TukTuk in Sintra

Sintra? Nie ohne ein Tuk-Tuk!

Sonntags morgens im Bairro Alto: Ältere Damen stecken ihre Köpfe zum Fenster heraus und lächeln uns beim „bom dia“ erfreut zu – bereit für ein bisschen Smalltalk. Könnte ich doch nur mehr Portugiesisch!

Wir frühstücken am Rossio und nehmen den nächsten Zug nach Sintra, ein Tipp von Kollegin Madlen auf „Puriy unterwegs“. Alle 20 bis 30 Minuten fährt ein Zug in diese Richtung, der Bahnhof am Rossio scheint nur davon zu leben.

Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist an sich schon einen Besuch wert. Ungewohnt hufeisenförmig die Eingänge und reichlich verziert – wie der Eingang in ein Fantasiereich. Werden wir Sintra ähnlich entrückt vorfinden?

Sintra!
Hübsches Ding

Die Fahrt durch die Vorstädte Lissabons holt uns eher aus den Boden der Tatsachen zurück. Doch eine Dreiviertelstunde später sind wir schon da, im Weltkulturerbe Sintra. Die Luft ist frisch, sehr frisch, doch die Sonne lacht vom Himmel.

Konkrete Pläne haben wir keine, was sich schnell ändert. Denn unweit des Bahnhofs stehen sie schon, die Tuk-Tuks. Bereit den Hügel zum Palácio Nacional da Pena hinauf zu tuckern. Er thront hoch und bunt über dem Städtchen, wie das Souvenir eines Magiers.

Vasco kommt aus Sintra und heißt nicht da Gama mit Nachnamen. Er beherrscht den Schlingerkurs auf traumwandlerische Art und spürt geradezu, wenn sich ein Bus hinter uns befindet. Er weiß genau, wo die winzigen Haltebuchten auf den schmalen Straßen Sintras sind.

Vasco weiß alles.
Vasco weiß alles.

Und steht gerade mal keine freie Stelle zur Verfügung, erfindet Vasco eine. Der Schlingerkurs ist der ausführlichsten Stadtführung ever geschuldet, schließlich muss unser Chauffeur ja nach links oder rechts gucken, vieles zeigen und sich ab und an zu uns umdrehen.

Meine Fragen beantwortet der junge Mann genauso traumwandlerisch. Ohne dass ich sie gestellt habe. Ein zentraler Punkt neben den Palästen sind nämlich die Süßigkeiten. Wer hätte es gedacht! Belem mit seinen Pasteis … ha! In Sintra gibt es schließlich Travesseiros und Queijadas.

Wir tuckern mit der italienischen Ape fast an jedem wichtigen Café vorbei, und ich bin kurz davor, abzuspringen und mich in die Sonne zu setzen. Doch Vasco fährt unerbittlich weiter, das Aufklärungspotential in Sachen Sintra ist hoch.

Und wo gibt's was Süßes?
Und wo gibt’s was Süßes?

Also verschieben wir den Kaffee auf später. Mit dem Wissen, dass das „A Piriquita“ für seine Travesseiros berühmt ist, mit Mandelmasse gefüllte Blätterteigkissen, während man für die Frischkäsetörtchen Queijadas in die Pastelaria Sapa geht.

Ich versuche die „Travesseiros“ von Vasco nachzusprechen, doch es gelingt mir nicht. Er lacht. „Sie werden dich schon verstehen!“ Das beruhigt ungemein. Einfach mal nicht nur mit dem Finger auf gute Dinge zeigen, sondern flüssig bestellen. Que bom!

Da Sintra einer der beliebtesten Ausflugsorte von ganz Portugal ist, lebt der Ort mit seinen Lokalen und Souvenirläden, die mehr oder weniger das Gleiche verkaufen: weiße Decken, Korksachen, bunte Teppiche. Vasco zeigt uns auch die weniger frequentierten Stellen. Den Markt zum Beispiel, der nur zwei Mal im Monat seine Düfte nach Kräutern und Gebratenem verbreitet.

Es gibt sie, die ruhigen Plätzchen.
Es gibt sie, die ruhigen Plätzchen.

Unsere Open-Air-Ape kriecht unaufhaltsam den Berg hoch. Die rechte Tür schließt nicht richtig, der Sicherheitsgurt fällt auf dieser Seite ebenfalls aus. „Aus Solidarität schnalle ich mich auch nicht an!“, Vasco wedelt vorne mit seinem Gurt.

„Wenn wir sterben, dann gemeinsam.“ Ich sehe das anders und benutze den einzigen noch intakten Gurt auf der Rückbank. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass er mir wenig nutzt, wenn wir den Abhang hinuntersegeln. Oder wenn uns einer dieser für die Straßen Sintras viel zu mächtigen Touristenbusse zermalmen sollte.

Den höchsten Punkt haben wir unterhalb des Pena-Schlosses erreicht. Hier steigen alle aus, um das letzte Stück des Weges zu Fuß zurückzulegen. Für uns geht es jetzt mit Vasco bergab. „Halte dich fest!“, sagt er zu meinem gurtfreien Mitfahrer. „Hier fahr‘ ich schneller!“

Ein Mann mit Humor.
Ein Mann mit Humor

Es ist wie im Fahrgeschäft auf der Kirmes. Nur schöner. Überall tauchen pastellfarbene Villen mit spannenden Geschichten auf, und Vasco erzählt von Geheimgängen und Freimaurern. Der Hügel scheint wie von Maulwürfen durchgraben zu sein.

Mir gefällt am besten die alte Maurenfestung, das Castelo dos Mouros – es scheint irgendwie mit dem Granitfelsen verwachsen zu sein. Auch der Palácio Nacional de Sintra, unten im Städtchen, hat einen maurischen Teil.

Ein Kegel der Palastküche
Ein Kegel der Palastküche

Die beiden enormen, kegelförmigen Kamine seiner Küche versetzen mich nicht nur in eine andere Zeit, sondern auch an einen anderen Ort. Weniger lieblich als das gerade ergrünende und erblühende Sintra.

Einer der schönsten Momente während der Fahrt ist ohne Zweifel der Ausblick zum Meer. Mir war nicht bewusst, dass der Atlantik so nah ist. „Zehn Kilometer“, meint Vasco. Und natürlich bieten sie ihre Tuk-Tuk-Touren auch zum Strand an.

Das Piriquita hat sie alle.
Das „Piriquita“ hat sie alle.

Ich steige vom wunderbaren Dreirad wieder ab und versuche meine Gliedmaßen langsam aufzutauen, denn am Ende war es doch recht schattig. Hungrig fallen wir ins „A Piriquita“ ein, das sich in einer Art Belagerungszustand befindet.

Doch das Glück ist uns hold. Deswegen bestellen wir auch direkt alle beiden Spezialitäten Sintras in fließendem Portugiesisch – sehr zur Freude des Kellners. Que bom!

Doch ganz ehrlich: Einmal Pasteis, immer Pasteis. Und so fahren wir zurück nach Lissabon, während Sintra fast aus allen Nähten platzt.

Adeus, Sintra!
Adeus, Sintra!

Text und Fotos: Elke Weiler

Meine Lissabon-Reise wurde unterstützt von eDreams und HouseTrip – danke dafür!

  1. Pingback: Lissabon und die andere Seite des Tejo

  2. Das ist ja auch eine wunderbare Art, Sintra und Umgebung zu erkunden. So einen Vasco hätte ich auch gebraucht 😉 LG, Madlen

    • Ja, cooler Typ! Dafür haben wir Kulturbanausen die ganzen Paläste nur von außen gesichtet. 😀 Sollte ich da noch mal hinkommen, würde ich mich in den Wald schlagen. Einfach ein bisschen wandern und dann wie zufällig an irgendeiner Architektur landen… 😉 LG, Elke

  3. Oh mein Gott – ich wäre im Tuk-Tuk gestorben – mein Vertrauen gilt da immer nur meinen eigenen Füssen 🙂 dafür war bei uns das Piriquita menschenleer und ich habe es geliebt!

  4. Moin moin!

    Ich werde im Mai endlich mal nach Portugal reisen und will unbedingt auch nach Sintra. Erinnerst du dich noch, was euch die TukTuk-Fahrt gekostet hat? Und wie lange ihr insgesamt damit unterwegs wart?

    Liebe Grüße, Alissa

    • Hallo Alissa,

      ich beneide dich! 😉
      Habe gerade noch mal nachgeschaut: 45 Euro hat die Tour gekostet. Und Vasco hat gnadenlos überzogen, er hatte ja so viel zu erzählen. Also gut anderthalb Stunden hat wohl gedauert. Liebe Grüße und viel Spaß!

  5. Pingback: Rastaschaf Luis unterwegs in schönen Städten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: