Wo der Wind fegt

Manchmal verwöhnt dich das Leben nach Strich und Faden. Alles scheint so leicht und fluffig wie dein Fell zu sein. Keine Sorge mehr um den Dicken und seine Erziehung. Kein Tag ohne Strand. Rømø, Fanø, Henne Strand – bislang war der Roadtrip mit Madame und Emilia eine Wucht gewesen.

Bevor wir uns für die längere Strecke nach Nordjütland rüsteten, legten wir noch einen Kulturstopp in Bork Vikingehavn ein. Ich inspizierte die alten Hütten der Wikinger und suchte nach typischem Food. Doch es war noch zu früh am Morgen für einen Grillspieß, so schien es. Stattdessen kletterte ich versuchsweise in ein Boot und lauschte den Worten eines Erklärlutschers.

Recherche im Wikingerhafen

Für mich essentielle Frage beantwortete er leider nicht: Wie lebten Hunde und Wikingerlutscher damals zusammen? Durften die Kollegen in den Nischen auf den Fellen pennen? Was kam in ihre Näpfe? Hatte ich schon einmal gelebt? Auf der langen Strecke zwischen Süd- und Nordjütland gingen mir all diese Dinge durch den Kopf.

Wir legten diverse Stopps ein, streiften durch Wälder und fanden ein Café direkt an der Straße neben dem Schnellimbiss für Emilia. Mal ganz unter uns: Unglaublich, was diese Ente in sich hineinschob!

Madame klärte mich zwar dahingehend auf, dass Emilias Bauch nicht so groß war, und sie daher öfters mal einen Snack vertrug. Doch ich blieb skeptisch. Die Sache erinnerte mich ein wenig an unseren Foodblogger, der seinen Job bestimmt nur aus dem einen Grund gewählt hatte: seine enorme Gefräßigkeit. Wir sprachen schon von Jannimania!

Jodeln wie die Vorfahren

Jedenfalls pflanzte sich Madame mit Tebirkes und Kaffee neben mich, während ich mit einem mickrigen Würstchen abgespeist wurde. Ha! Ich brachte meine Nase so weit wie möglich an ihren Teller und streckte die Zunge aus. Es reichte nicht. Da düdelte eine von diesen größeren Blechhöhlen über die Straße. So eine mit lautem Sirenenklang.

Komm zu mir, Tebirkes!

Komm zu mir, Tebirkes!

Ich hielt einen Moment inne, tat einen langen Atemzug und stimmte ein. Ja, ich jodelte aus tiefstem Herzen. Wie meine Vorfahren es getan hatten, damals in den Weiten der schottischen Auen. Ich fühlte mich selten so nah bei ihnen wie in diesen Momenten musikalischer Höhenflüge. Erst der Duft des Gebäcks brachte mich wieder zurück ins Hier und Jetzt. Madame schob sich den letzten Happen in ihr kleines Maul und grinste.

Auch die Lutscherin, die ein Stück von uns entfernt gerade ihre Blechhöhle fütterte, schien belustigt, so meinte Madame jedenfalls. Ja, Himmelschafundmeer! Hatte denn niemand Verständnis für meine Kunst! Was mich natürlich bei geeigneter Inspiration nicht von deren Ausübung abhielt. Wir gondelten noch ein wenig durch die Gegend und landeten endlich in Blokhus.

On the road again

On the road again

Blokhus gehörte zur Jammerbucht, meinte Madame. Wurde etwa gejammert? Scheinbar schon, aber nur in früheren Zeiten, als viele Schiffe hier oben strandeten. Das Meer nannte sich hier Skagerrak, doch das war mir Wurscht. Was mich entzückte, war das Licht. Anders, irgendwie intensiv und für eine Kreative wie mich extrem inspirierend.

Glücklich in Blokhus

Und die neue Hütte – eine Wucht! Etwas höher gelegen, schick eingerichtet und mit einem Balkon ausgestattet, auf den meine Wenigkeit so gerade noch passte. Was für eine Hammeraussicht! Wir guckten direkt auf die Giga-Dünen. Von hier an lief Madame nur noch barfuß durch die Gegend, über die Dünen und den Strand. Ich wollte sie schon lange davon überzeugen, dass barfuß das Beste für die Füße war.

Schicke Hütte

Schicke Hütte

Doch Lutscher hatten ja zu allem und jeden ihre eigene, oft hoffnungslos festgezurrte Meinung. Jedenfalls waren wir glücklich in Blokhus. Glücklich in den Dünen, glücklich am Meer. Ich träumte von mehr… Vielleicht sollten wir gar überlegen, ganz hierher zu ziehen?

Madame nickte und legte sich zum Schlafen ins Wohnzimmer. So konnten wir bei offener Tür vom berauschenden Gesang des Meeres in den Schlaf gewogen werden. Um am nächsten Morgen dort zu beginnen, wo unser Abend geendet hatte: mit einem zünftigen Gassi am Skagerrak. Das Meer in Blokhus war anders als bei uns. Wilder, grüner, gesprächiger.

Windfest am Strand

Windfest am Strand

Der Wind fegte mir um die Ohren, was mich völlig wuschig machte. Ich hüpfte, raste, wuffte und warf mich in den Sand. Sprang Madame an, in der Hoffnung, dass sie es mir nachtat! Am Strand von Blokhus bot sich die bislang beste Gelegenheit, mal ordentlich die Sau raus zu lassen. Doch was tat sie stattdessen? Hütten fotografieren! Weil die direkt am Meer waren. Niedliche Hütten, das musste ich zugeben.

Die Arztlutscherin von Aabybro

Doch mieten konnten wir keine. Madame recherchierte das mit ihrem multifuntionalem Schnackapparat. Nur kaufen konnte man sie. Warum taten wir das dann nicht? „Die Liste ist lang“, klärte Madame mich auf. Außerdem stünden die Häuschen im Winter nicht dort. Dann würde es vermutlich zu wild, das Wetterchen.

La mer

La mer

Wir mussten los, ich hatte noch ein Date. Wegen Norwegen und so. Einreisebestimmungen für Hunde. Ich zuckte mit dem Maulwinkel. Medizinlutscher waren meist schwer in Ordnung, so meine bisherigen Erfahrungen. Doch dann übertraf die junge Arztlutscherin in Aabybro alles bisher Dagewesene.

Zum einen konnte wir uns die Wartezeit gemütlich mit Shoppen vertreiben, und ich suchte einen rosa Tintenfisch für den Dicken aus. Wir kauften auch noch handgemachte Kekse, doch ich war mir nicht sicher, ob sie sich bis zu Hause halten würden. Sie schmeckten vorzüglich. Die Medizinlutschern wog mich und gab mir ein Goodie nach dem anderen.

Oh du, mein Blokhus!

Oh du, mein Blokhus!

Sie füllte meinen EU-Pass mit scheinbar wichtigen Infos aus, so dass ich am nächsten Tag planmäßig für Kristiansand einschiffen konnte. Ich war völlig aus dem Häuschen vor Aufregung. Die Fähre!

P.S.: Madame wird euch im nächsten Bericht zu DEM Hotspot von Nordjütland führen. Und erzählen, was auf dem Schiff und bei der Einreise in Norwegen so passierte…

Alge am Strand

Algenschönheit

Ein Träumchen

Blokhus Beach

Begehrte Strandhäuser

Begehrte Strandhäuser

Monotonie mal nett

Monotonie hinter Dünen

Der einsame Eimer

Der einsame Eimer

Aussicht mit Strandhafer

Der ewige Strandhafer

Sonnenuntergang in Blokhus

Gehen oder bleiben?

Ente Emilia am Strand

Emilia, wo sie am liebsten ist

Text: Julchen (nach Diktat die baskische Jungkuh Maite eingepackt und vor Emilia Platz genommen. Bereit für die nächste Sause, oder wie sollte man einen Roadtrip sonst nennen?)

Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Nordjütland und die Jammerbucht, die diesen Teil unseres Roadtrips #scandi43 unterstützt haben.

Noch mehr lesen?

Kategorie Dänemark, Hunde, Roadtrips
Autor

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Einst mit Emil verlobt, einem Schapendoes aus Nordfriesland, ist Julchen zur Zeit wieder ungebunden. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

3 Kommentare

  1. Das Blokhus ist ja der Wahnsinn!! Ist das bezahlbar? Der Ausblick ist ja einmalig – so stelle ich mir einen Traumurlaub im Norden vor!

    • Ja, Blokhus ist klasse. Wegen der Preise schau am besten mal hier: Feriecenter Nordsøen – Danland. Oder bei den Anbietern der Sommerhäuser, die in den Dünen liegen. Am besten außerhalb der Saison.

  2. Pingback: Rubjerg Knude und der Abschied von Dänemark | Roadtrip #scandi43

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.