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Robinsonade mit Huhn

Klein-Curaçao

Natty sitzt am Steuer und lenkt das Boot, während wir aus dem Viertel Spanish Water hinaus aufs offene Meer fahren. Die Antilleninsel Curaçao zeigt sich hier von ihrer noblen Seite: Palmen in den Vorgärten, Yachten vor schicken Villen. Aber wir suchen etwas anderes.

“Gleich wird es nicht mehr so ruhig sein”, warnt Silvain, der sich mit dem Seegang zwischen der Insel und ihrer Schwester Klein Curaçao bestens auskennt. Schließlich organisiert er die Tour nicht zum ersten Mal.

Insel ohne Schatten

Insel ohne Schatten

Und in der Tat, kaum haben wir Spanish Water verlassen, muss Natty das Boot gegen die Wellen steuern, die es wie eine Nussschale hoch- und runterheben. Silvain klärt uns lächelnd auf, während die ersten Ausflügler leichte Übelkeit verspüren.

Plastiktüten für Notfälle auf dem Boot hat die Crew natürlich dabei, und einige greifen gleich zu. Ein bisschen Ablenkung schadet nicht, also erklärt der Chef der Tour, wie es nachher weitergeht. Auf Klein Curaçao können wir schnorcheln und eventuell Meeresschildkröten sichten. Mittags gibt’s Hühnchen vom Barbecue.

Und bitte nicht vergessen: Die Toiletten auf der Insel immer mit einem Eimer Meerwasser spülen!

Toilettenspülung

Toilettenspülung auf der Insel

25 Kilometer und anderthalb Stunden später: Land in Sicht! Leider springt das Beiboot unserer “Miss Ann” nicht an, eigentlich sollte es uns in die flacheren Gewässern schippern.

Aber zum Glück hat auch die “Miss Justine” vor Klein Curaçao geankert, und wir werden nach und nach mit ihrem Beiboot zum Strand gebracht.

Dann ein sportlicher Sprung mit nackten Füßen ins türkisfarbene Wasser, und wir sind auf einer unbewohnten Insel gelandet. Nichts als Korallengestein und Sand, dazwischen ein paar Strohschirme und Hütten.

Nur noch ein Sprung ins Wasser

Nur noch ein Sprung ins Wasser

Es ist heiß, selbst in der ersten Strandreihe, und alle Schattenplätze sind sofort besetzt. Leguane und kleine Krebse krabbeln über den Boden. Wir erfahren, dass größere Echsen auch gerne auf der Speisekarte der Curacaoer stehen: als Leguan-Eintopf.

Diesen soll es auch in Willemstad geben, in der Markthalle Plasa Bieu mit ihren Garküchen. Da müssen wir auf jeden Fall hin. Silvain sagt, das Fleisch der Echse schmecke ähnlich wie Huhn.

Wir schnorcheln und schwimmen um die Wette, und selbst die Haut der vorgebräuntesten Holländer wird langsam rot. Währenddessen grillen Silvain und seine Jungs das mitgebrachte Hühnchenfleisch für uns. Was für ein Luxus, wir müssen keine Leguane oder Fische erlegen. Was für eine faule Robinsonade!

Inselzutaten: Sand & Korallen

Inselzutaten: Sand & Korallen

Nach dem Mittagessen ist Nichtstun angesagt, das Meer und die Hitze tragen alle Gedanken fort. Das einzige Gebäude auf der Insel, ein heruntergekommener Leuchtturm, zieht mich magisch an. Doch dann erscheint mir der Weg über Steine und Korallen auf Gummischlappen doch zu weit. Ich breche die Tour ab und lasse mir von Silvain die Story erzählen.

Angeblich wurde der Leuchtturm einst von holländischen Eroberern gebaut, um feindliche Schiffe in die Irre zu führen. Durch das Leuchtfeuer wurden sie Richtung Riff geführt und erlitten Schiffbruch. So die Legende. Die heute sichtbaren rostigen Wrackteile scheinen jedoch aus einer jüngeren Zeit zu stammen.

Verlassene Insel, verrotteter Leuchtturm

Verlassene Insel, verrotteter Leuchtturm

Bob Marley empfängt uns später zurück an Bord der “Miss Ann” mit seinem legendären “Redemption Song”. Silvain hat zur Feier des Tages seine Nerdbrille abgenommen und strahlt. Nicht ohne Grund: Er lädt uns alle für nächstes Jahr ein. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Doch dann wollen sie die Tour mit Übernachtung anbieten.

Schlafen unterm Sternenhimmel, Robinsonade mit All-Inclusive-Paket. Spartanisch und gut. “Danki”, sagen wir, unser erstes Wort Papiamentu. Leicht zu merken. Häufig hören wir auch “Dushi”, was süß bedeutet. Großflächig verwendet.

Nur einige Beispiele: Tauchen ist dushi, der Schatz sowieso und eigentlich ist ganz Curaçao dushi. Deswegen finden wir jetzt auch die Idee von Silvain ziemlich dushi. Und Silvain auch.

Viel brauchst du nicht.

Viel brauchst du nicht.

Und sollte mich noch einmal jemand fragen, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde: Sunblocker, Handtuch und Bikini. Den ganzen Rest haben zum Glück Silvain und seine Kollegen im Gepäck.

Text und Fotos: Elke Weiler

Danki an das Curaçao Tourist Board, das diese dushi Reise ermöglicht hat.

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Veröffentlicht von

Die Bloggerin & Buchautorin hat Kunstgeschichte in Düsseldorf, Bonn und Rom studiert, als Pressereferentin beim Reiseveranstalter und als Redakteurin bei Burda Media gearbeitet. Vor allem aber ist sie jahrelang als freie Reisejournalistin durch die Welt gejettet. Ihre Heimat- und Lieblingsstadt ist Düsseldorf; aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee.

10 Kommentare

  1. Moin, die Bilder sind doch bearbeitet worden oder ? Gibt es die auch in “echt” ?

    Gruss

    Uwe

    Antworten

    • Hi Uwe,

      die Bilder sind gegrunged. In “echt” sind die Farben noch krasser. Am besten ist natürlich live und mit Sonnenbrille! ;-)

      Antworten

  2. Bom bini Elke!
    habs heute endlich auf deine Seite geschafft, der Andrang ist ja immer so groß – was ich großflächig auch als dushi verstehen würde :D Das Wort kam mir da nie unter… aber ich mag’s!
    Und wie hat dir der Leguan geschmeckt? Ich hab den auch gegessen, irgendwo am West Point – fands lecker! Nicht dushi, aber lecker ;)

    dushi Grüße Claudi

    Antworten

    • Bon dia, Claudi!

      Den Leguan hab ich nicht probiert, aber für den nächsten Besuch geplant… ;-) Wir waren zwar bei den Garküchen, aber es gab so eine fette Suppe mit Tierteilen, die ich aussortiert habe. :-P

      Ansonsten gab es super viel Pommes… Ah ja, die Niederländer! ;-)

      Dir auch noch einen dushi Tag!

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