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Ein Hoch auf das Rind

Noch bevor wir das Dorf erreichen, sehen wir eines der zotteligen Biester. Was für ein Synthese von Landschaft, Tier und Hütten: Die Hochlandrinder sind wie geschaffen für Haithabu.

Im Hintergrund plätschern die Wasser des Haddebyer Noor still vor sich hin, die Schlei ist nicht weit und verbündet sich irgendwann mit der Ostsee.

Im Vordergrund ein paar reetgedeckte Lehm- und Holzhütten, aufgrund der Funde vor Ort orginalgetreu rekonsturiert. Saftgrüne Weiden, urige Hochlandrinder.

Jetzt fehlte nur noch das ein oder andere Wikingerschiff im Hafen, und wir würden uns fragen, ob ein Zeitsprung zurück ins Mittelalter möglich geworden ist.

Fast wie damals.

Haithabu lebt! Ok, damals, im 9.- 11. Jahrhundert, gab es am Haddebyer Noor ein paar Häuser mehr. Haithabu, das von einem halbkreisförmigen Wall geschützt war, hatte zu seiner Hochzeit im 10. Jahrhundert mindestens 1500 Einwohner, die sich zwischen Wasser und Wall tummelten.

Mit anderen Worten: Im größten nordeuropäischen frühstädtischen Handelszentrum Haithabu tobte der Bär. Und heute die Rinder.

Allerdings liegt man heute eher im Schatten oder grast betont gemütlich in kleinen Grüppchen. Vom Wikinger Museum bis zu den Häusern der archäologischen Stätte Haithabu sind wir ein Stück durch den Wald gelaufen, dann über einen Teil des Halbkreiswalles der Wikinger, weiter einen Weg die Wiesen entlang.

Gemütlichkeit siegt.

Über einen Kilometer geht die Strecke. Und vor den Rindviechern haben wir Skudden getroffen, eine alte Schafsrasse, die vom Aussterben bedroht ist. Genau wie die robusten Hochlandrinder gelten Skudden als anspruchslose Landschaftspfleger, denen auch nordisches Schietwetter nicht viel ausmacht.

Bei Regen und im Winter kommt man mit einem Unterstand aus. Die urig aussehenden Hochlandrinder mit ihren rotbraunen Zottelhaaren und langen Hörnern kann man sich gut in einem echten Wikingerdorf vorstellen, damals im Mittelalter.

Als hätten die Nordmänner sich hier inspirieren lassen, was die typische Kopfbedeckung betrifft. Das Sympathischste an den Highlandern aber scheint ihre Gemütlichkeit zu sein. Diese Tiere sind durch nichts und niemanden aus der Ruhe zu bringen.

Historisches Boot?

Selbst wenn der Bundespräsident in Haithabu erwartet und die ganze Touristenstrecke von entsprechendem Wachpersonal abgesichert wird. Die Rinder, die einst aus dem Norden Schottlands kamen, haben vor allem eins im Kopf: Grasen, was das Zeug hält.

Bloß keine Hektik. Und egal, welches Wetter. Die Frisur sitzt!

Text und Foto: Elke Weiler

7 Gedanken zu „Ein Hoch auf das Rind“

    1. Hi Jörg,

      ja, Schloss Gottorf zum Beispiel. Ein Abstecher nach Schleswig lohnt sich auch. Oder Natur plus Sport: Nordic Walking oder Radeln am Ostseefjord Schlei.

  1. Das Wikingermuseum dort, sowie die gesamte Gegend ist wirklich eine Reise Wert, da muss ich dir voll und ganz zustimmen. Und die Rinder sind wirklich sehr lustig anzusehen, die Ruhe die diese Tiere ausstrahlen ist nahezu ansteckend!

    1. Ich find‘ diese Urviecher ja auch jedes Mal wieder faszinierend. :-)

      Außerdem fand ich den Brüggemann-Altar im Schleswiger Dom beeindruckend. Dazu steht noch ein Beitrag an…

  2. Pingback: Das Reetdach | Aus der Meerblog-Reihe: "Typisch Nordfriesland"

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