Hamburg à la carte

Nach Rotterdam und Antwerpen steht nun eine weitere Hafenstadt im Fokus: Hamburg.

Meine Tipps führen abseits der touristischen Pfade, weg vom Jungfernstieg und von der schönen Alster. Dafür geht es in meine Lieblingsviertel – von Klein-Portugal am Hafen bis zur Elbinsel Wilhelmsburg. Und natürlich kommt auch der kulinarische Aspekt nicht zu kurz.

Süße Oliven und Honigkuchen

Restaurant Nau
Ditmar-Koel-Str. 13
nau-hh.de

„Wo kann ich lecker essen?“, hatte ich eine Ur-Hamburgerin gefragt, jetzt Nachbarin auf Eiderstedt. Und sie erzählte mir, dass sie gerne Fisch im Portugiesenviertel äße. Einfach bei den Landungsbrücken aussteigen, einen Blick auf den Hafen und die „Rickmer Rickmers“ werfen und dann gemütlich durch die Straßen schlendern, vor allem rund um die Ditmar-Koel-Straße – das sei wie ein Ausflug in den Süden.

In der Tat. Es riecht nach Gegrilltem, nach Knoblauch und Sardellen. Kellner stehen im Sommer vor den Lokalen und lächeln aufmunternd bis eindringlich: „Bei uns schmeckt’s am besten!“ Konkurrenz an jeder Ecke, das Angebot reicht von portugiesischer und spanischer bis zu italienischer Küche.

Wir entscheiden uns für das „Nau“, weil es so nett und klein und portugiesisch ist. Weil wir es nicht übers Herz bringen, dem Kellner eine Absage zu erteilen. Vinho Verde muss sein, dazu „Filete de Dourada em Molho Verde“, also Doradenfilet mit grüner Soße. Und zum Nachtisch – der muss auch sein – probiere ich zum ersten Mal in meinem Leben süße Oliven. Dazu Honigpudding. Irgendwie interessant.

Alles in allem auf Portugiesisch: „Uma delícia!“

Die etwas andere Hafenfahrt

Hafenkraft
Hellkamp 35
hafenkraft.de

In Hamburg immer eine Traumkombination: Möwen, Wasser und dicke Pötte. Michael Martin, einst Architekt und seit geraumer Zeit stolzer Besitzer einer echten Barkasse, geleitet uns durch den Hafen. Mit dem Hamburger Traditionsschiff hat er uns abgeholt, am Steuer sitzt Kapitän Karl-Heinz. „Nur noch um die 100 Barkassen gibt es hier“, weiß der passionierte Hafenkenner Martin. Sorry, Michael. Im Hafen duzen sich doch alle.

Wir machen also so etwas wie eine „kleine Kreuzfahrt“ durch den Hafen. Michael bringt uns ganz nah ran. Wir sehen Schiffe von unten, die nicht mal mehr in den Panama-Kanal reinpassen. Unser Hafenspezialist weiß, dass rund ein Zehntel der Hansestadt aus Hafen besteht: „Über 150.000 Leute arbeiten hier.“

Und es gibt einige ausgefallene Berufe darunter: etwa den Pusher, der Autos auf die RoRo-Schiffe schiebt. Auch von Kartonschmeißern und Bananenreifemeister hatten wir noch nicht gehört.

Währenddessen versucht der Kapitän, in die Speicherstadt hineinzukommen. Zwar ist es mit einer Barkasse durchaus möglich, in die Fleete zu schippern, doch die ganze Angelegenheit hängt natürlich vom Wasserstand ab, denn die Elbe ist tideabhängig.

„Orientteppiche sind out“, meint der Hafenkenner in der Wartezeit, doch auch heute gäbe es noch etwa 60 Teppichhändler in der Speicherstadt. Dorthin gelangen wir dann nicht mehr, sondern fahren geradewegs auf die Elbphilharmonie zu. „Sie wurde auf einen ehemaligen Kaffeespeicher gesetzt“, weiß Michael Martin.

Und alle warten gespannt, dass sie endlich fertig wird… Aber schön ist sie schon jetzt, besonders vom Wasser aus gesehen. Und deswegen bin ich auch ganz neidisch auf den Barkassenbesitzer, der ja oft in diesen Genuss kommt.

Teeverkostung im Museum

Speicherstadtmuseum
Am Sandtorkai 36
speicherstadtmuseum.de

Es ist bei weitem nicht das größte und spektakulärste Museum Hamburgs, eher eines der kleineren Kuscheligen. Und ein Muss für alle Fans der Speicherstadt. Innerhalb der Backsteinwände eines Lagerhauses aus dem 19. Jahrhundert lagerten die Quartiersleute einst Kaffee, Kakao und Gewürze ein. Bis auf die typischen Arbeiter der Speicherstadt ist das alles heute im Speicherstadtmuseum zu finden. Die Griepen, mit denen sie nach den Jutesäcken griffen, die Karren und Fässer.

Die Zuckerklatschen, mit denen sie Säcke mit feinkörnigen Waren wie Zucker halten konnten. Auch über den ausgestorbenen Beruf des Ewerführers habe ich mich hier schlau gemacht. Das waren nämlich die Leute, die auf den Schuten, den Lastkähnen, die Waren zu den Lagerhäusern gebracht haben. Staksend, ähnlich der Gondolieri in Venedig.

In der Mitte der unteren Etage können die Besucher eine Pause in der „Kaffeeklappe“ machen. Kenner oder solche, die es werden wollen, melden sich für eine Kaffee- oder Teeverkostung an.

Jugendstil im Tunnel

Alter Elbtunnel
St.Pauli-Landungsbrücken

Da ich Jugendstil mag und immer schon zu Fuß auf die Elbinseln laufen wollte, nehme ich den alten Elbtunnel. Das lohnt sich allein wegen der Aussicht auf die andere Seite der Elbe samt Philharmonie. Ich tauche also ab und nehme die Treppe, statt mit einem der alten Aufzüge zu fahren, die gerne von Radfahrern benutzt werden.

Zum Fotografieren ist es jedenfalls schöner, der Blick in die Kuppel und die Details rund um die Aufzüge gefallen mir. 1911 war es die erste Flussuntertunnelung des Kontinents. Zwei Röhren mit einem Durchmesser von sechs Metern. Heute klingt das lustig, aber als Maß diente ein Pferdefuhrwerk mit aufgestellter Peitsche, das noch hindurch passen musste.

Für Fußgänger und Radfahrer ist das Durchqueren des Baudenkmals in 24 Metern Tiefe übrigens kostenlos. Früher musste man zum Beispiel für einen Esel 50 Pfennig bezahlen.

Café im Energiebunker

Energiebunker
Neuhöfer Straße 7
vju-hamburg.de

Das Viertel Wilhelmsburg gilt immer noch als Geheimtipp – trotz Gartenschau und Internationaler Bauausstellung. Dabei hat sich einiges getan auf der größten Elbinsel. Ein Beispiel dafür: der sogenannte Energiebunker, eine Kriegsruine mit drei bis vier Meter dicken Außenmauern, jahrzehntelang unbenutzbar. Als ambitioniertes IBA-Projekt wurde der Betonklotz saniert, als Kraftwerk ausgerüstet und versorgt nun das Reiherstiegviertel mit klimafreundlicher Energie.

Eine Solarhülle auf dem Dach, Energieerzeugung aus Biogas, Holzhackschnitzeln und Abwärme aus einem Industriebetrieb machen den Mix, das Herz des ehemaligen Bunkers birgt nun einen riesigen Wärmespeicher. Sanierungsprozess und Energiekonzept sind dokumentiert, Besucher können sich die Ausstellung Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag von 10 bis 18, Freitag und Samstag bis 20 Uhr zu Gemüte führen. Der krönende Abschluss: ein Besuch im Café „Vju“. Dort ist auch der Bunker-Eintritt von einem Euro wieder „herauszuholen“, denn er ist als Verzehrbon nutzbar.

Den Anreiz für einen Café-Besuch braucht es eigentlich nicht. Denn auf 30 Metern Höhe bieten Café und Terrasse den besten Ausblick über Hamburg und den Hafen. Bis zu den Harburger Bergen bei schönem Wetter. Übrigens: der Waterkant Kaffee ist lecker und stammt aus der hauseigenen Rösterei.

Mehr als ein Hotel: das Wälderhaus

Wälderhaus
Am Inselpark 19
waelderhaus.de

Das Wälderhaus liegt in der grünen Mitte von Wilhelmsburg auf dem Gelände der ehemaligen Internationalen Gartenschau. Wie der Name schon vermuten lässt, ist es nicht nur ein Hotel, sondern sogenannter Science Center Wald. Und wo Wald drauf steht, ist auch Wald drin. Viel Holz vor der Hütten, sprich: Schon von draußen sieht man dem Wälderhaus seine Bestimmung an.

Lediglich das Erdgeschoss ist aus Beton gegossen, was baurechtliche Gründe hatte. Innen geht es dann lustig im Holzton weiter: Äste schmücken das Foyer, das zugleich Eingang für das Raphael Hotel als auch für das Museum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist.

Die 82 Zimmer sind nicht einfach durchnumeriert, sondern tragen die Namen einheimischer Baumarten. Wegen der Holzsprossen vor den Fenstern wirkt die Aussicht vergittert. Doch auf einen Wald kann ich eh nicht schauen. In diesem Fall hätte ich normale Fensteröffnungen vorgezogen.

Die Holztöne um mich herum, dieses Schlichte und Warme, wirken ungemein beruhigend. So schlafe ich sehr gut, wenn auch leider nicht in einem Baumhaus im Wald, sondern „nur“ im Wälderhaus von Wilhelmsburg. Das Frühstück im Restaurant „Wilhelms“ neben dem Foyer ist köstlich. Entweder schaut man durch die Fensterfront auf diesen neugestalteten Teil Wilhelmsburgs, oder man setzt sich bei gutem Wetter direkt auf die Sonnenterrasse.

Die schönste U-Bahnstation

Überseequartier
Osakaallee
hafencity.com

Einmal abtauchen bitte! Hamburgs schönste U-Bahnstation ist blau und erinnert mich an ein überdimensioniertes Schwimmbad. Nur dass die Leute hier nicht schwimmen, sondern sitzen, stehen, laufen. Funkelnagelneu, hell und glänzend das großzügige Ambiente, also eher untypisch für U-Bahnverhältnisse. Die Wassertöne passen thematisch schon, denn wir sind im Überseequartier.

Das Blau der Wandpaneele hellt nach oben hin auf und mündet in eine silberfarbene Decke aus perforierten Blechprofilen. Die Architekten wollen damit wohl eine Art Wasseroberfläche suggerieren.

Die Rolltreppen hinaufgefahren stehen wir draußen vor dem großen Nichts. Denn in diesem Teil der HafenCity liegen die Bauflächen brach, das bekanntlich größte Städtebau-Projekt Europas braucht seine Zeit. Freier Blick bis zum Kreuzfahrtterminal Hamburg Cruise Center, freier Blick auf den gerade vor Anker liegenden Hochsee-Riesen.

In vier Minuten sind wir vom Überseequartier mit der U4 zurück im Herzen der Stadt, am Jungfernstieg. Wer nicht bahnfahren will, kann auch über den Überseeboulevard stadteinwärts laufen, verpasst aber den schicken U-Bahn-„Pool“.

Text und Fotos: Elke Weiler

  1. Tip-Top! Wer auf Schiffahrt steht, dem kann ich das Maritime Museum in der Speicherstaf/Hafencity empfehlen. Auf 9 Etagen hat es eine unglaubliche Vielfalt. Die Queen Mary aus, Lego, eine riesige Modellschiffsammlung, ein Schiffssimulator, Schiffsmodelle aus Knochen und Elfenbein. Ich bin normalerweise nicht so der Museumsgänger, aber das fand ich richtig gut.

  2. Super Artikel über Hamburg. Zufällig meine Lieblingsstadt. Leider war ich nur einmal dort und ich hoffe das ich nächstes Jahr noch mal einen Hamburg-Tripp in Angriff nehmen kann 🙂 ich liebe diese vielfältige Stadt mit den teilweise scurilen Gebäuden und Leuten. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter gwer.com? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog.

  3. Pingback: Meerblog gewinnt Reiseblogaward

  4. Pingback: Was schaut man sich in Hamburg an?

  5. Ein toller Artikel über Hamburg. Ins Portugiesenviertel bin ich eine Zeit lang oft frühstücken gegangen – hat im Sommer richtig was von Urlaub. Ich hab dort immer gern im Café Sul gesessen. Deinen Tipp mit dem Café Vju muss ich mir merken – hört sich gut an. Danke und Beste Grüße

  6. Ein toller Artikel über eine super Stadt! Davon werde ich mir für meinen nächsten Trip in die Hansestadt bestimmt Einiges merken. Mir hat es bei meinem ersten Besuch in Hamburg auch schon sehr gut gefallen. Hier sind meine Tipps: http://www.travel-sisi.com/2014/08/04/sightseeing-hamburg/

    Liebe Grüsse
    Travel Sisi

  7. Ahoi Elke! Gaaanz toller Bericht, besonders gefällt uns die Farbgebung Deiner Bilder! Du musst unbedingt wieder kommen und mehr Bilder von „Möwen, Wasser und den dicken Pötten“ machen ; ) Liebe Grüße aus Hamburg

  8. Pingback: Meine sieben Tipps für Stavanger | Norwegen

  9. Durch Zufall auf deinen Blog gestoßen, als ich auf der Suche nach Anregungen für mein nächstes Wochenende in Hamburg war.

    Das Wälderhaus gefällt mir super und ich werde es mir ganz sicher anschauen. Die Gegend soll ja unheimlich an Charme gewonnen haben. Ich bin gespannt und überzeugt nach deinem Bericht 🙂

  10. Hamburg hat so viele Möglichkeiten und Sehenswürdigkeiten abseits der klassischen Touri-Gegenden.
    Es lohnt sich immer wieder einfach mal seine Kamera zu nehmen und zu Fuß durch die Bezirke zu wandern, auch wenn es manchmal sehr viele Schritte sind.

    Vielen Dank für den tollen Artikel.

  11. David Müller

    Vielen Dank für den tollen Einblick in euren Urlaub. Mein Freund und ich waren noch nie in Hamburg, doch haben bereits eine Menge davon gehört. Demnächst planen wir, eine komplette Reise durch Deutschland und so gut es geht jede Großstadt zu besuchen. Davor machen wir einen Plan, wo und wann wir welches Hotel buchen. Gut, dass man im Internet fündig wird.

  12. Matthias Strunz von Schlüsselnotdienst Hamburg

    Hallo Elke,

    interessant, auf was man so beim Stöbern im Web alles stoßen kann. Ein ganz toll gelungener Blog den du da betreibst! Hut ab.
    Jetzt sehe ich, dass auch du schon im ´Restaurant Nau´ essen warst!
    Auch wir, also ich und mein kleines Hamburger Team, waren dort letztens im Zuge einer Betriebstfeier und haben uns kulinarisch verwöhnen lassen. Die Portugiesische Küche ist grandios.
    Ich werde nun des Öfteren sowohl dort, als auch auf deinem Blog vorbei schauen.
    Mach weiter so!

    LG Matthias

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: