Ein Wochenende in Kopenhagen

Vielleicht sind die Kopenhagener schuld an allem. In Dänemark Wienerbrød genannt, ansonsten Danish Pastry. Verführung durch Plunderteilchen? Ich tippe ja eher auf Tebirkes. Sie müssen der Grund für meine diversen Kopenhagen-Trips sein, egal ob mit Auto, Zug oder nun auch günstig mit dem Flieger ab Hamburg.

Ein guter Tag in Kopenhagen beginnt also in einem Café oder einer Bäckerei mit einem jener Tebirkes in der Hand. Ein rechteckiges Mohnbrötchen aus Blätterteig, möglichst noch warm und mit einem Hauch von Marzipan im Innern. Diese Leichtigkeit!

Dazu einen Kaffee, mehr braucht man nicht. Dem Treiben auf der Straße zuschauen, Horden von Radfahrern auf dem Weg zur Arbeit. Und sich gleich darauf ebenfalls aufs Rad schwingen, denn das ist zweifelsohne die endemische Fortbewegungsart in der dänischen Hauptstadt.

Mauern im Freistaat
Mauern im Freistaat

Und wohin mit dem Fahrrad? Erst mal Richtung Südost, nach Christianshavn. Eine Kombination aus Freistaat checken und in Papirøen schmausen. Von Christiania mit Reggae, Selfmade-Häusern und eindeutigen Düften ist es nicht weit bis zur ehemaligen Papierinsel. Ich habe die Tour zusammen mit Freibeuter-Nicole an einem sonnigen Mittag getestet. Das Ergebnis: Vor allem Papirøen hat es uns angetan. Ideal zum Chillen direkt am Wasser. Und in den Lagerhallen der einstigen Fabrik wird gebrutzelt, was das Zeug hält.

Das Zauberwort: Street Food. Allgemein hoch im Trend hat sich die Art des flotten Essens auf der Straße in Kopenhagen zu einem Spitzenformat entwickelt. Da werden selbst Fish & Chips zur Delikatesse. Mit Liebe gemacht und frischem Gemüse dekoriert. Nebenbei erfährst du noch eine mit dänischen Humor gewürzte Familiengeschichte. Einfach nach dem Seemann auf dem Bild an der Wand fragen. Der Wahrheitsgehalt solcher Stories ist an dem Lächeln des Kochs zu bemessen…

Street Food in Papirøen
Street Food in Papirøen

Weiter im Text, beziehungsweise mit dem Rad. Ein absolutes Muss ist Nørrebro. Der Radweg führt geradewegs auf den Roten Platz, der wirklich zwischen Rot, Rosa und Orange changiert. Bunt wie das ganze Viertel. Denn in Nørrebro sind 57 Kulturen beheimatet. Von Superkilen aus, dem Herzen des Viertels mit Rotem Platz, Schwarzen Markt und Grünem Park, düse ich durch die Straßen und nehme eine Auszeit auf dem Sankt Hans Torv im „Kaffeplantagen“.

In Nørrebro kannst du dich in den Vintageläden und kleinen Designershops verlieren. Vor allem die Jægersborggade ist der Ort für alle, die sich gerne inspirieren lassen. Handgemachte Karamellen lutschen. Oder einmal Grød probieren, also Porridge gänzlich neu interpretiert. Hier muss Kopenhagen auch nicht so teuer sein.

In der ehemaligen Fleischstadt
Abends in der Fleischstadt

Später fahre ich zurück nach Vesterbro, schiebe mein Rad in den Innenhof hinters Hotel. Das Viertel ist ideal zum Shoppen in kleinen Boutiquen, aber vor allem zum Ausgehen – zum Beispiel in der ehemaligen Fleischstadt Kødbyen. Aus den einstigen Schlachterhallen tönt die Musik: Bis vier Uhr morgens heißt es Klönen und Abtanzen im „Bakken Kbh“.

Am nächsten Tag kann man es ja gemütlich angehen lassen. Das grüne Kopenhagen kennenlernen. Daher empfehle ich eine Fahrradtour ins Naturschutzgebiet Kalvebod Fælled. Umgeben von Kühen, Schafen, Pferden und Rehen wandelt man über einstigen Meeresboden. Oder leiht sich Roller Skates aus. Zeit für ein Smørrebrød im Zukunftsviertel Ørestad: Im Café von Haus 8 trifft moderne Architektur auf kulinarische Genüsse.

Zurück in die Innenstadt ist es nur ein Katzensprung mit der unbemannten Metro. Ein echter Kopenhagener, also nicht das Plunderteilchen, schafft es mit dem Rad in einer halben Stunde.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Visit Denmark, die diesen Artikel unterstützt haben. Einen Hipster-Guide für Kopenhagen findet ihr dort auch.

  1. Hi, war auch schon drei mal in Kopenhagen, der letzte Trip dorthin liegt aber schon eine ganze Weile zurück. Zu dem Streetfood dort: Ich muss sagen, dass ich in meinem ganzen Leben nirgends bessere Hotdogs gegessen habe als da! Ich meine sogar, dass wir uns dort von fast nichts anderem ernährt haben – waren ja auch preiswert, haben einen nicht belastet und die Dinger gab es in zig Varianten zum Ausprobieren. Alle paar Meter gab es einen kleinen fahrbaren Stand mit denen. An das Tivoli und die Meerjungfrau kann ich mich noch erinnern. Und ein Reiseleiter meinte damals zu uns: „Kopenhagen ist für die Skandinavier das, was für uns Deutsche Mallorca ist: südlich, lebhaft und wild.“ Oder so ähnlich. Weiß nicht, ob das tatsächlich so ist, naja.
    Liebe Grüße, Nadja

  2. Sabine Neumann

    Hej hej Elke, Tebirkes, Kopenhagener, Cyklister – wunderschön beschrieben Dein Kopenhagen-Wochenende – macht Sehnsucht und weckt in mir die Lust, es Dir sofort nachzumachen! Habe gerade in Touristik aktuell über das Phänomen Copenhagenization geschrieben: Kopenhagen ist auf dem Weg, Welt-Fahrradstadt zu werden. Bis 2025 will es erste CO² neutrale Hauptstadt werden! Die dänische Metropole ist ehrgeiziger Vorreiter, seine Einwohner aufs Rad zu bringen. New York und Sydney gucken neidisch. Zwei Drittel der Kopenhagener fahren Rad, selbst Familien transportieren ihren Nachwuchs im Cargobike made in Christiania und verzichten auf ein Auto. Mehr als die Hälfte der Parlamentarier strampelt mit Muskelkraft ins Parlament nach Christianslot. Dänisch-praktisch: Hast Du Deine Füsse auf die Fussstützen an den Ampeln gestellt und die ergonomisch angebrachten Mülleimer bemerkt? Sie lassen sich vom Fahrrad aus füttern. Und last not least: Hast Du eines der 2000 neuen weissen Bycyklen Smart Bikes mit Touchscreen, Elektromotor und GPS ausprobiert? Gleich ein Grund, wieder hinzufahren! Henrik Thierlein von Visit Copenhagen, der Dich vermutlich betreut hat, nennt sie „übercool“…

  3. Pingback: Tallinn in allen Lebenslagen

  4. Liebe Elke,
    so viele tolle Tipps auf einem Haufen! Ich fahre in ein paar Wochen nach Kopenhagen und mit jedem Deiner Worte ist die Vorfreude mehr gestiegen! Hach, das wird fein 😉 Liebe Grüße, Henrietta

  5. Hallo Elke,

    ich spiele gerade mit dem Gedanken, im Sommer einige Tage in Kopenhagen zu verbringen. Dänemark hatte ich bis dato nie auf dem Schirm, doch in jüngster Zeit habe ich so viele tolle Geschichten über Kopenhagen gehört, dass mich die Reiselust gepackt hat.
    Ich danke dir für diesen Beitrag, er hat meine Lust auf Kopenhagen noch verstärkt (und auf Tebirkes).

    Liebe Grüße,
    Christine

  6. Pingback: Vibekevang und der Sommer in Kopenhagen | Dänemark

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