Bloggersonntage konnten ganz schön anstrengend sein. Vor allem, wenn du eine Kollegin wie Julchen hast. Die erste Kolumnistin von Meerblog war in ihrer Radikalität nämlich kaum zu überbieten.

Dabei begann alles ganz harmlos. Wir setzten uns in die Karre, die Sonne lachte, und ein hübsches Städtchen am Ostseefjord Schlei wartete auf uns. Nun sollte man sich diesen Fjord nicht wie eine spektakuläre Schlucht in Norwegen vorstellen.

Eher wie einen Fluss mit Seitenarmen, der eine Art Seenlandschaft ausbildet. Wasser galt im allgemeinen als cool, und ich mochte es auch, solange ich nicht reinfiel. Zudem kurvten diverse Boote dort herum. So eine Tour konnte sich manchmal wie ein Bier zuviel auswirken. Aber im Großen und Ganzen entspannte das Schaukeln auf dem Wasser ja.

Nun, wir blieben einfach mal downtown und ließen die Schlei links liegen. In den Gassen der Altstadt tummelten sich ’ne Menge relaxter People, die meine Kollegin gerne als Ferienlutscher bezeichnete. Man konnte sogar sagen, die Stimmung ging in Richtung Reggae.

Nicht schlecht, dieses Schleswig, meint Luis.

Warum Julchen diese good old babes alle abschlabbern wollte, wusste ich nun nicht. Musste eine typische Nasenzwicker-Eigenart sein. Aber ich blieb happy, solange sie mit ihrem Waschlappen nicht auf meine Nase zielte.

Umzingelt von Kuchen, Kaffee und neidischen Blicken fand ich mich wieder – der King of Cakes mitten auf der Piazza. Aber dieser Köter lugte schon über die Kante, und ich erwartete Hausfriedensbruch… Tatsächlich! Julchen versuchte zu entern.

No problem, als Innenverteidiger war ich ein As. Trotzdem fragte ich mich, ob man seitens der Chefetage solche Versuche nicht schon im Keim ersticken musste: Der Hund lernte ja sonst nicht einen Hauch von Tischmanieren. Me cago en la leche… ich wollte echt nicht spießig wirken.

Wir spazierten durch ein altes Fischerviertel, den Schleswiger Holm, der wohl mal eine Insel gewesen war. Und plötzlich kam diese Type auf uns zu, stellte sich als Fischer vor. Ein echtes Original, ein Popeye auf Norddeutsch, ein Kerl wie aus dem Bilderbuch.

Vergiss den Kuchen, Julchen!

Gerne hätte ich drei Takte mit dem urigen Knaben geredet. Doch was fixierte er sich auf den wandelnden Teppich? Ich muss jetzt mal ehrlich zugeben: Diesem Hund flogen die Herzen nur so zu. Hoher Glamourfaktor vermutlich. Ich hoffte nur, dass der Matten-Diva das nicht zu Kopf stieg. Ohnehin erschien sie mir zu kapriziös. Aber vielleicht war das gut für den Job?

Wir erreichten ein idyllisch gelegenes Kloster, schickstes Mittelalter. Ich mochte solche Gemäuer wirklich: Sie hatten so eine Art, Ewigkeit auszuatmen, madre mía! Am meisten liebte ich Kreuzgänge oder Gärten.

Zum Abhängen, ihr versteht mich schon. Da plätschterte nur ein bisschen Wasser, eine Hummel summte, ein paar Fliegen und Vögel, die drauf standen. Hier hätte ich noch ein Weilchen bleiben können, die ganzen Pflanzen studieren und meinen Plüsch daran reiben.

Sogar der Teppich wirkte jetzt tiefenentspannt – abgesehen von ein paar unpassenden Kräuterlamm-Witzen. Man wälzte sich vor lauter Übermut im Gras. Jedenfalls hoffte ich, dass es nicht wegen Parasiten oder so passierte.

Ein Klostergarten – himmliche Ruhe!

Fast war mir die Kollegin sympathisch. Fast! Das änderte sich schlagartig, als wir den Strand des Fischerviertels erreichten.

Eine Bucht konnte man das kaum nennen, eher eine Sandkuhle mit drei Gräsern. Aber die Schlei gefiel mir. Sie war leicht bewegt und grünlich heute. Während der Hund erst mal die Salzhaltigkeit des Gewässers testete, wartete ich auf meinen liebsten Einsatz.

Die Situation eskalierte, als ich friedlich posierte. Vor dem Beach. Für den Teppich scheinbar ein Schlüsselreiz. Die sogenannte Kollegin packte mich, legte mich im Sand ab und bearbeitete gezielt meinen Plüsch. Aufgrund ihres Sabbers blieb die Panade besonders gut haften.

Mein Styling ging in Richtung Robinson Crusoe. Plötzlich hing ich kopfüber in ihrer Sabberschnute, mir wurde schwindelig vor Augen, das Wasser kam näher und näher… Doch in der allerletzten Sekunde rettete mich die Chefin aus dem gierigen Maul des Monsters.

Mein Bedarf an Abenteuern war für diesen Sonntag gedeckt. Der Teppich ließ von mir ab, als wir über die Hafenpromenade zockelten; er fixierte sich auf Wikingerschiffe, Fischbrötchen und Eisbecher.

Was folgte, war ein entspannter Ritt auf einem Elefanten des Doms – nicht für die Kollegin natürlich. Was soll ich sagen? Es hat gewisse Vorteile, handlich, leicht und unkompliziert zu sein. Wenn man nicht gerade einer Verrückten in die Pfoten fällt.

My friends, stay tuned!

Demnächst werde ich euch über meine lässigen Fahrradtage in Kopenhagen berichten. Dort gibt es übrigens größere Elefanten als in Schleswig.

Euer

Luis Maria Fernando da Silva Santos

Fotos: Elke Weiler

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Luis Maria Fernando da Silva Santos

Das Rastaschaf gilt als sprachbegabter Lebenskünstler, der schon viel herumgekommen ist. Luis passt in jede Tasche und schmuggelt sich ohne Papiere durch Kontrollen. Manchmal begleitet er die Chefin auf Reisen und arbeitet als Beachblogger. Natürlich liebt er Reggae – insbesondere den von Bob. Zur Zeit ist er im Sabbatical, mal schauen wie lang noch...

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