Das Leben, ein Kommen und Gehen.

Grandmadame war weg, die Sonne wieder da und Monsieur auch. Dann war aber blöderweise Madame weg. Himmelschafundmeer, nie hatte man sein Rudel vollständig!

Julchen untersucht den Küstenbau

Doch jedes Wiedersehen kam einem Fest gleich. Jedes verrückte Mal freute ich mich wie ein Flummi. Vielleicht können Flummis sich nicht so freuen, doch in unserer unbändigen Art, Auf und Ab zu hüpfen, waren wir einander wesensgleich.

Bei mir kam bloß noch das Knutschen hinzu. Knutschen – ein unmittelbarer Ausdruck praller Lebensfreude.

Inzwischen hasste ich Bahnhöfe abgrundtief, denn hier kulminierte das Kommen und Gehen. War Frido auch zum Bahnhof gegangen?

Eines Tages lief eine mir gänzlich unbekannte Lutscherin mit ihrem Titi sowie einem hundeähnlichen Mini an meiner Fenne entlang und klaute mir Frido vor der Nase weg.

Warum griff Madame nicht ein? Sie wusste doch, wie ich zu dem Grauen mit der Haartolle eines Rockstars stand. (Ich berichtete.) Stattdessen tauschten sich die Mädels noch zweibeinermäßig aus. Vermutlich in punkto Wetter, das kam und ging.

Während Frido vor meinen Augen entschwand. Ins Ungewisse! Nie wieder würde ich mich in ein Mini-Pony verlieben, schrieb ich mir hinter meine halb verfilzten Löffel.

Ohne mich eines Blickes zu würdigen, war mein Schwarm von dannen gezogen. Dafür stand Buddy eines schönen Morgens auf der Matte: Hocherfreut stürmte er auf mich zu, mit jener neuen, ungestümen Art, die mich völlig aus dem Konzept brachte.

Aus weiblicher Sicht wäre es wünschenswert, wenn er ein bisschen an seinen Manieren arbeitete. Klar, er war immer noch verdammt gutaussehend und hatte tolle Zähne. Aber musste er sich jedes Mal damit an meinem hübschen Hals festtackern?

Erst wenn er einen Teil meines kostbaren, seidenweichen Pelzes im Maul hatte, schien er rundherum zufrieden zu sein.

Fetischismus? Buddy? Vielleicht machte ihm die Pubertät so zu schaffen? Ich musste darüber nachdenken, hatte aber keine Zeit.

Julchen fliegt übers Watt

Es war Ferienzeit, also hielten sich Lutscher in schier unüberschaubarer Auswahl in unseren Breitengraden auf.

Hinzu kam, dass der Boden mit neuen Schätzen überdeckt war: Da war zunächst mal ein Baguette, das mich auf einer Nordstrander Wiese anlachte.

Hatten wir auch Franzosen zu Besuch, die es bei einem ihrer famosen Picknicks für mich zurückgelassen hatten? Merci vielmals!

Aber leider hatte Madame keinen Sinn für solche Souvenirs und ließ mich nicht ran. Dafür nutzte ich einen unbewachten Augenblick, mich an einem Matjes zu laben. Dieses Fuhlehörn war eben eine Schatzkammer.

Im Anschluss gab es noch einen köstlichen Meerescocktail, und Madame et Monsieur prophezeiten mir ein frühes Nieren-Aus.

Pffft! Ich fühlte jung und stark und topbuddelfit. Tobte mit einem Gleichgesinnten übers Watt und widmete mich später dem Küstenbau in Süderhafen.

Die Zweibeiner vergrößerten das Land, indem sie diese Reisigbündel im Watt postierten. Das Meer schleppte mehr Sand und klebrigen Schlick an die Lahnung heran und hatte später weniger Platz für sich.

Merkte es denn nicht, wie es verkackeiert wurde?

Ich untersuchte ein bisschen Material aus der Lahnung: ganz normale Zweige. Raffiniertes Ding. Und so schmackhaft!

Julchen sinniert – nach getaner Buddelarbeit

Nebenan wuchs Queller – neben Matjes ein weiterer beliebter Küstensnack. Aber eher was für Veggies! Vielleicht sollte ich den Rennplüschen eine kleine Freude machen?

Meine grunzenden, quiekenden und schnurrenden Freunde luden mich ja schließlich ständig zum Fressen ein. Auch wenn sie es nicht so direkt formulierten. Ich verstand sie auch ohne Worte.

Außerdem produzierten sie meine Filme. Da musste ich ihnen doch mal ein kleines Präsent überreichen! Doch Madame meinte, dass ihre sonst so verfressenen Fellknödel keinen Queller mochten.

Ich musste mir eine andere nette kleine Überraschung ausdenken. Als ich in Friedrichstadt eine verführerische Fischbulette auf dem Markt entdeckt hatte, war ich restlos überzeugt:

Die Urlauber kommen wegen unserer guten Küche in den Norden!

Text: Julchen (nach Diktat in einer Kombüse untergetaucht)
Fotos: Elke Weiler

Hat dir dieser Artikel gefallen? Teile ihn gerne oder unterstütze mich via PayPal – danke!
CategoriesNordsee
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.