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Österlicher Glamour

Bitte lächeln! Die schöne Sylterin erhebt sich eigens fürs Fotoshooting.

Schaut nach links, nach rechts, direkt in die Linse. Ein weißes Prachtexemplar mit schwarzen Plüschohren, das zu einer Herde Galloways gehört. Zwischen Munkmarsch und Keitum schlemmt man ganzjährig von den nährstoffreichen Sylter Salzwiesen.

Hübsch ist sie, diese Sylterin: Galloway-Rind in Keitum

Wenn die Insel irgendwo landwirtschaftlich genutzt wird, dann hier, im Ostteil der Insel. Doch insgesamt beträgt der bäuerliche Anteil an der Bevölkerung nur 10 Prozent; auch im Osten hat der Tourismus längst das Ruder in der Hand.

Wo das beliebte Eiland mit der amorphen Struktur einen eleganten Schwung macht, liegt das Vorzeigedorf Keitum. Auf der ruhigen Seite Sylts. Statt Brandung und Wellen, die jedes Surferherz höher schlagen lassen, nur Watt und Weite.

Und dazu dieser intensive Duft des Meeres, das seine Handschrift im Sand hinterlassen hat. Eine Station vor Westerland bin ich aus dem Zug gestiegen und sogleich umzingelt von Reetdachkaten und blühenden Vorgärten.

Alles gehegt und gepflegt, nicht ein Fitzelchen Moos auf dem satten Beigeton des Schilfrohrs. Schnieke Ferienwohnungen allerorten. Zwar beansprucht Kampen immer noch die höchsten Quadratmeterpreise für sich, doch auch Keitum steht in der Beliebtheitsskala für den Zweitwohnsitz ganz weit oben.

Auf ganz Sylt wohnen nur 21 500 Menschen, Tendenz rückläufig. Dem stehen sage und schreibe rund 800 000 Gäste pro Jahr gegenüber. Ein Vorgeschmack dessen ist natürlich erstmals an Ostern, dem Saisonauftakt, zu bekommen: Der Verkehr braust über die Munkmarscher Chaussee und im beschaulichen Keitum beginnt das große Parken.

Die „Kleine Teestube“ am Westerhörn ist bei dem sommerhaften Wetterchen bis auf den letzten Platz besetzt, zumindest draußen. Ein Glück, dass Keitum reich an Teestuben und Cafés ist!

Österlicher Vorgarten in Keitum

Außerdem darf geshoppt werden, was das Herz begehrt, die Dichte an Boutiquen, Einrichtungsläden und Galerien steht in keinem Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Die Spaziergänger tummeln sich auf dem Kliffweg, nur wenige sind im Watt, während der Westerländer Strand gleichzeitig aus allen Nähten platzt. Dafür ist eine Reitergruppe unterwegs zwischen Munkmarsch und Keitum, immer an Wattkante und Kliff entlang.

Doch die meisten scheint es hier in die Cafés und Geschäfte zu ziehen, in denen man nicht mit „Moin“ sondern „Hallo“ begrüßt wird.

Keitum wirkt wie ein frisches Gemälde, das älteste Gebäude ist vermutlich das „Altfriesische Haus“, ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, das als Museum Einblick in die Wohnkultur der Epoche vermittelt.

Es wird vom Söl‘ring Foriining betrieben, dem größten nordfriesischen Verein, der sich das alte Friesenmotto „Rüm hart, klaar kiming“ auf die Fahnen geschrieben hat. Das ist Friesisch für „Weites Herz, klarer Horizont“ – ein ehemaliger Leitspruch der Kapitäne von den nordfriesischen Inseln und Halligen.

Man kümmert sich um Brauchtum und Küstenschutz, betreibt Heimatmuseen oder informiert auf Küstenschutzwanderungen, die an bestimmten Terminen vom Geowissenschaftler Arfst Hinrichsen geleitet werden.

Denn egal ob West- oder Ostseite, Sylt muss gut geschützt werden. Schließlich gilt es ja als beliebteste Ferieninsel – oder doch Rügen? Immerhin gibt es auf der Ostsseinsel jetzt ja auch die leckeren Sylter Fischbrötchen.

Text und Fotos: Elke Weiler

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