Das Salz des Lebens

Als die Chefin mir sagte, sie hätte im Internet ein „Lammfell Luis“ im Angebot gesehen, klang das nicht bedrohlich oder so. Doch ich wusste, es war an der Zeit für die nächste Geschichte. Ich wusste, ich war im Verzug.

Draußen schien die Sonne, und ein leichter Wind fegte über Nordfriesland. Der Sturm hatte sich gelegt, doch mir war nach Wärme, Strand und Wellen. In 2013 hatte ich das Glück, mehrfach am Mittelmeer zu landen und die Kombination von Stadt und Strand gleich drei Mal unter die Lupe zu nehmen.

Schon im Frühjahr führte unser Weg nach Genua, wo wir uns mit Kollegen von der italienischen Presse einen Palazzo nach dem anderen reinzogen. Als Beachblogger fühlte ich mich fehl am Platze, zudem wurde ich von den Italienern schräg angeguckt.

Spiel, Spaß, Spannung in Genua
Spiel, Spaß, Spannung in Genua

Ganz anders war es mit dem coolen englischen Kollegen William und unserem genuesischen Guide, der lustigen Cristina. Zwar schauten wir uns beim Altstadtbummel weitere Gemäuer an, und ich musste zugeben, dass die Paläste Genuas durchaus recht hübsch waren. Vor allem die Gärten. Und Cristina öffnete uns die Augen für die wahre Seele der Stadt.

Wir lachten viel. Zum Abschied machten wir ein Foto in Castelletto – a place to be über den Dächern der City. Für eine Schrecksekunde hatte ich den Eindruck, dass William und Cristina mich in hohem Bogen in die Luft befördern wollten. Doch es blieb ein kleiner Scherz am Rande. Ich lachte den Adrenalinschub weg, und das Genueser Girl rückte noch ein paar Tipps raus, wo ich die besten Plätze zum Chillen finden konnte.

Gärten sind immer gut.
Gärten sind immer gut.

So tummelten wir uns sonntags mit den Einheimischen in den Gärten von Nervi, wo das Meer gegen die Klippen klatschte. Ich liebte diesen Sound, und die Chefin stimmte sogar ein paar Italo-Klassiker ein. Sie war längst nicht die Einzige – coole Klänge hingen in der Luft.

Überhaupt schienen diese Genueser ein recht musikalisches Völkchen zu sein, hatten sie doch zahlreiche Singer-Songwriter hervorgebracht. Für mich war das wichtiger als jeder Kolumbus. Auch wenn ich hier keine Reggae-Klänge vernahm, so ließ ich mich doch gerne mit guter Mucke jeglicher Art verzaubern. Sie war das Salz des Lebens.

Music in the air
Music in the air

Wie der Geschmack des Meeres! Ohne dass ich danach gefragt hätte, klärte die Chefin mich auf: In Boccadasse nämlich, Chilling Place No. 2 meiner Liste und unser Montagsausflug, lag ein Lied in der Luft mit eben jenem Titel: Sapore di sale, sapore di mare.

Ich fühlte mich ganz in meinem Element, auch für mich hatte dieses ehemalige Fischerdorf den Geschmack von Salz und Meer. Der Beach von Boccadasse wirkte ziemlich intim, so winzig und halbrund, wie er war.

Am Beach in Boccadasse
Am Beach in Boccadasse

Hinzu kamen die Fischerboote, die lässigen People und ein paar Kneipen rundherum. Der Wind spielte mit meinem Dreadlocks, rauschte über die Dinge und trieb das Meer vor sich her. Mehr brauchte ich nicht, als hier in der Sonne zu liegen und zum Lied der Chefin mit den Klauen zu wippen.

Erst Monate später, im Herbst, flogen wir nach Dubrovnik und sahen uns die adriatische Seite des Mittelmeers an. Es war brüllend heiß, und jedes Shooting wurde zur Tortur. „Schatten!“, bat ich die Chefin verzweifelt. Schafe konnten ja nicht schwitzen, und unter meinem Beanie staute sich die Hitze. Zum Glück fanden wir einen kühlen Kreuzgang, mir war ein bisschen flau.

Luis wird blümerant.
Luis wird blümerant.

Trotzdem hielt die Septemberhitze niemanden zurück. Was für ein Tatendrang! Wo Genua eine echte Hafenstadt mit allem Drum und Dran war, sah sich Dubrovnik von Touristen überschwemmt. Vor allem, wenn the real big cruise ships vor Anker lagen. Dann ging es rund im netten Altstädtchen.

Als friedliebender Rastaman konnte man sich nur noch auf ein Mäuerchen flüchten, damit sie einem nicht auf die Klauen traten. Oder noch besser: mit der Chefin zum Baden nach Lokrum übersetzen, der Inselgarten der Stadt. Natürlich war ich weit davon entfernt, mich mit Wasser zu benetzen.

An den Rand gedrängt
An den Rand gedrängt

Doch es gab ordentliche Schattenspender-Pinien, und allein das Glucksen der Wellen entspannte mich total. Die Chefin kommunizierte mit der einheimischen Bevölkerung, ohne deren Sprache zu verstehen. Ein Wunder.

Ich ließ kommunizieren. Die Bevölkerung schien mich sympathisch zu finden, also fühlte sich das Leben wie ein Sunshine Reggae an. Meinetwegen konnten wir auf Lokrum bleiben, doch die Chefin meinte, sie würden uns gegen Abend verjagen. Nachts durften nur die Pfauen und ein paar Feuerwehrleute auf der Insel bleiben.

Chillen auf Lokrum
Chillen auf Lokrum

Sollte ich den Job wechseln? Am nächsten Tag briet uns die Sonne ganz schön auf die Rübe. Dabei waren wir schon recht früh unterwegs, um die Mauern vor dem Kreuzfahrtvolk zu entdecken, diese famous walls of Dubrovnik. Sie gefielen mir außerordentlich gut, doch ich hatte keine Lust in der Hitze auf Kanonen herumzuhocken.

Peace, love and happiness war meine Message, und ich plädierte für ein Schattenplätzchen mit einem kühlen Drink. Zog man den explosionsartig auftretenden Kreuzfahrttourismus ab, wirkte Dubrovnik sehr relaxt. A lot of nice people. Auch die Chefin fand es lässig, wenn jemand in einem Café zu singen anfing. Einfach so.

Kanone mit Ausbilck
Kanone mit Ausbilck

Und das Nachtleben, caramba! Gerne wäre ich noch eine Weile geblieben. Die Chefin sowieso, die war ja schon fast verliebt in Dubrovnik. Irgendwie mochte sie diese brütende Hitze und den Türkiston des Meeres. Jeden Tag schwimmen. Leichte Klamotten tragen. Aber ich konnte ja meinen Pelz schlecht ablegen.

Schon einen Monat später genossen wir wieder eine mediterrane Wärme – und das im November! Barcelona! Die katalanische Hauptstadt war und blieb die City meines Herzens, das hatte ich der Chefin schon mehrfach verklickert. Worldmusic an jeder Straßenecke, der Beach vor der Haustür. Voller Sand, wie es sich gehörte.

Barcelona beflügelt.
Barcelona beflügelt.

Ganz ehrlich, dieser ganze Hype um Gaudí und so machte mich nicht an. Ich liebte es, in den Cafés abzuhocken. Nette Leute zu treffen. Ein paar Tapas zu mir zu nehmen. Die Auswahl war schier unendlich, sogar Veganer kamen auf ihre Kosten.

Als die Chefin dann auch noch gente bonita y muy simpática traf, stand für mich fest: Barcelona war mein Highlight des Jahres 2013. Jedenfalls eines davon. Wir tranken Bier und scherzten viel. Die Spanier waren gut drauf, locker und wirklich aufgeschlossen gegenüber einem Rastaschaf. Aber alles andere hätte mich auch überrascht.

¡Muy simpático!
¡Muy simpático!

Ich versuchte mit der Chefin zu handeln: mehr Mittelmeer, mehr Sonne, mehr Wärme und weniger Norden in 2014. Doch sie bestand auf einem guten Mix und versprach noch einen Hauch von Exotik im nächsten Jahr. Als erstes würden wir eine Reise mit der ganzen Redaktion nach Dänemark machen. Dann Nord-Holland, dann…

… ja, dann hörte ich etwas, das wie Musik in meinen Lauschern klang: Brasilien!

So come on, my friends, stay tuned!

Besos & beijos,

Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

  1. Pingback: Rastaschaf Luis geht auf Weltreise

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