Klingeln beim König

Ein perfekter Tag in Den HaagEin perfekter Tag in Den Haag

Ein auf Sand gebautes Dorf mitten in den Dünen, das war Den Haag einmal. An einigen Stellen ist es heute noch sichtbar, wenn man aufmerksam durch die Straßen geht und jemanden zur Seite hat, der es weiß. Am gebogenen, den Dünen folgenden Verlauf mancher Straßen, etwa der Denneweg. Den Haag, Stadt am Meer, Sitz der niederländischen Regierung und des Königshauses. Wie sieht ein idealer Tag im Winter aus? Smalltalk mit dem King?

10 Uhr | Gehen wir es langsam an – mit einem Frühstück in meiner Lieblingsgegend rund um die Veenkade. Ich habe das „Baklust“ (Veenkade 19) ausgesucht, weil es Bio-Produkte verwendet und vegetarisch ausgerichtet ist. Eine Riesentasse Kaffee, ein leckeres Brot mit Spiegelei – kann losgehen!

11 Uhr | Meet the locals. Ich treffe Remco Dörr, denn er kann die besten Stories über die Stadt erzählen. Und er zeigt mir die ihre Besonderheiten. Remco kennt halb Den Haag, halb Den Haag kennt ihn. Wir klingeln beim König, kein Witz. Ein wenig warten müssen wir schon, lächeln blöde in die Überwachungskamera. Dann surrt es, die Tür geht auf, und wir sind mitten im Garten des Königs. Ein Teil ist nämlich öffentlich zugänglich. „Im Sommer kannst du hier picknicken oder einen Joint rauchen.“ Remco grinst. Der König sei übrigens gerade nicht an seinem Arbeitsplatz, sonst würde die Fahne wehen.

Remco Dörr klingelt beim König.

Remco Dörr klingelt beim König.

13 Uhr | Wissen macht Appetit, viel wissen noch mehr. Jedenfalls bin ich erneut an der Veenkade gelandet, dieses Mal Ecke Prinsestraat im „Van Prinse“. Mittags isst man eher was Kleines in den Niederlanden, was mir sympathisch ist. Ich wähle ein Brot mit einem Berg aus Salat und Käse. Köstlich! Dazu frisch gepressten Orangensaft.

14 Uhr | Den Haag zu Fuß oder mit dem Rad? Passt beides. Da ich später noch ans Meer möchte, leihe ich mir ein Rad bei „Lola bikes & coffee“ in der Noordeinde. Hier soll es auch den besten Kaffee der Stadt geben. Jedenfalls schmeckt er wirklich gut, und Besitzer Arthur ist immer empfänglich für Small- & Bigtalk.

Bei Lola

Bei Lola

15 Uhr | Das Mauritshuis muss einfach sein! Das Mädchen mit dem Perlenohrring! Natürlich habe ich mich ein wenig umgeschaut, es sind ja noch andere tolle Bilder im Museum am Plein 29: Rubens, die Holbein-Porträts. Aber dieses relativ kleine Bild von Vermeer überstrahlt alles. Fast wirkt es impressionistisch, wie mit einem Weichzeichner kreiert. Die Betonung liegt auf den Lichtreflexen. Die Lippen, wie mit Lipgloss überzogen, und der Perlenohrring reflektieren das Licht. Ich erfahre, dass es sich nicht um ein Porträtbild sondern ein „Tronie“ handelt. Hierbei wurde eine Frau eines bestimmten Typs gemalt. Jedenfalls wirkt das Bild ausgesprochen lebendig, fast als würde das Mädchen zum Betrachter sprechen.
Außerdem mag ich die Ansicht von Delft, ebenfalls von Jan Vermeer und ebenfalls seiner Zeit voraus. Die Technik ist außergewöhnlich für das 17. Jahrhundert, der Pinselduktus gut sichtbar. Delft liegt in der Nähe Den Haags, irgendwann muss ich dort einmal hin. Auch wenn sich seit den letzten Jahrhunderten einiges geändert hat, bedanke ich mich im Stillen beim Maler für den Tipp.

Panorama Mesdag

Panorama Mesdag

16 Uhr | Wenn’s Sommer wäre, hätte ich jetzt im Park des Königs gepicknickt. Aber dazu ist es leider noch zu frisch. Ich möchte mit dem Rad ans Meer fahren, nach Scheveningen. Auf meinem Weg an der Zeestraat 65 liegt das Panorama Mesdag. Eigentlich habe ich nicht so viel für Panoramen übrig, doch Remco hatte mir dieses ans Herz gelegt. Es zeigt nämlich Scheveningen im 19. Jahrhundert, als es noch ein Fischerdorf war. Ein toller Vergleich, wenn man gleich danach das heutige Scheveningen besucht!

17 Uhr | Mit dem Rad geht’s durch die Scheveningse Bosjes (Wäldchen) zum Strand von Den Haag called Scheveningen. Dauer: etwa 15 bis 20 Minuten. Endloser Spaziergang an der Wasserkante. Das Meer ist bewegt, der Wind fegt über den Sand, die Surfer freuen sich, und ich mich auch. Es gibt kaum etwas Besseres, als stundenlang am Meer entlang zu laufen. Außer darin schwimmen, im Sommer. In der Nebensaison dürfen die Hunde frei herumlaufen, und das klappt ganz wunderbar – selbst bei vollem Betrieb.

Scheveningen Strand

I’m walking…

19 Uhr | Nach so viel Meer hilft nur noch mehr Meer. Zuerst ein paar Austern, dann Spaghetti mit Muscheln neu interpretiert im „Catch by Simonis“ auf der Dr. Lelikade 43 im Hafen. Ich bin zwar völlig zerzaust, habe noch Sand an den Schuhen und falle unter den eher schicken Gästen etwas aus der Rolle. Doch es schmeckt ganz vorzüglich. Draußen schaukeln Kutter und Yachten gemütlich hin und her, Scharniere quietschen, es ist immer noch windig.

21 Uhr | Auf einen Absacker zurück ins Zentrum an die Veenkade 1 ins „Grapes & Olives“ – eine schlichte, kleine Weinbar mit mediterranem Touch. Im Sommer kann man draußen an der Gracht sitzen. Das 35plus-Publikum ist gemischt – vom Rockmusiker bis zum Schönling alles dabei. Die Stimmung: locker bis extrovertiert. Auch als Sologast fühle ich mich integriert, alle wirken gut gelaunt, hilfs- und gesprächsbereit.

Aber ganz Den Haag scheint gerne und oft zu Scherzen aufgelegt zu sein.

Flirting bikes

Flirting bikes

Nostalgie

Nostalgie

Am Mauritshuis

Am Mauritshuis

Im "Van Prinse"

Im „Van Prinse“

Alle Farben gehen.

Alle Farben gehen.

T1 am Kanal

T1 am Kanal

Klassisches Oma-/Opafiets

Klassisches Opa- & Omafiets

Hund allein am Strand

Hund allein am Strand

Muscheln

Muschelmauer

See you, Scheveningen & Den Haag!

Tot ziens, Scheveningen & Den Haag!

Text und Fotos: Elke Weiler

Das war mein idealer Tag im Winter, der quasi viele Anregungen für den Sommer beinhaltet – darunter das Picknick im Garten des Königs. Ich fürchte, ich muss noch einmal wiederkommen. Zumal ich etwas von Strandschlafhäusern gehört habe…

Einen herzlichen Dank an das Niederländische Büro für Tourismus und Den Haag Marketing, die diese Reise unterstützt haben.

12 Kommentare

  1. vielen dank für die anregungen. in zwei wochen geht es hin und ich freue mich jetzt schon total!
    herzliche grüße aus dem pott,
    kathy

    • Hi Kathy, danke für den Kommentar! Ich wünsche dir schöne Tage in Den Haag! Habe bei der Gelegenheit einen Blick auf deinen Blog geworfen – sehr schön! Liebe Grüße, Elke

  2. Toller Bericht und super Fotos! Wir sind in der kommenden Woche mit dem Boot dort in der Gegend und freuen uns schon darauf. Da kam dein Bericht als „Appetizer“ gerade recht 🙂 Mal sehen, ob wir ein Picknick im Park des Königs hinbekommmen.

  3. Schöner Artikel und hübsche Fotos, der uns auch schon auf unseren Sommerurlaub in Südholland Vorfreude macht. Vielleicht mit Picknick im Park des Königs.

    Wenn du die Bilder von Jan Vermeer magst, solltest du in der Tat Delft besuchen. Die Altstadt lässt die „Ansicht von Delft“ lebendig werden. Passt dieses Jahr sehr gut, denn Delft feiert das Vermeerjahr 2016. Im Museum Prinsenhof Delft ist seit Ende März bis Ende des Jahres auch das Werk „Het Straatje“ ausgestellt, eins seiner berühmtesten Bilder, dass sonst im Rijksmuseum Amsterdam hängt.

    • Danke für den Tipp! Das habe ich auch schon auf dem Schirm – klappt vielleicht im September!! 🙂

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