebe Grüße nach Schweden!

  4. Ah cool danke für die Tipps. Ich habe leider garkeine Erfahrungen mit Schweden Büchern, aber werde mich mal rantrauen 🙂

  5. Gestern kaufte ich mir „ein Mann namens Ove“ auf schwedisch. Eine neue Herausforderung.

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  8. Ich lese gerade gerne Ann Rosman

    Tolle Krimithriller….

  9. Hej, mein Sommer in Skåne leider gerade zu Ende gegangen. Aber Schweden-Bücher gehen ja immer. 🙂
    – Was (nicht ganz ernst gemeintes) zum Lachen ist „Elch Scheisse“ von Lars Simon. Man erkennt hier die ein oder andere liebgewonnene Eigenart der besten Menschen der Welt (Schweden) auf lustige Art und Weise wieder.
    – Nicht ausschließlich schwedisch aber fürs Herz: „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr um dort seine große Liebe wiederzufinden“ von Per J. Andersson.
    – Für Spannung sorgt Camilla Läckberg mit ihren Fjällbacka-Krimis.
    – Wer den Nervenkitzel mag, dem sei Jussi Adler-Olsson ans Herz gelegt. Aber der ist nichts für schwache Gemüter 😉
    – Und wem der Sommer in Skåne nicht mehr ausreicht und daher sein ganzes Leben im Norden verbringen möchte, findet mit dem Buch „Schwedentraum – Erfahrungsbericht einer Auswanderung“ und Teil II „Schwedentraum – wie es weiterging“ ein sehr hilfreiche Tipps und Erfahrungsberichte der Autorinnen Petra (und Andrea – nur Teil II) Potthoff.
    Hach, es gibt so viel schönes über das beste Land der Welt zu lesen. Ein Glück, dass man sich so die Zeit bis zum nächsten Sommermärchen ein wenig leichter machen kann. Hej då 🙂

    • Danke dir, Steffi! Wo du Recht hast, hast du Recht. 😀 Von Camilla Läckberg habe ich auch schon den ein und anderen Krimi gelesen. Aber die anderen Tipps kenne ich noch nicht. Ich weiß, Jussi Adler Olsen ist wahnsinnig bekannt. 😉 Vi ses!

  10. Hej Elke,
    ich finde, dass man auch ruhig mal zu den Klassikern greifen kann… Ein zeitloser Tipp ist z.B. Selma Lagerlöf, die ja auch Nils Holgersson geschrieben hat. „Das Mädchen vom Moorhof“ finde ich immer wieder überwältigend und man braucht auch nicht so lange, um es zu lesen…
    Daneben gibt es auch noch Schriftsteller, die in Deutschland schon wieder vergessen sind… Per Hallström z.B. ist zwei Mal für den Literatur-Nobelreis nominiert worden (hat aber als Vorsitzender des Kommitees natürlich abgelehnt…;-))
    Mühsam zu lesen, aber Seite für Seite ernährt sich das Eichhörnchen…

    • Klar, Gustav, die Klassiker! Selma Lagerlöf, unbedingt! Mit Per Hallström habe ich es noch nicht probiert, aber jetzt habe ich ihn auf dem Schirm, danke dir!

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