Fische in Kussabsicht

Endlich Inseln, Meer und Fische! Die Farbe Türkis. Das einfache Leben. Von Bangkok aus sind wir mit einer Propellermaschine in die Provinz Trat im Osten des Landes geflogen. Bunte Fische quasi als Vorankündigung auf dem Flieger.

Für die über 300 Kilometer bis Trat bräuchte man sonst mit dem Bus mehrere Stunden. Trat liegt am Golf von Thailand und besitzt den vermutlich niedlichsten Flughafen der Welt. Schon bei der Ankunft geht es los: Wir fahren mit offenen, bunten Wagen, eine Art Riesen-Caddy, bis zum Terminal.

Unterwegs begrüßt uns eine Horde von Kindern, und wir winken begeistert zurück. Nie habe ich mich irgendwo so willkommen gefühlt. Vermutlich ist dies kein Standardservice, doch selbst das hätte mich in Trat nicht gewundert. Die Kinder freuen sich auf Anschauungsunterricht in Sachen Flieger und Airport.

Begrüßungskomitee in Trat
Begrüßungskomitee in Trat

Die Gepäckbänder haben hier Namen, zwei Beine und Arme und überreichen jeden einzelnen Koffer persönlich. Eingebettet in eine größere Gartenanlage wirkt der Flughafen eher wie ein ganz normales Haus mit Springbrunnen und pflanzlichen Elefanten. Eine chinesische Kollegin bringt es auf den Punkt: „Das hier ist ein Ressort!“

Nach einer halben Stunde Fahrtzeit erreichen wir den Anleger für die Speedboote. Unser Inselhopping startet, wir tauchen in das magische Blau des Golfs ein. Der Kapitän düst mit dem üblichen thailändischen Geschwindigkeitsrausch über die nicht immer ebene See.

Mit Highspeed über den Golf
Mit Highspeed über den Golf

Es beginnt eine wilde James-Bond-Zeit. Wir checken diverse Inseln in den kommenden Tagen. Wir folgen dem Fisch. Unweit von der größten und bekanntesten Insel des Archipels, Koh Chang, steuert unser Speedboot ein Schnorchelrevier nahe Koh Rang an. Das Revier gehört zum Unterwasser-Nationalpark Koh Chang.

Und der Zeitpunkt ist denkbar günstig, denn außer uns ist niemand dort. Nur die Fische und wir. Das Schnorchelgebiet ist abgesteckt rund um einen malerischen Felsen mitten im Wasser. „Das Wasser ist warm“, tönt es vom Ersttester.

Abtauchen ins Aquarium
Abtauchen ins Aquarium

Wenn es auch nicht gerade Badewannentemperatur hat, zum Schwimmen scheint es optimal zu sein. Zuletzt war ich vor ein paar Jahren bei Sansibar schnorcheln, und wir haben sogar einen Trupp Delfine sichten können.

Ich streife die Schnorchelbrille über und lasse mich an der Treppe langsam ins Wasser gleiten. Und abtauchen! Ich bin in einer anderen Welt. Das Wasser um mich herum macht mich schwerelos, ich höre mein Atmen durch den Schnorchel und das Gurgeln des Golfs.

Ganz schön was los unter Wasser. Ich schwebe zwischen knallbunten Fischschwärmen, die mich neugierig beäugen. Zebrafische, Papageienfische und Schnapper.

Einige der Kleineren schwimmen zielstrebig und mit halboffenem Maul auf mich zu. Was wollen sie? Mir auf die Brillengläser schmatzen? Eines ist so klar wie der Golf von Thailand: Diese Fische kommen in friedlicher Absicht. Ich versuche, mich so wenig wie möglich zu bewegen.

Die Welt der Fische
Die Welt der Fische

Ein paar Meter unter mir am Boden kann ich Seeigel ausmachen, ähnlich denen, die wir auf Koh Kood in den Netzen der Fischer finden. Unter Wasser wirst du zum Philosophen, alles ist im Fluss. Ich frage mich aus unbekannten Gründen: Können Seeigel eigentlich sehen?

Sie haben schließlich keine Augen. Später erfahre ich, dass sie über Sinneszellen an den Füßen Lichtreflexe wahrnehmen können. Am Boden ein paar Meter unter mir wirken die Korallen wie das Hirn von Säugetieren. Sind das eigentlich Pflanzen? Nein, sie gehören zur Gattung der Nesseltiere oder Blumentiere, die sich von Plankton und kleinen Fischen ernähren.

Bewegung über Wasser
Bewegung über Wasser

Ich könnte noch ewig so weiter schweben, da bemerke ich Bewegung im Wasser und löse mich von der bizarren Welt. Zwei größere Boote legen an, und binnen Minuten wird das Revier überfüllt sein. Langsam schwimme ich wieder zum Boot zurück, dusche mich kurz mit der Borddusche ab und hülle mich in ein Handtuch – alles ist vorbereitet.

Und wieder muss ich an Sansibar denken: Denn es gilt wohl die Regel, dass mit dem Schnorcheln der Appetit kommt, egal welchen Fischen man begegnet, egal, was unter Wasser so passiert. Dieses Mal haben sie Früchte für uns zubereitet: Mangos, Orangen, Guaven.

Fisch auf dem Teller
Fisch auf dem Teller

Und schon bald werden wir eine andere Insel zum Mittagessen ansteuern: Koh Wai. Fische und Krabben landen dort mit thailändischer Kochkunst auf dem Teller. Hot & spicy.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Thailand Tourismus, die diese Reise ermöglicht haben.

Fischerboot bei Koh Wai
Fischerboot bei Koh Wai

  1. Liebe Elke, jetzt habe ich einen leichten Schock: Zuerst die bunten Fische im Wasser, plötzlich liegt einer auf dem Teller! Fast hab ich Mitleid mit ihm… Sieht allerdings sehr appetitlich aus! Jutta

    • Liebe Jutta, kann ich verstehen! Allerdings war es keiner der Fische, mit denen ich mich vorher quasi angefreundet hatte. 🙂 Liebe Grüße!!!

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  3. Das ist sympathisch : )

  4. Thailand ist wirklich magisch 🙂
    Und die Unterwasserwelt wird meistens völlig unterschätzt.
    Immer wieder hört man, alles sei „kaputt getaucht“ bzw. durch den Tsunami zerstört worden.
    Nach einer Tauchsafari in South Andaman Sea und North Andaman Sea, inkl. Similan Islands und Richelieu Rock kann ich aber mit Sicherheit sagen, dass die Riffe nicht mehr kaputt sind, als woanders auch.
    Sonnige Grüße von den Malediven,
    Lena

    • Danke, Lena! Andamanen-See hört sich interessant an, wurde mir auch in Thailand schon empfohlen. Viele Grüße auf die Malediven!!!

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  8. Hey,

    also ein Arbeitskollege von mir, war in Thailand und war einfach begeistert.
    Danke für deine tollen Bilder, jetzt weiß ich auch warum.

    Andy

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