Motorradtaxi Thailand

Bang Krachao, das grüne Bangkok

Es ist ein diesiger Tag, der Horizont wirkt fast schwarz, als wir über eine der großen Flussbrücken fahren. Nur der zarte Blaustreifen über uns macht mir Hoffnung.

Eigentlich ist Winter in Thailand, und wenn das Thermometer mal auf 22 Grad Celsius fällt, friert man schon. So meint jedenfalls Nok. Für mich sei das ja immer noch eine Traumtemperatur, denn in Deutschland wäre es bestimmt ziemlich kalt jetzt, oder? Ich nicke, doch die klimatisierte Luft in unserem Van ist eindeutig kälter zu Hause.

Auf der anderen Seite der Brücke kostet eine Zweizimmer-Wohnung 790.000 Baht, also gut über 20.000 Euro. Direkt an der Straße, über die sich morgens und nachmittags Massen an Pendlern in Zeitlupe schieben. All das wollen wir hinter uns lassen.

Phra Padaeng
Mit Fähre, Bus oder Taxi nach Bang Krachao

Wir sind auf dem Weg nach Phra Pradaeng, einer grünen Stadtinsel, herausgebildet aus einer Flussschleife und nur eine halbe Autostunde von der City entfernt. „Eigentlich sind wir Thai nicht sehr versessen auf einen Ausflug ins Grüne“, betont Nok, die jeden Tag eine neue Überraschung im Gepäck hat. Gestern sind wir durch die Khlongs gedüst.

Heute zieht es uns ins Grüne, und entgegen Noks Behauptung erfreut sich diese Halbinsel zunehmender Beliebtheit. Das Ziel der Wochenendbesucher heißt vor allem: Bangkok Tree House. Dort wollen wir auch hin, allerdings geht es mit dem Auto irgendwann nicht weiter. Nok fackelt nicht lange und organisiert zwei Motorradtaxis für uns – eine beliebte thailändische Fortbewegungsart.

Motorradtaxi in Bangkok
Das erste Mal auf dem Motorradtaxi

Auch in der brodelnden City verschafft man sich damit gewisse Vorteile, drängen sich die Leichtkrafträder doch geschickt in sämtliche Lücken der Blechlawine. Und wer hockt graziös im Damensitz auf dem hinteren Platz? Die Beifahrerin. Flipflops, nackte Beine, Kleidchen und möglichst noch auf dem Handy tippend.

Manchmal tragen die Taxifahrer sogar Helme und bieten auch dem Passagier einen an. Hier auf Bang Krachao, wie die Halbinsel offiziell heißt, macht sich allerdings südliche Lässigkeit breit. Verkehr gibt es nur auf wenigen Straßen, die Wege zum Tree House hingegen sind schmal und ruhig.

Bang Krachao
Oder doch lieber mit dem Rad?

Betonstege, besser gesagt. Etwa anderthalb Meter breit, ringsherum eine Art Sumpfgebiet. Einmal schlüpft gerade vor uns ein Waran heraus, verschwindet aber sogleich wieder, als er das Elend in Form von Knattermaschinen auf sich zukommen sieht. Für uns ist es eher ein Schreckmoment, als uns fast ein Pekinese zwischen die Räder läuft.

Doch die Fahrer mit den gelben Westen scheinen alles im Griff zu haben. Hält man sich eigentlich fest, so wie früher, als Klammeraffe? Ich lege einfach mal locker eine Hand auf die rechte Schulter der Fahrers, und er zuckt nicht zusammen. Doch ich bin die Einzige mit Sicherheitsbedürfnis. Nok fährt zeitweise im Damensitz, was zu erwarten war.

Haus auf Stelzen, Thailand
Rundherum Sumpf

Dann finde ich die Halterung hinten meinem Rücken und kann mich bequem festkrallen, ohne dass es groß auffällt. Etwas mulmig ist mir schon. Der Sumpf wirkt nicht sonderlich badetauglich. Außerdem sind immer wieder Hindernisse auf dem schmalen Pfad. Eine Fußgängerin! Sie lehnt sich, so weit sie kann, gegen die einzige Brüstung auf der linken Seite. Doch da, eine Leiter! Und ein lästiger Kabelsalat, der ein paar Arbeitern gehört. Step by step kommen wir voran. Einen Schritt für jede Sprosse.

Das größte Hindernis stellt sich als wilde Horde von Radfahrern dar. Wild im Sinne von freifahrend, wenn auch ordentlich behelmt. Radfahren ist übrigens die Lieblingsbeschäftigung auf Bang Krachao, wenn man nicht einfach nur chillen will. Die Radler steigen artig ab und drücken sich ebenso brav an die Brüstung, damit die Motorradhelden lustig weiter düsen können. Alles im Lot, wir sind fast da.

Hund schläft
Chillen im Tree House

Freundlich wedelnde Hunde begrüßen uns beim Tree House. Wir trinken frisch gepressten Ananassaft und genießen das Ambiente. Mein Blick fällt auf den Fluss, Industrie am anderen Ufer, die Hochhäuser Bangkoks in der Ferne, Tempel und eine Raffinerie. Die typische Mischung der Metropole, allein die Geräusche fehlen in dieser Oase der Stille.

Vor uns ein mangrovenähnlicher Baum, der in die Höhe wächst. „Abends ist er voller Gluwumchen“, meint Nok, wobei ich „Glühwürmchen“ nicht direkt identifiziere. Verflixte Umlaute! Aber schön. Glühwürmchen. Und Nipapalmen, die aus dem Wasser wachsen. „Sie halten die Erde zusammen und tragen essbare Früchte“, weiß Nok.

Unterm Glühwürmchen-Baum
Unterm Glühwürmchen-Baum

Und als reichte das ganze Grün rundherum noch nicht, haben die Macher der Lodge vertikale Gärten angelegt. Sie halten nicht nur die Räume kühl, sondern versorgen die Küche auch mit frischem Gemüse.

Bambusrohre hängen dekorativ an der Decke oder nutzen als Gardinen, und auf den Dächern der Baumhütten stehen Sonnenliegen. Und dann schiebt sich beim Glühwürmchen-Baum plötzlich ein dickes Containerschiff vorbei.

Im Tree House
Im Tree House

Wir wollen uns noch ein wenig auf der Insel umschauen und setzen unsere Motorradtour fort. Bang Krachao scheint voller Möglichkeiten zu stecken. Unter anderem existiert the „House of Aromatic Joss Stick“ – eine kleine Schule, in der man Räucherstäbchen aus den Materialien der Natur herzustellen lernt. Auf thailändische Art kochen. Oder mal batiken. Fürs Karma.

Für ein quadratisches Stückchen Probestoff braucht es etwa eine halbe Stunde. Wer sich dann firm fühlt, kann sich auch an ein T-Shirt oder eine Decke wagen. Das psychodelische Muster in knalligen Farben erinnert mich an meine Teenagerzeiten, die von David Bowie, indischen Blusen und Überdosen aromatisierten Tees geprägt waren.

Batiken fürs Karma
Batiken fürs Karma

Kanyaporn Neonsaart hängt mir zum Abschied eine kleine Strandtasche um – selfmade, versteht sich, und zwar von der Meisterin höchstpersönlich! Ich bin gerührt. Jetzt brauche ich nur noch einen Strand. Ein Stückchen weiter finden wir einen Massagetempel, der uns etwas Besonderes bietet: die Behandlung mit Wärmekissen.

Aus diversen Materialien wie Bohnen oder Reis sind die Kissen gefüllt, und Siriporn Pulsuk klärt mich über die Wirkung auf. Eine einstündige Behandlung kostet 300 Baht, es ist eine Kombination aus Massage und Wärme. Kaum sind wir im Raum, haben die Frauen schon sämtliche Kissen und Hello-Kitty-bezogene Matratzen vorbereitet.

Räucherstäbchen
Massage oder Bastelspaß?

Eines duftet nach Eukalyptus, und das soll beim Meditieren helfen. Ich probiere die Wärmebehandlung für etwa zehn Minuten, merke aber schon, wie gut es dem Körper tut. Überhaupt strahlt die Sonne, als wir weiter über die Halbinsel düsen, und ich werde mit jedem Meter lockerer, dort auf dem Rücksitz. Aber es ist an der Zeit, die Oase zu verlassen.

Bangkoks Tempel warten.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Thailand Tourismus, die diese Reise ermöglicht haben.

  1. So ein schöner Ort! Das Tree House sieht fabelhaft aus, fast „stylish“ mit den Kuben auf Stelzen und der Dekoration aus Bambusstangen. Von Nipapalmen habe ich noch nie gehört: Aus dem Wasser wachsend? Das muss ich gleich einmal googeln : ) Hab einen schönen Tag, Jutta

    • Ja, nicht wahr? Genauso ging es mir auch mit dem Wasserspinat (siehe Khlongs-Artikel). Und das Tree House ist um Eco-Features bemüht, viel mehr noch als um Style. Dir schon mal ein schönes Wochenende, liebe Jutta!

  2. Ich bin immer fasziniert von den fernöstlichen ländern, weil es dort einfach komplett anders ist, als hier.. das ist interessant, schockierend und macht mich gleichzeitig unheimlich neugiereig! schöner beitrag 😉
    Grüße aud dem hotel weinmesser 😀

    • Danke, Claudia! Du hast sicher recht, so eine Reise erfordert Flexibilität. Wobei mir als Antrieb die Neugierde, bzw. die Faszination des Exotischen, auch immer reicht, um mich auf etwas Anderes einstellen zu können. Grüße von der Nordsee! 😉

  3. Dienstag bin ich auch endlich wieder da! kann es kaum erwarten! Bzw in 2 Wochen hab ich mir dann 3 Tage für Bkk genommen! Nach fast 5 Jahren wird es Zeit mal wieder dorthin zurückzukehren! 🙂

    Tolle Bilder . Jetzt kann ich es bis Dienstag kaum noch aushalten!

  4. Das sieht ja super aus! Toll, einmal eine ganz andere Seite von Bangkok kennenzulernen. Ich muss mir Phra Pradaeng für meinen nächsten Besuch unbedingt merken. Danke, für deinen tollen Beitrag und die etwas andere Sicht.

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  8. Yeahh du hast das Tree house auch entdeckt!! Ein ganz grossartiges Hotel in Bangkok. Liebe Grüsse Britta

  9. Awesome, Bang Krachao was an amazing place well worth exploring in Bangkok! Great photos, and nice review!

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