Frida das Fohlen hatte keine Ahnung von Schnee.

Als neue Expertin auf diesem Gebiet lud ich das Weihnachtsgeschenk von Grandmadame et Grandmonsieur ein, mich mit seinen staksigen Beinchen zum Everschop zu begleiten. Wir wollten gemeinsam Schneerobbing und so spielen.

Zudem klebte Fridas Fell noch von der Schlabberbehandlung – die klassische Art von Hundewellness – meines Ex-Welpenfreunds Buddy, der sich am Wochenende sämtlicher Plüschtiere angenommen hatte. Insofern er sich Zugang verschaffen konnte. Da der Kater nicht als Plüsch durchgehen wollte, flüchtete er panisch auf den Dachboden.

Auch ich hielt mich gerne auf dem Dachboden auf. Erstens liebte ich die sportliche Herausforderung: Wie ein rumpelndes Äffchen kletterte ich hoch. Der Raum glich einem Iglu: Geborgen und gut gekühlt fühlte man sich dort. Und Schneeweiß war sowieso mein neuer Lieblingston.

Nicht zuletzt gefiel es mir ungemein, von Madame oder Monsieur sanft schaukelnd hinunter getragen zu werden. Menschliche Bahren – gab es ein besseres Fortbewegungsmittel? Kein IC Wackelpudding kam da mit. Noch nicht mal die Rikscha.

Auf ihren Armen fühlte man sich wie ein Riesenbaby oder Rennplüsch. Ja, manchmal wollte ich wieder Welpe sein. So anarchisch und handlich wie Kater Mats.

Kater Mats liegt auf der Lauer

Nein, ich war nicht neidisch – das Löffelgesicht hingegen schon. Er wollte endlich die große weite Welt entdecken. Bei jeder Gelegenheit flitzte er durch den Türspalt oder geöffnete Fenster.

Sein ausgeklügelter Plan: Erst ein Stinkerchen machen, damit Madame in Panik alle Fenster aufreißt. Dann einen geeigneten Moment abwarten und schwups. Nicht dumm, der Kleine. Und erfolgsgekrönt. In der Freiheit wirkte er selbstvergessen und genoss das Sonnenlicht mitten in der Botanik. Man wurde nicht so recht schlau aus ihm.

Mal wirkte Mats lieb und harmlos, dann wiederum drang er unbefugterweise ins Terrain der Rennplüsche ein. Nun hatte Mister Kater eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch an den Hacken. Aber wäre er meinen Produzenten auch zu Leibe gerückt?

Glücklicherweise hatte Schreihals Emmi flott die Notruftaste gedrückt und die Polizei mobilisiert. Madame und ich standen in Nullkommanix auf der Matte, als das Theater losging.

Nach der ganzen Aufregung gab es einen Lichtblick in meinem Leben: Emil kam zurück von Rügen – direkt in meine Arme. Endlich trollten, rollten und tobten wir gemeinsam durch das weiße Wunder.

Emil und Julchen lieben den Schnee

Nach der langen Zeit der Entbehrung wollte ich seinen zarten Nacken gar nicht mehr loslassen und drückte seinen fluffigen Körper erst mal ausgiebig in den Schnee. Wir fraßen gemeinsam vom selben Stück, obwohl die Deichwiesen immer noch voller Kristallglitzerweiß waren.

Ich liebte es, wenn die Sonne den Schnee zum Leuchten brachte. So wies ich meinen Verlobten auf diverse Hasen- und Kaninchenspuren hin: Die Langohren hatten regelrechte Flitzebahnen auf den Deichen und Fennen angelegt.

Einmal wäre ich fast mit einem Karnickel zusammengestoßen, das zufrieden bis tiefenentspannt seines Weges hoppelte. Nach einem verdutzten Moment schimpfte ich mich in Rage… Doch Monsieur hatte die Sache im Griff.

Auch zu den Schafen, die neuerdings hinter unserem Haus weideten, ließ man mich nicht. Dabei war ich ihnen in jeder Hinsicht zugetan. Ich möchte das an dieser Stelle einmal besonders betonen.

Mir war nämlich zu Plüschohren gekommen, dass die Ausschreibung für die Wahl der Lammkönigin 2012 lief. Sollte ich mich bewerben? Ich hatte doch alle Voraussetzungen: Geboren im hohen Norden, liebte ich die Wollknäuel sowohl kulinarisch als auch hütetechnisch.

Julchen und Emil: gemeinsame Schneesache!

Sah ich ein paar auf den Fennen, brannten bei mir alle Sicherungen durch. Und dann erst ihre Hinterlassenschaften! Konnte sich etwa eine einzige der Ex-Königinnen rühmen, aufs Schafsköddel zu stehen? Ich bezweifelte das.

Trotz alledem keimte in mir der Verdacht, dass ich vom traditionellen Schema abwich. Ich war weder blond, noch lief ich ständig auf zwei Pfoten und lächelte in alle Kameras. Egal. So schnell gab eine Chachaputi nicht auf!

Also meine Lieben: Ihr habt die einzigartige Chance, mich, Julchen, ehedem Pretty Bellinda von der Hummelwiese und ein Crazy Bearded Collie, im glorreichen Jahre 2012 zur Lammkönigin der Herzen zu wählen! Das Gute ist: Ich bin vermutlich die einzige Kandidatin…

Text: Julchen (nach Diktat vorm Spiegel überlegt, wie sie wohl mit Krone aussieht. Und ob eine Lammkönigin auch Schafe geschenkt bekommt?)

Fotos: Elke Weiler

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CategoriesHunde
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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