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Landleben und dicke Pötte

Die Farben Grün und Gelb ziehen sich durch den Ort. Das Landhotel Ahoi – es wirkt fast mediterran. Aber weit gefehlt. Das zweigeschossige, zitronengelbe Holzhaus ist nämlich strategisch günstig am Nord-Ostsee-Kanal platziert und liegt inmitten des Eider-Treene-Sorge-Gebiets – der größten zusammenhängenden Flusslandschaft Schleswig-Holsteins.

Hier zeigt sich der schleswig-holsteinische Geestrücken von seiner ausgeruhten Seite: Rinder grasen auf den Weiden, umgeben von einer sanft gewellten Landschaft. Vögeln zwitschern in der Morgenruhe, unterbrochen nur vom gleichmäßigen Tuckern eines vorbeiziehenden Schiffs.

Vor dem hoteleigenen Restaurant „Kombüse“ türmt sich der Mais meterhoch. Wie gut, dass die Verglasung zu zwei Seiten das Gefühl bestärkt, mitten in der Natur zu sein.

Maisblick in der Kombüse
Maisblick

Birgit Stotz empfiehlt ihren Gästen, nicht nur auf den Kanal zu schauen, sondern auch das liebliche Land hinterm Haus per Rad oder zu Fuß zu erkunden. „Es ist diese Ruhe“, meint die Hotelbesitzerin zu den Qualitäten der Lage. „Viele der Gäste sagen: Ich habe selten so gut geschlafen.“

Mit Klappstuhl und Fernglas

Natürlich kommen die Besucher in dem vor gut einem Jahr eröffneten Landhotel vornehmlich wegen der Nähe zum Kanal. Man möchte den großen Pötten zuschauen, diesen Gegensatz zwischen Landleben und Weltläufigkeit erfahren.

Dazu hockt man sich gemütlich mit Klappstuhl und Fernglas ans Ufer. Mitunter stundenlang. Beide Utensilien stellen die Hoteliers übrigens gerne zur Verfügung.

Schiffe gucken
Schiffe gucken

Als besonderes Highlight gilt die Passage eines der bekannten Kreuzfahrtschiffe. Während der Saison passiert das recht häufig, alle paar Tage, manchmal zeigen sich sogar zwei Traumschiffe am selben Tag.

Für die genauen Zeiten von Abfahrt und Ankunft in Brunsbüttel und Kiel gibt es Pläne, so dass man sich die Passage in der Mitte des Kanals, hier bei Breiholz, ungefähr ausrechnen kann. „Abends, in der vollen Lichterpracht, ist das besonders schön“, meint Ehemann Thomas Thede.

Familiäre Atmosphäre

Ja, und hören tut man die Schiffe natürlich auch. Ab und an im apfelgrünen Zimmer oder Bad. Oder im landschaftsintegrierten Restaurant, wo ich zum Überfall auf das Frühstücksbüffet antrete. Bei Sonnenschein und entsprechenden Temperaturen zieht es die meisten natürlich an die Tische nach draußen.

Sommerfarben
Sommerfarben

Ebenso abends zum Dinner. Eine familiäre Atmosphäre entsteht, wie sie nur bei solch kleinen Hotels möglich ist. Ich unterhalte mich ein bisschen mit den Tischnachbarn, wir tauschen uns über die Fahrraderlebnisse entlang des Kanals aus, geben uns Tipps.

Während plötzlich quasi vor der Nase eine Schiffbrücke meterhoch über die Uferböschung herausragt. Und sich langsam wie durch Geisterhand weiterbewegt. Tut tuuut! Der Name Ahoi passt wirklich ausgezeichnet zum Landhotel.

Rings ums Limonenhaus fläzen sich die Leute in den Strandkörben. Erst mal ein bisschen lesen nach dem Frühstück, bloß keine Hektik. Später erst starten die meisten, entweder mit dem eigenen oder im Hotel geliehenen Fahrrad.

Kanal oder Hinterland?
Kanal oder Hinterland?

Oder mit dem Auto: Da gibt es nämlich auch Städte wie das etwa zwanzig Kilometer entfernte Rendsburg mit seinem Weltkulturerbe – eine der acht weltweit noch erhaltenen Schwebefähren.

Was ich leider dieses Mal nicht schaffe, gerne aber beim nächsten NOK-Besuch mal austesten würde, ist eine Kanutour auf der nahen Eider oder im Moorgebiet. Birgit Stotz hat ziemlich davon geschwärmt.

Zeit für ein Stück Kuchen muss aber sein, und das Café „Alte Scheune“ findet sich praktischerweise gleich nebenan. Familie Stotz-Thede ist stolz auf ihre Kreationen, denn Fans guter Torten kommen sogar aus Hamburg in den denkmalgeschützten Hof am Kanal.

Ich sage nur noch eins: der Paradieskuchen!

Text und Fotos: Elke Weiler

Update am 22.11.2019: Im „Landhotel Ahoi“ hat ein Besitzerwechsel stattgefunden. Es heißt nun Hotel Fauna und gehört zu den Bio-Hotels.

Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Pingback:Café "Alte Scheune" am Nord-Ostsee-Kanal | Ein Meerblog-Tipp

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