Schwedisch für Anfänger

Fast zwei Drittel unseres Roadtrips sind vorüber, denke ich wehmütig, als wir zum zweiten Mal auf dieser Reise in einem Fährhafen aufs Einschiffen warten. Fähre bedeutet Länderwechsel. Wir sind in Sandefjord gelandet, nur 120 Kilometer wären es von hier bis Oslo. Doch wir werden Norwegen an dieser Stelle „Farvel“ sagen und den Skagerrak bis zur schwedischen Seite queren.

Wieder einer von jenen wunderbaren Junitagen mit praller Sonne und knalligen Farben. Ich hätte Julchen mit aufs Deck nehmen können, erlaubt ist das hier. Doch dann hätte ich sie in einen der Käfige verfrachten müssen, die an einer recht geräuschvollen Stelle auf dem Außendeck platziert sind. Nichts für Hunde wie Julchen, die empfindsam auf Lärm reagieren.

Da wir schon auf dem Weg zwischen Hirtshals und Kristiansand gute Erfahrungen auf der Fähre gemacht haben, hoffe ich, dass es auch nun wieder funktioniert und lasse sie samt Wassernapf in ihren eigenen vier Wänden zurück. Doch ich vermisse meine Reisebegleiterin und bin froh, als ich sie nach zweieinhalb Stunden wieder in die Arme schließen kann. Nächstes Mal würde ich mich anders entscheiden.

Ab Strömstad müssen weiter südwärts fahren, so viel weiß ich. Ursprünglich hatte ich einen Campingplatz irgendwo bei Fjällbacka ins Visier genommen, doch wir rollen und rollen und rollen. Aus irgendeinem Grund verrechne ich mich mit der Strecke und den Tagen. Wir wollen noch vor Mittsommer unten in Malmö sein, sind dort zum Essen verabredet.

Vorbei an Göteborg

Die Küste von Bohuslän ist stark zerklüftet, doch auf der breiten und unendlichen Autobahn kriegen wir von alldem nichts mit. Der Himmel hat sich zugezogen, und ich schlafe fast am Steuer ein. Als wir in Hafsten ankommen, wirkt der Platz verwaist wie in der tiefsten Vorsaison. Kaum etwas los im Restaurant, die anderen Gäste scheinen sich allesamt in ihre Hütten, Wagen oder Zelte verzogen zu haben.

Dabei werden sich schon bald viele schwedische Familien einfinden, die Mittsommer gerne auf Campingplätzen feiern, die überhaupt gerne auf Campingplätzen urlauben. Noch stehen die Hüpfburgen und Spielgeräte klatschnass und leer im Regen, die Kanus liegen im Gras und bilden den einzigen Farbkontrast an diesem grauen Abend, der in einen ebenso grauen Morgen übergeht.

Wir wollen weiter, vorbei an Göteborg, in die Provinz Halland. Ohne einen kleinen Schnitzer wären wir nie dort gelandet, auf jener Halbinsel namens Getteröns. Für einen Rheinländer klingt das wie Gedöns. Manchmal navigiert die Navigation so falsch, dass es schon wieder richtig und gut ist. Man muss flexibel bleiben.

Hitze ein, Ente aus

Von Gedöns kann keine Rede sein: Das Wasser klar, sanft, grün und seicht, es wirkt fast jungfräulich mit den drei Badenden. Ein paar Hasen liegen im Schatten eines Gartens, Julchen wittert sie sofort. Was huscht denn da ins Gebüsch? Ganz der Hütehund reagiert Julchen blitzschnell auf die Bewegungen. Wir spazieren neugierig umher, laufen zur Wasserkante. Ich bade meine Füße, denn die Wolken haben sich verzogen, und es ist schlagartig heiß.

Badewetter
Badewetter

Irgendwann treten wir den Rückweg an, denn wir müssen unseren heutigen Campingplatz noch finden. Dass es etwas länger als geplant dauern wird, wissen wir noch nicht. Ich starte, doch der Funke springt nicht über. Das Licht war aus, gut. Es liegt bestimmt an der Hitze, vermute ich. Emilia ist in dieser Hinsicht empfindlich, und wir haben ja heute wieder ein gutes Stück zurückgelegt.

Das Haus der Hasen

Also lasse ich ihr etwas Zeit und drehe noch eine Runde mit Julchen. Eine Frau nebst älterem Wohnwagenmodell spricht uns auf Schwedisch an. Wir reden auf Englisch weiter, sie braucht dringend Wasser, hat ein Baby im Wagen. Ich deute auf die Toilette, die nicht so weit entfernt ist, ich hatte das Schild gesehen.

Sie will es zunächst beim Haus mit den Hasen im Garten versuchen. Ich erzähle von meinen Startproblemen, und wir stellen fest, dass wir beide solo, beziehungsweise ohne Mann unterwegs sind. Später kommt sie mit dem Rad vorbei und freut sich über mein Auto. Sie habe früher beim Vater in der Werkstatt geholfen, und da ging es oft um ältere Modelle.

Einfach hier bleiben?
Einfach hier bleiben?

Ich fülle gerade Benzin nach, und sie rät mir, den ganzen Ersatzkanister hineinzukippen. „Mit nur zwei Litern im Tank kannst du diese Startschwierigkeiten haben. Da mischt sich Luft rein“, fachsimpelt sie und sucht dann weiter nach Wasser. Als ich wieder zu starten versuche, merke ich, dass ich die Batterie durch gefühlt 100 Zündversuche überstrapaziert habe.

Und da wir ja schon lange keine Starterkabel mehr benutzt haben, mindestens zwei Tage nicht mehr, wende ich mich an das nächstbeste Opfer. Im Gegensatz zu den norwegischen Helfern zuckt es nicht mir Wimper, hat keinerlei Angst um die Elektronik seines Wagens und willigt ohne zu zögern ein. Die zugehörige Frau sucht samt Kind schon mal den Strand auf.

Starthilfe auf Schwedisch

Nach dem erfolgreichen Überbrückungsversuch strahle ich über beide Ohren, bedanke mich überschwänglich bei dem guten Mann, der sich mindestens genauso freut. Ich fahre noch einmal bei der netten Wohnmobilfrau vorbei, die inzwischen einen Plan hat, wie sie an Wasser kommt. Und mir alles Gute für die Weiterfahrt wünscht. „Tack ska du ha“, bedanke mich ich bei ihr. Sie hat mir unglaublich geholfen.

Kärradals Strand
Kärradals Strand

In der Nähe von Varberg finden wir unser nächstes Plätzchen. Nicht so groß, fast familiär wirkt dieser Camping, mit vielen Dauergästen, die sich gar häuslich eingerichtet haben. Gutgelaunte Seniorinnen spielen Karten, ein Baby schreit, der Opa schaut danach. Eine Atmosphäre wie auf dem Dorf. Man beäugt sich, grüßt, winkt herüber. Man weiß, was die Nachbarn tun.

Und Julchen lernt Bomso (3) kennen, dessen Terrain kleinen Hunden entsprechend niedrig umzäunt ist. Die Palette kurioser Details reicht von Keramikfiguren bis zur Briefkastenattrappe am Zaun. Wir mögen die Vintage-Atmosphäre, den Charme unzähliger Campingtage und Jahre, die hier bereits gelebt wurden. Endlich habe ich Zeit zum Schwimmen, und der Kärradals Strand liegt um die Ecke. Doch das Wasser ist recht flach, besser zum Planschen gedacht. Und so sanft. Julchen liebt das.

Schon bald geht es weiter die schwedische Westküste hinunter. Julchen will den nächsten Part übernehmen, sie steht schon in den Startlöchern…

Julchen will mal was loswerden...
Mademoiselle muss mal was loswerden…

Text und Fotos: Elke Weiler

Dieser Teil unseres Roadtrips #scandi43 – eine Reise durch Skandinavien mit Hund und Ente – wurde von Camping.se und Fjordline unterstützt.

  1. Pingback: Julchen und die schwedischen Köttbullar | Roadtrip #scandi43

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