Kuchen am Kanal

„Diese Landschaft, so lieblich“, schwärmt Birgit Stotz vom Geestrücken Schleswig-Holsteins. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann das Café „Alte Scheune“ am Nord-Ostsee-Kanal. Nie hätte sie gedacht, dass sie eines Tages wieder in dieser Gegend landen würde. Auch wenn es ringsherum so hübsch ist.

Ihr Mann stammt aus dem nahen Breiholz, sie selbst aus dem ebenfalls nicht weit entfernten Hanerau-Hademarschen. Auf der Suche nach einem passenden Grundstück geriet ein heruntergekommener Kuhstall in ihr Visier.

Ganz nah am Kanal. Eine Traumlage also. Doch eine Baugenehmigung zu bekommen, mitten in der Landschaft? Im Meckelmoor – mitten im Naturschutzgebiet? Ehemann Thomas Thede entdeckte den rettenden Strohhalm auf einer vergilbten Schwarz-Weiß-Fotografie.

Als der Stall mit dem ungewöhnlichen Mansarddach noch nicht Ruine war, wohnte vermutlich ein Knecht darin. Denn auf dem alten Foto ist ein Kamin zu sehen. Ein winziges Detail, das ihnen für die neue Nutzung ein ausschlaggebendes Argument in die Hand gab. Ohne das es die „Alte Scheune“ als beliebtes Ausflugslokal heute nicht geben würde.

Architektur
Mehr als ein ehemaliger Kuhstall

Das anerkannte Kulturdenkmal konnte als vorhandener Wohnraum wiederaufbereitet werden. Das bedeutete aber auch, den Denkmalschutz zu beachten, spezielle Dachpfannen im ganzen Land zu sammeln, acht Klöntüren einzubauen und auf die traditionelle Art gebrannte Ziegel zu verwenden.

Sogar Kreuzfahrgäste kommen

Noch 1999 war das landschaftsprägende Gebäude eine Ruine. Ein Jahr später konnte die Familie einziehen und ihre erste Ferienwohnung am Kanal eröffnen. Seit 2003 hat sich das Paar einen Namen gemacht mit seinem hübschen Café. Selbst von den vorbeiziehenden Kreuzfahrtschiffen kommt Zulauf. Nach der Schiffsreise, irgendwann. Der verlockende Ausblick wirkt nach.

Bekannter als das nächste Dorf Breiholz ist man geworden, nach dem immerhin der hiesige Fährübergang benannt ist. Dabei kommen die Leute nicht nur wegen der imposanten Schiffe hierher, die den Kanal zwischen Brunsbüttel und Kiel befahren. Gewiefte Kaffeetrinker wissen, dass es hier auch gut schmeckt.

Paradiesischer Paradieskuchen
Paradiesischer Paradieskuchen

Die meisten kommen aus der Umgebung, etwa aus Rendsburg, um frische Landluft zu schnuppern. Aber es gibt sogar Gäste aus Hamburg oder Flensburg, die eine Tagestour ins Meckelmoor unternehmen. Zum Beispiel, um ein Stück des berühmten Paradieskuchens mit locker-duftigen Cremes und Pflaumen zu vernaschen. Selbst bei Sommersonnenwetter nicht zu schwer.

Alles wird mit Aufmerksamkeit und Liebe zum Detail serviert – selbst wenn der Laden voll ist. Was in der Hochsaison nicht selten vorkommt, da man sich in der Gegend eben einen Namen gemacht hat.

Ostenauer Pfifferlingspfanne

Inzwischen bietet Birgit Stotz nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern nebenan im Bistro „Kombüse“ auch Mittags- und Abendgerichte an – und das nicht nur für die Gäste des angeschlossenen „Landhotel Ahoi“. Dazu hat sie den versierten Koch Franz-Lorenz Heck an Land gezogen.

Regional und frisch
Regional und frisch

Der Schwerpunkt liegt auf regionaler Küche mit den Zutaten der Saison. „Bio ist kein Muss“, meint die Inhaberin, „Doch auf gute Qualität und Herkunft der Zutaten legen wir großen Wert.“

Ein paar Beispiele aus der Kombüse: Ostenauer Pfifferlingspfanne mit Lauch in Sahnesauce und Weißbrot. Oder gebratenes Zanderfilet mit Meerrettichsoße, Kartoffelgratin und gebackenen Gemüsechips. Sowie Meckelmoorschnitzel nach Art des Chefs mit Speck-Bratkartoffeln und gebratenen Champignons.

Aber auch Kleinigkeiten sind möglich, darunter hausgemachtes Sauerfleisch oder Folienkartoffeln, etwa mit Nordseekrabben. Alles aufwendig dekoriert, denn das Auge isst ja bekanntlich mit.

Die Inhaberin betont, wie wichtig ihr ein gutes Arbeitsklima ist: „Die Leute sollen sich hier auch wohlfühlen.“ Denn die daraus resultierende Freundlichkeit im Service, die sei neben der Qualität einfach ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Gut.

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke an das Landhotel „Ahoi“ für die Einladung zur Übernachtung am Kanal.

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  2. Christa Kibbert

    Ich habe meiner Freundin von Ihrem scönen Cafe vorgeschwärmt. Nun kommt sie mich am 22.9. für 3 Tage aus Hessen besuchen und wir würden gerne bei Ihnen einkehren. Wie sind Ihre Öffnungszeiten? Über eine Antwort würde ich mich freuen.

  3. Liebe Frau Kibbert,

    das Café ist in der Tat sehr schön, gehört aber nicht mir. Ich habe es lediglich besucht und den Kuchen genossen. Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier: http://www.ahoi-hotel.de/altescheune.html
    Herzliche Grüße, Elke Weiler

  4. Schon 4 mal habe ich die Scheune besucht zuletzt mit Gästen aus Canada extra sind wir aus Dänemark Fredericia hingefahren
    Kann ich nur alle empfehlen
    Bianka Schmidt-Nissen

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