Antwerpen à la carte

Die Liebfrauenkirche im Zentrum von Antwerpen. © Elke WeilerDie Liebfrauenkirche im Zentrum von Antwerpen. © Elke Weiler

Mein persönlicher Guide für die flämische Stadt an der Schelde – ein neuer Service von MeerBlog und Auftakt einer Städtereihe.

Ich habe sieben Anlaufpunkte ausgewählt, natürlich gibt es noch viel mehr in Antwerpen zu entdecken. Meine Tipps gehen vom Kulinarischen bis hin zu Antwerpener Lifestyle und Kultur. Alle Locations sind fußläufig beziehungsweise am bequemsten mit dem Rad zu erreichen.

Bio-Kürbissuppe im

„Le Pain Quotidien“
Steenhouwersvest 48
lepainquotidien.be

Im Vorbeilaufen entdecke ich es durch Zufall, und mir geht das Herz auf: Wie oft war ich schon im „Le Pain“! Auf einen Kaffee mit einer Freundin, sie haben göttliche Törtchen mit Früchten.

Zum Frühstück mit dem Liebsten, die Croissants frisch aus der eigenen Bäckerei. Und mittags für eines der fantasievoll belegten Brote, die berühmten Tartines. Allerdings war das in der Düsseldorfer Altstadt, und leider wohnen weder ich noch „Le Pain“ mehr dort.

Und so treffen wir uns in Antwerpen wieder. Ich stehe auf der Steenhouwersvest, eigentlich möchte ich Richtung Schelde laufen. Aber stattdessen finde ich mich an einem der langen, rustikalen Tische wieder. Genieße den Charme Marke „Landhaus in der Provence“. Zwar gibt es auch kleine Tische, doch eben jene Gemeinschaftstische machen die Atmosphäre des Cafés aus.

Viele der Zutaten sind bio, vegane Produkte mit einer Möhre gekennzeichnet. Auf Niederländisch heißt es „veganistisch“, wie treffend. Ich probiere die erste Kürbissuppe dieses Herbsts, ebenfalls bio. Dazu eine der hausgemachten Limonaden mit Minze. Die Leute um mich herum sind meist Mitte 30: Mütter, Selbständige und Künstlertypen.

Beim Bezahlen an der Kasse fragt mich eine der netten Kellnerinnen, ob ich einen Apfel mitnehmen möchte. Bedankt & tot ziens!

Der alte Fußgängertunnel in der City von Antwerpen.

Der Fußgängertunnel
Sint Jansvliet

Antwerpen liegt zwar an der Schelde, die für seine wirtschaftliche Entwicklung mitverantwortlich war, und doch lebt die Stadt nicht am Fluss. Das soll sich in ein paar Jahren ändern. Doch zur Zeit öffnet sich lediglich das Viertel auf der anderen Seite zur Schelde hin.

„In Sint-Anneke haben sie den besten Blick aufs Zentrum, viel Grün und sogar einen Strand“, hat die Antwerpenerin Marleen mir gesagt. Zum linken Ufer komme ich durch einen Fußgängertunnel, denn Brücken gibt es in Antwerpen nicht.

Der Sint-Annatunnel aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts steht komplett unter Denkmalschutz. Unwillkürlich muss ich an den alten Elbtunnel in Hamburg denken, ebenfalls Baudenkmal, sogar noch etwas älter. Einen weiteren Unterschied gibt es: Sint Anna wurde nicht nur 20 Jahre später errichtet, der Fußgängertunnel Antwerpens verfügt auch über frühe Rolltreppen aus Holz.

Immer noch ächzen und zittern sie von oben nach unten, von unten nach oben. Damals eine kleine Sensation in der Stadt, heute ein Gefühl wie im Film. Und darum fahre ich einfach mal ein bisschen auf und ab.

Mit dem Fahrrad in den Norden Antwerpens.

Ab aufs Rad!
Steenplein 1
v-zit.be

Natürlich kann man Antwerpen erlaufen. Um aber den Süden und Norden oder diverse Viertel an einem Tag zu besuchen, tritt man besser in die Pedale.

Fahrräder gibt es an diversen Orten zu mieten, ich habe mein Fahrrad für drei Stunden (9 Euro) bei „Freewieler“ am Steenplein direkt an der Schelde ausgeliehen.

Natürlich gibt es auch die roten Citybikes von velo-antwerpen.be, die jedoch eher für kürzere Touren zu empfehlen sind. Oder wenn man immer wieder mal ein Stück radeln möchte. Dafür muss man sich zunächst auf der Website mitsamt Kreditkarte registrieren.

Antwerpener wie Marleen nutzen den Service selber gerne, denn die Bikes sind an jeder Ecke ausleihbar. Die erste halbe Stunde ist frei.

Don't miss the Hafentour in Antwerpen!

Hafenrundfahrt
Willemdock
flandria.nu

Ich entscheide mich für die kurze Tour. In anderthalb Stunden geht es vom Willemdock in der Nähe des MAS vorbei an den Trockendocks, der historischen Feuerwehrstation bis zu den Raffinerien und zurück.

Sie bezeichnen ihren Hafen als den Supermarkt Europas. Rund um die Uhr in Betrieb. Container mit Spielzeug, Kleidung oder PCs kommen hier an, Getreide, Kohlen, Zucker, Salz, Kakao, Kaffee, Ananas, Zitrusfrüchte. Ja, Antwerpen gilt sogar als größter Bananenhafen der Welt.

Während wir also durch den Supermarkt schippern, verbringen wir viel Zeit vor den Brücken, die sich für das Schiff erst öffnen müssen. Und so tauchen die Erwachsenen fasziniert in der Welt der Schiffe, Kräne und Container ein, während die Kinder an Bord nach einer Weile anfangen, Versteck zu spielen. Was nur konsequent ist.

Ich liebe Häfen, vor allem, wenn sie über ein Badeboot verfügen. Mein Plan für den Winter: Auf dem umfunktionierten Badeboot Eis zu laufen. Möglichst, ohne dabei in die Schelde zu fallen.

Blick aus dem MAS auf den Hafen von Antwerpen.

MAS – Museum aan de Strom
Hanzestedenplaats 1
mas.be

Nach der Liebfrauenkathedrale das vielleicht schönste Gebäude der Stadt. Eine Landmarke im Norden Antwerpens. Ein Tempel für Kunst und Stadtgeschichte. Der beste Blick über Stadt und Hafen. Ein weiteres wunderbares Rolltreppenerlebnis.

Wo soll ich anfangen? Mir gefällt das MAS schon von weitem. Schon als ich es das erste Mal sah, eingebettet zwischen dem Bonaparte- und dem Willemdock. Das Wasser steht ihm gut.

Die Schichtung in die Höhe erinnert an Container, dazwischen weit geöffnete Wände aus gewelltem Glas. Wie bewegtes Wasser. Es lohnt sich allein, Antwerpen Rolltreppe für Rolltreppe, Etage für Etage von oben zu erleben.

Der sogenannte MAS Boulevard und das Panorama auf dem Dach sind von morgens bis Mitternacht frei zugänglich, außer montags. Wer ins Museum will, zahlt Eintritt. Die permanenten Ausstellungen machen Antwerpens Geschichte und die des Hafens erlebbar. Ich mag diese I-Tüpfelchen am Ende der Besichtung: Da kann man zum Beispiel eine Flaschenpost schreiben und gegen eine der vorhandenen austauschen.

Aber mir hätte es allein schon genügt, einfach nur die Architektur in Verbindung mit der Stadt zu erleben. Und diese Integration ist vermutlich neben der Ästhetik das größte Verdienst des MAS.

Tom Leenders im

eten vol leven – Rohkost-Restaurant
Minderbroedersrui 52
etenvolleven.be

Eigentlich ist Tom Leenders Architekt. Doch nachdem er mit seiner Frau von einer längeren Südamerika-Reise zurückkam, wollte er nicht mehr zurück ins Büro.

In Buenos Aires hatten sie zum ersten Mal Rohkost gegessen. Obwohl die Stadt ja als eine Art Fleischhauptstadt gilt, gibt es dort viele vegetarische Restaurants. „Wir fühlten uns gut damit“, erzählt Tom über seine erste Rohkosterfahrung.

Im Hintergrund laufen französische Chansons, die Einrichtung des Lokals ist minimalistisch mit warmen Holztönen. Alles nach dem Entwurf des Architekten, der auch gemeinsam mit seinem Vater Hand angelegt hat. Ich studiere die Karte und finde es einfach alles sehr gesund im „eten vol leven“.

Quasi der Gegenentwurf zu belgischen Fritten. Sie servieren noch nicht einmal Brot, weil es ja gebacken wird. „Die maximale Wärme ist bei uns Raumtemperatur.“ Das heißt, meist handelt es sich um kalte Suppen, aber auch komplexere Gerichte wie Zucchini-Pasta sind möglich. „Bei der Rohkost ist der Geschmack so essentiell, dass wir nur Bio-Produkte verwenden“, meint Tom.

Viele kommen für einen Drink in die Juice-Bar, einen grünen Smoothie oder einen Shake mit Nussmilch. Und sehen irgendwie fitter aus, wenn sie wieder hinausgehen. Ich jedenfalls fühle mich so.

Jens Oris röstet Kaffeebohnen im

Espressobar Normo
Minderbroedersrui 30
normocoffee.be

Von Toms Rohkost-Lokal gehe ich nur ein paar Schritte weiter, weil man mir den Espresso im Normo empfohlen hat. Es duftet schon auf der Straße, ich kann die Kaffeebar kaum verfehlen.

Der Grund ist klar: Inhaber Jens Oris steht vor dem Kaffeeröster. Immer wieder kontrolliert er einzelne Bohnen, dann ergießt sich die Ladung ins Becken. Was für ein Aroma!

Genau wie Tom hat auch Jens den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Statt weiter als Consultant zu arbeiten, kauft er nun Bohnen direkt vom Kaffeebauern, röstet sie und fabriziert den vermutlich besten Espresso von ganz Antwerpen.

Jedenfalls gefällt mir nach seinem Cappuccino kein anderer mehr. Was ist sein Geheimnis? „Kein Schnickschnack, den Kaffee so pur wie möglich anbieten“, sagt Jens. „Wir möchten die Arbeit der Farmer präsentieren.“ Der Kaffee kommt aus Kenia, Tanzania, Panama, Costa Rica und Brasilien. „Aber das ändert sich immer. Wir probieren jedes Mal neu, jedes Jahr, jede Ernte ist anders.“ Dafür hat er einen kleinen Probe-Röster.

Ich nehme Platz in dem Café, das von einem bunten, jüngeren Publikum beehrt wird, Typ „digital nomads“. Nicht wenige sind mit Laptops bewaffnet. Die beiden Frauen am Tisch nebenan wirken da fast anachronistisch mit ihrem großen Buch. Aber auch das passt perfekt in dieses Ambiente mit naturbelassenem Backstein, Terrazzoboden und einem wilden Möbelmix. Lässig, urban. Perfekt ist nur der Kaffee.

Vermutlich würde ich jeden Tag hingehen, wenn ich in Antwerpen leben würde.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Tourismus Flandern-Brüssel, die diese Reise ermöglicht haben.

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13 Kommentare

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  3. Hallo Elke,

    Bei deinen tollen Reise-Tipps weis ich gar nicht, wohin ich zuerst möchte….. Am liebsten alles!! :))

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