Stavanger à la carte

Geheimtipps? Gibt es nicht, wenn wir ehrlich sind. Und wenn doch, wäre Stavanger an sich schon einer. Bislang habe ich für Antwerpen, Düsseldorf, Hamburg und Rotterdam jeweils einen persönlichen Miniguide erstellt.

Nun geht meine À-la-carte-Reihe mit einer Hafenstadt weiter, die überraschend viele Facetten hat. Einer Stadt zwischen Nordsee und Fjord, zwischen gestern und heute. Einer Stadt voller Leben, Aktivitäten und kulinarischen Genüssen.

Das rote Haus
Das rote Haus

Victoria Hotel
Skansegaten 1
victoria-hotel.no

Das rote Haus am Hafen im Stil der Jahrhundertwende, es passt zu Stavanger. Vintage, aber nicht angestaubt. Ich habe in einem der Mansardenzimmer gewohnt und es genossen. Was für ein Ausblick auf Stadt, Wasser und Fjord! Wenn ich nicht so ein gut getaktetes Programm gehabt hätte, was dann? Vermutlich hätte ich sehr viel Zeit damit verbracht, aus dem Fenster zu starren, dem Hin und Her der Schiffe sehnsuchtsvoll zuzuschauen. In alle Richtungen fahren sie hier: entweder zur Nordsee, zu den Inseln oder zum Lysefjord. Sie tuckern und schnauben oder rauschen kaum hörbar vorbei.

Vom Hotel aus erreiche ich die Altstadtgassen, Museen, Restaurants, Kneipen zu Fuß, fast alles liegt um die Ecke. Doch wer im Sommer gerne bei offenem Fenster schläft, sollte nicht zu geräuschempfindlich sein, denn im Hafen von Stavanger steppt der Bär. Am besten bei Mittsommersonne mitfeiern und dann im Winter den Schlaf nachholen.

Konservenfabrik
Konservenfabrik

Norsk Hermetikkmuseum | Museum der Ölsardinenbüchsen
Øvre Strandgate 88
museumstavanger.no

Aus eigenen Stücken hätte ich mich wohl nie in ein Museum für Konservendosen verlaufen! Aber dann ist es doch passiert, jemand hat einfach die Zeitmaschine gestartet. Und ich bin in einer ehemaligen Fabrikhalle zu Anfang des letzten Jahrhunderts gelandet. Mit offenem Mund habe ich den Geschichten über Mensch, Fisch und Büchsen im alten Stavanger gelauscht. Etwas über die unverheirateten Frauen erfahren, die stolz auf ihren Job, auf ihre Eigenständigkeit waren, obwohl sie den Sardinengeruch mit sich trugen.

Immer noch riecht es nach Stories, Holz, Rauch und Sardinen im Bauch des alten Gebäudes. Wir haben Erik getroffen, der uns frisch geräucherte Sprotten zur Kostprobe angeboten hat. Der uns nicht nur in die Details der Herstellung und Verpackung eingeweiht hat, sondern in die Kunst der Etiketten, denn für diese „iddisar“ war Stavanger weltweit bekannt.

Handmade chocolate
Handmade chocolate

Sjokoladepiken | Das Schokoladenmädchen
Kirkegata 21
sjokoladepiken.com

Am liebsten mag ich es ja, ziellos durch einen Ort zu streunen, und dann so ein Highlight wie das „Sjokoladepiken“ zufällig zu entdecken. Einfach dem Duft folgend plötzlich in einem kleinen Laden zu landen und leicht verwirrt zwischen den Köstlichkeiten zu stehen. Doch zum Glück passt mindestens einer auf, nämlich Eivind hinter der Theke. Und klärt mich auf, damit ich auch die richtigen Pralinen mit nach Hause nehme.

Wir plaudern noch gemütlich über Stavanger, das Musikfestival und das Nightlife. Zum Tanzen schickt er mich ins „Sting“, das werde ich beim nächsten Mal ausprobieren müssen. Und die Schokolade ist ein Gedicht! Übrigens führen sie noch ein Café in der „Øvre Holmegata“, der buntesten und angesagtesten Straße von Stavanger. Und dort kann man die wahrscheinlich beste heiße Schokolade der Stadt trinken.

Street Art von Nick Walker
Nick Walker

NuArt Festival
Über die Stadt verteilt
nuartfestival.no

Stavanger ist das reinste Paradies für Street Art Lover. Und das Beste: Man kann die Kunstwerke zu Fuß abwandern. Am besten erst mal die NuArt-App herunterladen, dort sind alle Werke verzeichnet und auf einer Karte integriert. Wir haben uns einen Teil davon gemeinsam mit James angesehen, ein junger Brite, der das Festival seit einem Jahr managt. „Seit 2005 sind wir ganz auf Street Art spezialisiert“, erzählt James, während wir durch Stavanger laufen.

Auch ohne James begegnen einem die Werke in der Stadt, schon aus dem Fenster meines Hotels blicke ich auf „Error“ des spanischen Urban Artists Spy. Einer meiner Lieblinge ist der Belgier ROA, dem ich hier und dort in den Städten der Welt begegnet bin. Ich mag seine wilden Tiere im Kontrast zum urbanen Ambiente. Und ich habe eine Theorie zur Street Art – doch dazu später mehr!

Gruß aus der Küche
Matjes-Happen

Fisch, Fisch, Fisch
Drei Restaurants am Vågen

Gleich am ersten Tag passierte es: Ich probierte die typische „Fiskesuppen“ von Stavanger im „Fisketorget“ (fisketorget-stavanger.no). Eine Cremesuppe mit Julienne (in Streifen geschnittenes Gemüse), Weißfisch, Lachs und Shrimps. Ein Gedicht!

Und jeder dichtet ein bisschen anders. Im „Straen“ finden wir Julienne und Tagesfisch auf dem Teller, die Brühe wird dazu wie eine Soße serviert (herlige-stavanger.no/straen-fiskerestaurant). Die Leichtigkeit des Seins. Chefkoch Anders hat allerdings noch wesentlich mehr Fischgerichte drauf.

Ein weiterer kulinarischer Hotspot ist das „Tango“ (tango-bk.no). Dort kannst du einfach nur die Dachterrasse mit Blick auf Stavanger genießen. Oder aber das Dinner im Erdgeschoss, die Investition lohnt sich. Die beiden Sous-Chefs Mads und der swingende Jan Erik werkeln in der offenen Küche. Da kommt auch schon der Gruß aus der Küche: zarte Bällchen mit Ziegenkäse aus der Region, Sellerie und Trüffel. Und erst der Kabeljau aus dem Fjord, das Sorbet von schwarzen Johannisbeeren…

Tour auf dem Lysefjord
Auf dem Fjord

Lysefjord-Bootstour
Skagenkaien
rodne.no

Thema Nr.1 am 42 Kilometer langen Lysefjord: der Granit. Natürlich wurde alles sehr hübsch von den Eiszeitgletschern geformt, so dass sich bizarre Formationen ergeben haben. Einer davon: der Preikestolen, die berühmte Kanzel. Eine etwa 25 mal 25 Meter große Plattform in luftiger Höhe. Nur mit Adleraugen können wir vom Fjord aus die winzigen Menschen hoch oben erkennen.

Spannender ist da schon der Hengjanefossen. Ein Wasserfall, dem wir einen Besuch abstatten. Ganz nah wagen wir uns mit dem Boot heran, so dass ein Matrose frisches Wasser abschöpfen kann. Nachher verteilt er es: Frisch und so lecker, wie Wasser nur in Norwegen sein kann.

Auf dem Rückweg steigen wir in Oanes um und nehmen die Fähre nach Lauvvik. Denn der Abstecher zum „Bakernes Paradis“ ist ein Muss (bakernesparadis.no). Früher genossen die Bäcker von Stavanger und ihre Familien hier den Sommer verbracht. Heute wird die restaurierte Anlage als Vintage-Café mit Shop geführt.

Preikestolen
Die Kanzel

Preikestolen

Zum Schluss noch ein Tipp, der eigentlich ein Wunsch für meine nächste Staranger-Reise ist. Ich habe beim Kollegen Timo „Bruder Leichtfuß“ nämlich gelesen, wie genial eine Wanderung zum Sonnenaufgang am Preikestolen ist. Also die Kanzel, die 600 Meter über dem Lysefjord herausragt, erklärtes Ziel aller Wanderer in und um Stavanger.

In zwei Stunden ist man bei entsprechenden Wetterverhältnissen und guter Kondition oben. Das Geröllfeld ist allerdings nicht ohne, habe ich mir sagen lassen. Außerdem sollte man nicht unter Höhenangst leiden, da der Weg teilweise schmal wird und es an der Seite steil bergab geht.

Im Sommer herrscht viel Betrieb, da läuft man quasi im Gänsemarsch hoch. Die Nachtwanderung wäre daher eine gute Alternative. Und die einzige Möglichkeit, die Kanzel quasi für sich zu haben. Und was für ein Glück, wenn der Guide zum Frühstück hoch oben dann auch noch Pfannkuchen brutzelt!

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Visit Norway und die Region Stavanger, die diese Reise unterstützt haben.

  1. Ein weiterer tipp wenn es dich mal wieder in diese tolle stadt verschlägt: das bokcafe in der uni, sooo leckerer kaffee. Und lecker essen kann man auch im the haciendas warehouse, direkt am breiavatnet

    • Danke, Frauke! Ich bin ziemlich sicher, dass es zwar mein erstes, aber nicht mein letztes Mal in Stavanger war!! 🙂

  2. Liebe Elke,

    ein wunderbarer Beitrag über eine sehr schöne Stadt.

    Der Preikestolen ist wirklich eine – oder auch zwei Wanderungen wert. Bei klarem Himmel hat man einen atemberaubenden Blick auf den Fjord. Wenn du keine Höhenangst hast, robb mal auf dem Bauch bis an den Rand der Kanzel. Es ist der Wahnsinn! Ein unbeschreibliches Gefühl. Fast so unbeschreiblich wie das Gefühl, als mein Mann mir auf dem Preikestolen den Antrag gemacht hat.

    Norwegen ist immer wieder ein Traum. Ich freu mich auf deinen nächsten Bericht.

    Glücksgrüße von

    Daniela

  3. Aha, dort finde ich also die Eiscrème und die Pralinen! Das sieht ja schnuckelig aus dort in Stavanger. Und wenn es dort auch noch so hübsche Streetart gibt, ist das sicher ein Ort, der mir gefällt! Aber der Preikestolen muss ich nicht haben. Mir wird da manchmal schon vom Hingucken ganz seltsam. Lieber fahre ich mit dem Boot durch den Fjord!
    Sonnige Grüße
    Jutta

    • Liebe Jutta, ich denke auch, dass es dir dort bestens gefallen würde! Und wenn man wie du in isländische Gletscherhöhlen klettert, ist so ein Preikestolen doch eine Leichtigkeit! Liebe Grüße vom Meer!!!

  4. Da zeigst Du uns schöne Seiten von Stavanger, Elke. Und so eine Bootsfahrt durch den Fjord bei tollem Wetter ist auch nicht zu verachten! Beste Grüße, Sabine

    • Danke, liebe Sabine! Vor allem, wenn man bei so einer Bootstour bestes Wetter hat! 😉 Viele Grüße nach Holland!!

  5. Pingback: Street Art in Stavanger – das NuArt Festival

  6. Hans-Peter Stiefel

    Hallo Elke,
    ich war mit dem Versorgungsschiff TS 41 Rough vor vielen Jahren im Hafen von Dusavik (Stavanger).
    Im HUMMEREN HOTEL haben wir gewohnt, bis unser Schiff aus dem BRENT-Feld zurückkam und wir wieder unseren Dienst an Bord antraten.
    Stavanger hat mir immer sehr gut gefallen. Ich würde gerne wieder hinfahren.
    Viele Grüße aus Oyten
    Hans-Peter Stiefel

  7. Pingback: Mit dem Drachen tanzen | Norwegen

  8. Pingback: Manchester à la carte | Meerblog

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