Das pralle Dorfleben

Ein Hauch von Intimität – man grüßt sich in jenen kleinen Ortschaften Eiderstedts – egal, ob man sich kennt oder nicht. Gemächlich der Rhythmus, freundlich die Stimmung. Im Winter wirken jene nordfriesischen Dörfer ruhig bis verschlafen und bilden einen starken Gegensatz zu St. Peter-Ording in Saisonzeiten.

Doch Anfang Februar sind selbst im bekanntesten Ort der Halbinsel viele Geschäfte geschlossen. Nur am Wochenende kommen die Hamburger. Anders läuft das in einem Ort wie Oldenswort – mit seinen „echten“ Einwohnern. Ein Dorf mit en paar Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf. Mit einem beliebten Restaurant im Ortskern und einer Backstube ist Oldenswort vergleichsweise gut bestückt. Frische Brötchen für die flächenmäßig größte Gemeinde Eiderstedts.

Etwa 1.300 Einwohner leben in und um Oldenswort. Der bekannteste Hotspot der Gegend: Das sogenannte Herrenhaus Hoyerswort, ein zweiflügeliger Renaissancebau mit integriertem Café, Museum und gemütlichem Garten. Wer auf halber Strecke zwischen Husum und St. Peter in Ordenswort landet, findet nicht nur Bank, Blumengeschäft und SB-Laden. Sogar einen eigenen Metzger kann der Ort vorweisen. Und damit das alles Bestand hat, und der Ort für junge Familien attraktiv wird oder bleibt: Kita und Schule sind gleich ums Eck.

Gegenüber der alten Pankratiuskirche auf der Warft liegt das soziokulturelle Epizentrum von Oldenswort. In einem Backsteinhaus aus dem Jahre 1885, das noch Baumaterial des Vorgängers aus dem 17. Jahrhundert vorzuweisen hat. Beschlagen sind die großen Fenster in der kalten Jahreszeit meist: Dahinter tut sich einiges.

Eine Oldensworter Spezialität

Bürgermeisters Liebling

An zentraler Stelle hatte der Vorgängerbau im Stile der niederländischen Renaissance schon als Stallerschaftsgebäude und später als Brauerei gedient. Mit anderen Worten: Hier war immer was los. Heute ist das Haus auf der Dorfstraße 31 schlicht der „Treffpunkt“. Rechts die ortsgeschichtliche Sammlung: Wer sich mit Soziologie beschäftigt, ist gewiss irgendwann Dr. Ferdinand Tönnies über den Weg gelaufen, wenn auch nur virtuell. Hierzulande gilt er als Begründer des Fachbereichs.

Tönnies (1855- 1936) ist gebürtiger Oldensworter – Grund genug, ihm sowie der Schriftstellerin Thusnelda Kühl, dem Heimatforscher Carsten Wilhelm Kühl und regionalen Künstlern ein Podium bieten. In der linken Haushälfte wird‘s gemütlich: Ein nostalgisch und mit Liebe zum Detail eingerichtetes Café lädt zu Frühstück, Kaffee und Kuchen ein.

Seit Oktober letzten Jahres sorgt Karola Schulz für das leibliche Wohl der Gäste. Hier kennt man sich meist, und so fungiert das Café als Ort der Begegnung in der Gemeinde. Doch mal abgesehen von soviel Intimität ist auch genügend Platz für Husumer, Touristen aus St. Peter oder wen es auch immer nach Eiderstedt verschlägt. Ein Abstecher nach Oldenswort lohnt sich allein für „Bürgermeisters Liebling“: ein warmer Apfelkuchen mit viel Sahne, Eis und einer Nusssoße on top.

Friesenwaffeln mit Pflaumenmus? Bananen-Pannkoken? Wir fahren demnächst wieder zum Treffpunkt, denn wir haben längst noch nicht alles probiert. Den Schoko-Kirsch-Kuchen übrigens schon. Lecker.

Text und Fotos: Elke Weiler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: