Meerblog » Mette muss mit

Mette muss mit

  • von

Ich schlief Rücken an Rücken mit Mette und träumte von einem endlosen Sandstrand, Meeresrauschen und reizenden Lutschern. Ich träumte von Dänemark. Leider waren wir schon wieder zu Hause, jede Reise hatte diesen einen großen Nachteil: Sie war zu kurz.

Nun schleppte ich Mette in den Garten, sie sollte nordfriesische Luft schnuppern und mir sagen, wo der Unterschied zur dänischen lag. Mette wusste es nicht. Sie war uns in Søndervig zugelaufen, und verbat sich jegliche Witze wegen Mettbrötchen und so.

Das Schweinchen in Quietschrosa wirkte höchst patent, und so schlossen wir sie direkt in unsere Herzen. Janni spielte besonders gerne mit ihr, weil er es mochte, an ihrem Ringelschwanz zu zupfen. So viel zur Perversität von Pummelschweinen. Ich ließ ihn ausnahmsweise gewähren, da es Schlimmeres gab, und Mette sich nicht beschwerte.

Janni mag Mette.

Ohnehin hatte ich alle Pfoten voll zu tun, wenn wir am Strand herumliefen, und der Dicke sich daneben benahm. Was leider – trotz verschärfter Erziehungsmaßnahmen – immer noch vorkam. Vor allem einzelnen Spazierlutschern gegenüber zeigte Janni keine Kulanz.

„Alle suspekt“, verteidigte er sich. „Ackergülle“, entgegnete ich und briet ihm eins über. Himmelschafundmeer, dieses dämliche Rüdengehabe! Manchmal hatte ich wirklich die Faxen dicke: Der Typ, der mit mir Blechhöhle und Hütte teilte, benahm sich immer noch wie ein Welpe.

Dabei wurde er in ein paar Monaten schon zwei. Und bei jeder Gelegenheit baggerte er mich an. Schon morgens beim Begrüßungszeremoniell mit Madame biss er mir in die Plüschbacken. Was mir dermaßen auf die Nougatnase ging! Wollte ich doch erst mal meiner liebsten Madame ein Morgenbussi aufschmatzen.

Dänemark

Queen of Schaumpfote

Wenn wir am Strand waren, machte der Kerl mich weniger nervös. Ich mochte ihn sogar. Janni hoppelte wie ein Nilpferd auf Urlaub durch die Prärie, Monsieur hatte ihn damals schon „Happy Hippo“ getauft.

Natürlich wollte Janni mir immer alles nachtun und machte dabei oft eine unglückliche Figur: Bruchlandung bei der Dünenpistenabfahrt. Der Brüller. Janni konnte einfach kein Strandhase sein. Aber flink wie ein Wiesel war er geworden, wunderte ich mich, wenn wir „Jag-mich-du-Schwein-oder-ich-jag-dich!“ spielten.

Janni bestand auf seine tägliche Shiatsu-Massage, pfotenpersönlich von mir ausgeführt, seiner Lieblings-Osteopathin. Dazu ließ er sich auch mal freiwillig in den Sand fallen. Er wälzte sich selten, dabei riet ihm meine Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie dringend, mehr zu buddeln und sich effektiv zu panieren. Das machte gesund und glücklich.

Doch Janni buddelte lieber die Mauselöcher rund um unsere Hütte zu Hause frei, wodurch selbige vermutlich irgendwann in Schieflage geriet. In Søndervig hatte er andere Dinge in seinem dicken Kopf. Fressen vor allem. Der Tisch war niedriger, was das Pummelschwein dazu ermunterte, seine Nase ins Essen von Madame et Monsieur zu stecken, wenn sie mal eine Sekunde nicht guckten.

Bei diesen Dingen mischte ich mich selten ein, ich motzte Janni höchstens mal lautstark an. Irgendwie fühlte ich mich verantwortlich. Zum Glück entspannte ich mich, sobald wir über die Dünen kletterte. Es war die reinste Wonne, ständig dort zu sein. Am zweiten Tag sogar bei Regen und Windgetöse.

Wir kannten das ja von zu Hause! In Søndervig wurden wir zu Schatzsuchern, beziehungsweise -findern. Zunächst entdeckte ich einen Strohballen – ein Hammerteil! Welcher Feldlutscher fabrizierte solche Größen? Jannis Nase täuschte ihn selten, und er meinte, das Ding wäre auf keinen Fall aus Nordfriesland. Eher eine Spezialität der Region.

Dänemark

Was machen die da wieder?

Interessant waren auch die Fischernetze und Seile. Es gab leere Flaschenpost, leider nur Plastik. Janni verliebte sich in einen dieser apfelsinenfarbenen Fischerhandschuhe und wollte ihn mitnehmen. Monsieur sprach sich dagegen aus.

Und dann lagen massenweise graue Klötze am Strand, die steinschwer wirkten. Madame nannte sie Bunker. Allerdings wären sie nicht von Frau Sturmflut angeschleppt worden, sondern von verkorksten Nichtlutschern. Vor vielen Monden schon.

Man konnte sich prima rundherum jagen, drauf- und hineinklettern. Janni wollte sie zunächst alle markieren, teilweise mehrfach und nach Typus listen. Höhere Archäologie also. Da lief ich lieber durch den weißen Schaum, den das Meer hier fabrizierte.

Man konnte prima seine Pfoten darin baden und sich damit schmücken. Doch Janni irritierten die weiße Schaumkronen, die sich aus der Masse lösten und über den Sand tanzten. Es war zum Kugeln, wenn er mit wissenschaftlichem Eifer versuchte, ihre Konsistenz zu checken.

Spätestens dann vergaß ich meinen ganzen Stress mit ihm, wälzte mich im Sand und genoss das Leben. Wenn ich mein Rudel doch nur zu einem Umzug bewegen könnte! Schon im Sommer hatte ich die Zeit im benachbarten Hvide Sande extrem genossen.

Winter in DK

Soll ich da mal ein bisschen Ordnung hineinbringen?

Weil wir ständig in den Dünen und am Strand waren, kamen wir nie dazu, die nahegelegenen Hundewälder zu testen. Die Dänenlutscher waren pfiffig, sie hatten immer ein Ass im Ärmel und ein Leckerli in der Hand.

Gut, dass wenigstens Mette bei uns war und uns die Zeit bis zum nächsten Urlaub verkürzte.

Text: Julchen (nach Diktat mit Mette in die Blechhöhle gehüpft. Sie sollte den Deich kennenlernen, der zur Zeit frei von den Anhängern der schäflichen Occupybewegung war.)

Fotos: Elke Weiler

11 Gedanken zu „Mette muss mit“

  1. Liebes Julchen,
    auch wenn wir mal gemeinsam in einem Bauch gewohnt haben, so finde ich, Du solltest ein bisschen weniger auf Janni rumhacken – Pummelschwein, Jag-mich-du-Schwein-oder-ich-jag-dich – das tut dem Bärchen auch weh. Nicht jeder kann so leichtfüßig wie Du über die Dünen flitzen – das habe ja nicht mal ich geschafft und ich kann auch ganz schön flink sein :)
    Also vertragt Euch und genießt einfach dass Ihr zu zweit seid und damit immer ein stabiles Gegengewicht zu Madame und Monsieur darstellt. Sobald einer der Lutscher fehlt, habt Ihr sogar die Mehrheit :) ICh weiß, wovon ich spreche – wenn meine Madame nicht da ist, wickeln wir Onkel Jörg schon um den Finger …
    Ich hoffe, wir können bald mal wieder auf dem Deich oder in St. Buddel um die Wette rennen (ich habe trainiert)
    Bis dahin ein zärtliches geschwisterliches Öhrchenschleck,
    Dein Bruder Mogli

    1. Danke, Mogli!
      Ganz ehrlich: Da hätte ich gar nicht mit gerechnet, dass ausgerechnet du mich so in Schutz nimmst… :-)
      Ich will deiner Schwester auch gar keine Sorgen machen, echt!
      Aber manche Sachen gehen einfach nicht. Manchmal muss ein Mann tun, was er tun muss.

      Wie siehst du das, Mogli?

  2. Hach, liebes Bruderherz,

    das ist wahre Solidarität unter Männern!

    Sieht denn keiner, wie ich mich abmühe? Damit Madame et Monsieur es leichter haben? Damit sie sich mit anderen Lutschern unterhalten können, auch wenn der Dicke dabei ist?

    Alles in der Hoffnung, dass ein süßes Bärchen aus ihm wird! (Und kein wildgewordener Feger ;-) )

    Bussi,

    Julchen

    P.S.: Und wenn ihr kommt, freuen wir uns! Ich jedenfalls sehr. Jannimann hatte ja leichte Probleme… ;-)

  3. Pingback: Foodblogger Janni – ein Leben als Chief Security Officer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.