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Mademoiselle Julie am Meer (EPUB)

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6,30 

Lustige Hundegeschichten von der Nordsee, diktiert von der Power-Beardine Julchen. Ein Meerblog-Buch von Elke Weiler.

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Wer Julchens erstes Buch gelesen hat und ihre etwas ungestüme Art mag, wird sich vielleicht nach einer Fortsetzung sehnen: Here we go! In Teil 2 der Bearded-Collie-Saga geht es um die Wurst. Zunächst scheint Julchens gemütliche Welt hinterm nordfriesischen Deich aus den Fugen zu geraten: Ein dicker Welpe wird ihr vor die Nase gesetzt, ihr Verlobter Emil zieht um, und dann verschindet auch noch Kater Mats! Aber zum Glück kann Julchen auf den weisen Rat ihres Alter Egos setzen, der Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie. Für den einen oder anderen mag deren bevorzugter Ratschlag etwas eintönig klingen. Aber Julchen weiß: Buddeln hilft. Immer!

 

Auszug | Leseprobe:

„Deichballett

Happy Hippo! Mich wunderte kaum, dass Monsieur ihn so nannte. Wenn der kleine Pupser am Deich in seinen lustigen Pummelgalopp verfiel, wirkte er wie ein wuchtiges, ungelenkes Tier. Dabei strahlte Janni von einem Plüschohr zum anderen. Es war an der Zeit, den Saubraten mal wieder mit etwas Neuem bekannt zu machen und in andere Regionen auszuführen. Also nahm ich ihn mit nach Dithmarschen. Ein bäuerlich geprägter Landstrich, in dem sogar die Wollknäuel auf den Fennen Kohl verputzten. Es gab sogenannte Kohltage, und die Rüben stapelten sich auf den Feldern und vor den Bauernhäusern. Selbst sonntags konnte man dort überall Kohlköpfe kaufen. Ich hatte gute Erinnerungen an unsere Besuche am Strand von Wesselburenerkoog, wo ich nette Kollegen und herrlich duftende Fischreste zum Wälzen vorgefunden hatte.

All das hätte ich Janni liebend gern präsentiert, doch dann fanden wir den Mega-Stock schlechthin und konnten weiter an unserer Choreografie «Pas de Deich-Deux» arbeiten. Vorgesehen war eine Performance zum nahenden Fest der Liebe. Bei jeder Gelegenheit schliffen wir an Ausdrucksstärke, Figurenreichtum und Komplexität des Gesamtwerks. Normalerweise diente uns eine apfelgrüne Frisbeescheibe als verbindendes Element, als Dreh- und Angelpunkt der künstlerischen Darbietung. Natürlich konnte auch Strandgut in jeder Größenordnung zu Übungszwecken eingesetzt werden. In der heimischen Hütte schnappten wir uns meist Gustavo den Geier oder Baguette den Beagle. Manchmal ging uns auch Enzo der Erpel zu Maul. Alle waren aktuell frisch gebadet, aber das störte uns nicht.
Natürlich waren meine athletischen Möglichkeiten in einer anderen Liga als die des Pupsers einzustufen. So flog ich mit Leichtigkeit über Hindernisse wie Gräben, Zäune und Happy Hippos. In unser Deichballett baute ich komplexe Figuren wie Hasenhüpfer, Übersprungshandlungen und Komplettrollen ein – mit oder ohne Panade. Bei Janni reichte es, wenn wir die «Pas de deux»-Figuren hinkriegten, im Übrigen trottete er einfach nebenher. Weniger elegant war, dass er mit der Nase ständig über dem Boden hing, statt sich stolz wie ein Balletttänzer aufzurichten. Als wenn er sonst nichts zu schnüffeln hätte! Ich hoffte, dass die Ausdruckskraft unserer Performance nicht unter seiner rustikalen Art leiden würde. Immer im Hinterkopf: Wir wollten vor erweitertem Publikum auftreten. Grandmadame würde uns zum Fest der Liebe beehren.

Und spätestens dann musste Mats von seinem Outdoor-Abenteuer zurückgekehrt sein, das war für mich klar wie Kloßbrühe. Selbst als Atheist – Liebe war Liebe!
Weiter in der Choreografie: Wir hatten bei meinem Jugendfreund Buddy beobachtet, dass man auch das nasse Element einbauen konnte, uns aber gemeinschaftlich dagegen entschieden. Was den richtigen Rhythmus anging, wollten wir uns von dem Kollegen, Rastaschaf Luis, beraten lassen. Musikalisch hatte er einiges drauf, auch wenn er gerade mit der Weitervermittlung zweier Lämmer beschäftigt war. Angeblich waren ihm die Mini-Wollknäuel zugelaufen, und nun suchte er nach Adoptiveltern. Sein Job ließe es nicht zu, dass er sich selber um die Bälger kümmerte. Meine Vermutung war: Der Typ hatte doch in jedem Hafen etwas am Laufen. Vor allem in Hamburg – mit diesem Schlafschaf, das er im Hotel kennengelernt hatte. Bestimmt kamen die Bälger daher. Aber Luis dementierte. Angeblich hatte er die Hamburgerin schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.

Natürlich hatte ich mit der Erziehung des kleinen Saubratens alle Pfoten voll zu tun und konnte mich nicht auch noch um die unehelichen Blagen von Arbeitskollegen kümmern. Selbst für Emil hatte ich kaum noch Zeit. Es stank mir zwar gewaltig, dass der kleine Pupser sich wie üblich an all meine Bekannten heranschmiss. Besonders an meinen Verlobten. Doch was blieb mir übrig, die Erziehung ging vor. Emil und ich sahen uns immer seltener. Doch es gab keinen Grund, die Verlobung zu lösen. Schließlich liebten wir uns immer noch. Emil hatte einiges durchgemacht in der letzten Zeit, und ich wollte ihm beiseite stehen. Auch er drückte mir alle Pfoten, dass unser Katertier bald wieder auf der Matte stand. Spätestens zum Fest der Liebe, hörst du, Mats? Aber am besten schon morgen früh!“

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