Cheese up!

Lange suchen müssen wir nicht. Oder gar angestrengt den Boden abgrasen, um den beliebtesten Neuzugang in Malmö auszumachen. Das boomende „Il Topolino“ findet sich genau dort, wo sich eine ständige Menschentraube bildet, größtenteils auf dem Boden knieend. Dort, wo die Fotoapparate und Handys gezückt sind, als wären die Mäuse echte Celebrities und könnten jeden Moment auf der Bildfläche erscheinen.

De facto sitzen bereits zwei Mäuse vor dem Restaurant „Il Topolino“, während im Geschäft nebenan mit dem klangvollen Namen „Noix de Vie“ kaum Betrieb herrscht. Aber wie auch, es ist Sonntag. Und eine echte Sensation, dass hier auf der Bergsgatan im Multikulti-Viertel Möllevången, kurz Möllan, überhaupt so eine tierische Angebotserweiterung existiert.

Das zeugt von Sensibilität und Erfindungsreichtum. Möllan für Mäuse also, wir sind erst am Anfang einer wunderbaren Stadtentwicklung. Die Kreation wird der Bewegung „AnonyMouse_MMX“ zugeschrieben, zumindest ist die Installation in der Aussparung eines einstigen Kellerfensters so gekennzeichnet, und es existiert ein gleichnamiges Instagram-Account mit Fotos von den Lokalen.

Das Logo als Kombination aus der Anonymous-Maske und Micky Mouse ist richtungsweisend, über den Erschaffer ist weiter nichts bekannt. Seitdem er/sie die Mini-Lokale vor ein paar Wochen installiert und den Account eingerichtet hat, ging die Geschichte in rasantem Tempo um die Welt. Kaum eine Zeitung, die das Thema nicht aufgegriffen hat. Sogar in die US-amerikanische Instanz „The Late Late Show“ mit James Corden haben die Mäuse-Lokale es geschafft.

An der Vielzahl der Instagram-Kommentare lässt sich erahnen, dass die Menschen, deren Herz „AnonyMouse“ erfreut hat, aus vermutlich ebenso vielen Ländern stammen wie die Einwohner Möllans. Die strahlenden Gesichter der Kinder und Erwachsensen, die wir vor dem Kunstwerk finden, dienen als Gradmesser für die Freude, die der Künstler mit seiner Idee bereitet.

Französisches Flair

Mir gefällt es, dass er/sie anonym bleiben will. Das lässt Raum für Fantasie. Ich stelle mir eine kleine Anarcho-Gang aus Mäusen vor, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alles aufgebaut hat. Wie die Heinzelmännchen. Und ganz Malmö spielt mit. Menschliche Pilger legen andere Miniaturen, Mauspüppchen und Futter ab. Auch die Anzahl der Plakate nimmt zu wie in jeder normalen Stadt.

Und nun kommt das Beste: Das Angebot scheint inzwischen bei echten Mäusen anzukommen. Eine hat sich bei einem Restauranttest filmen lassen. Allein erfolgreich war dieser Versuch nicht. „Il Topolino“ hatte bereits geschlossen, der Nager keine Chance auf ein Dinner mit Stil. Möglicherweise wurde er auch aufgrund einer feiernden Gesellschaft abgewiesen, das passiert ja mitunter so kurz vor Weihnachten.


Film: Samuel Lundberg

Auch wenn es uns schon zur Tradition geworden ist, ein bis zwei Mal pro Jahr am Öresund zu verweilen, nach Möllan zieht es uns zum ersten Mal. Hier soll es die besten Falafel der Stadt geben, doch wir probieren sie anderswo. Das Angebot der Stadt hat sich nämlich nicht nur für Mäuse erweitert, Malmö entwickelt sich in raschem Tempo an vielen Stellen.

Smart mit Bart

Ein Bekannter empfiehlt uns die neue „Saluhall“ in der Nähe des Clarion Hotels Malmö Live. Ein alter Backsteinbau, geschickt mit modernen Elementen vergrößert, mutiert zur Fresshalle inklusive Kanelbullar, Falafel, Holzofenpizza, Ramensüppchen, Fisch, Blumen und Burgern. Wir probieren die Falafel und göttliche Safranteilchen. Um uns herum geht es zu wie in einem Bienenstock. Die Klientel: jung, sportlich, smart mit Bart, Dutt und oft auch Kinderwagen.

Deckungsgleich mit der des ebenfalls neuen Concept Stores namens „Småland“ in der Fußgängerzone des Zentrums. Dort treffen Öko-Klamotten und Vintage-Möbel auf den köstlichsten Safranpuddingkuchen im angeschlossenen Café, den ich je gegessen habe. Das I-Tüpfelchen nach einer politisch korrekten Grünkohlsuppe. Wasser gibt es, wie üblich in Schweden, umsonst in schönen Glasflaschen zum Selbstabfüllen.

Jeder Tisch und Stuhl des Cafés steht zum Verkauf, und beinah hätten wir einen größeren Teil der Einrichtung fürs neue alte Häusle mitgenommen, das gerade am Werden ist. Was letztendlich fehlte, war die passende Transportmöglichkeit, der Laden liefert nicht nach Deutschland. Also auf zur nächsten Inspirationsquelle: Wir laufen zur „Konsthall“ nahe der Oper.

Freier Eintritt

Bei freiem Eintritt können wir vor den Bildern von Rita Ackermann rätseln, die noch bis Januar in der weiten und lichterfüllten Halle zu sehen sind. Erinnerungen an Schultafeln, die übermalt und abgewischt wurden. Die Künstlerin will genau diese Vergänglichkeit thematisieren, zumindest mit einem Großteil der Exponate.

Kunst mit Kreide

An einigen Stellen erahnen wir Konturen, verwischte Striche, die unsere Fantasie beflügeln wie AnonyMouse. Kunst, die keinen Eintritt kostet, ist demokratisch: Street Art wie die Maus-Lokale oder eben dieses offene Museum, das von der Stadt gefördert wird. In dem wir uns wie ein Teil der Umgebung fühlen, weil die Fensterwände und die teils verglaste Dachstruktur diesen Eindruck zulassen.

In dem wir gleich Hand anlegen könnten, wäre Kreide in der Werkstatt vorhanden. Die Tafeln transportieren das Thema der Künstlerin zurück in die Realität. Wer hat früher nicht gerne mal die Schultafel vollgemalt, möglichst ohne Aufforderung?

In der Werkstatt der Kunsthalle

Nur eines habe ich während unseres Besuchs in Malmö nicht geschafft: in mein heißgeliebtes Kaltbadehaus zu gehen. Zuerst in die Sauna, dann auf einen Sprung in den Öresund. Bei winterlicher Dunkelheit am frühen Abend, das wäre perfekt gewesen. Unter den Lichtern der Brücke, meiner Lieblingsbrücke.

Text und Fotos: Elke Weiler

Dieses Mal haben wir im Clarion Malmö Live Quartier bezogen und die Stadt morgens und abends aus dem 14. Stock betrachtet. Ein Fundstück bei Idealo.

Malmö von oben

Wer gerne mexikanisch isst, dem empfehle ich die „Eatery social – mucho más que una taquería“ im Erdgeschoss des Hotels. Die Guacamole! Und vorher auf einen Aperitif in die 25. Etage des Hotels, sehr beliebt bei Einheimischen.

Meine Reise nach Malmö wurde von Idealo unterstützt.

Malmö – ideal mit dem Rad
Die neue Fresshalle
Safranteilchen
Altstadtgasse
Fiskehamnsgatan
  1. Ah, habe die Antwort schon gefunden: Malmö also! Wenn Du Dir Helsingborg als Reiseziel vorstellen kannst und keine Katzenallergie hast, könnten wir theoretisch auch mal Wohnungstausch im Urlaub machen. Haha!

    • Das wäre eine Option! Zur Zeit ist unser Häuschen in Renovierung, aber spätestens ab Sommer sollte das klappen. Helsingborg kenne ich auch. 🙂

      • Wir haben leider kein Häuschen, sondern nur eine kleine Wohnung. Aber dafür nur fünf Minuten vom Strand entfernt. Zu Fuß. Inklusive zwei Kaltbadehäusern, eins alt, eins modern.

        • Gibt es in Helsingborg auch Kaltbadehäuser? Ich kenne nur das in Varberg, aber leider auch nur von außen. Sehr schön! Zum Wohnungstausch muss ich fairerweise noch sagen: Wir haben zwei Hunde, die sind nicht immer leise. 😉

  2. Nicht leise wäre egal, aber das funktioniert dann wohl leider nicht mit unserem Kater, der bleibt nämlich immer zuhause und ist mutmaßlich nicht hundekompatibel (genau weiß ich es nicht, noch nie ausprobiert). Aber eine Fika kriegen wir bestimmt hin, wenn Du das nächste mal in der Gegend weilst! Was meinst Du? Es gibt hier übrigens sogar drei Kaltbadehäuser (von denen die ersten beiden bei uns ganz in der Nähe sind): http://www.helsingborg.se/startsida/uppleva-och-gora/anlaggningar-och-sporthallar/kallbadhus/

    • Und ich hab vorhin Quatsch geschrieben, das Pålsjöbad ist inzwischen auch modern, da es nach einem Sturm im Dezember 2011 neu gebaut wurde. Von außen sieht es aber noch „alt“ aus.

  3. Ja, das wäre super, dann treffen wir uns auf eine Fika, auch umgekehrt, wenn du/ihr hier mal in der Gegend seid! Und drei wunderbare Kaltbadehäuser, das ist ja der Wahnsinn, also ich komme auf jeden Fall irgendwann vorbei. 😉 Vielleicht mache ich im Frühjahr oder Sommer einen kleinen Roadtrip allein mit Ente und einem der Hunde, das haben wir letzten Mittsommer schon einmal gemacht.

  4. Pingback: Gotländischer Safrankuchen | Meerblog

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