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Dschungel der Gefühle

Ich entschied mich für Orange. Es war die Farbe der Sonne, und ich hatte ein passendes Geschmeide dazu im Korb gefunden. So ein schickes aus Spanien.

Monsieur kam frisch vom Friseur, auch Madame war bereits dort gewesen. Derart gestylt und aufgehübscht düsten wir Richtung Hummelwiese. Wozu um das Ganze so ein Aufhebens gemacht wurde, kapierte ich allerdings nicht wirklich.

Trotzdem freute ich mich. Die Hummeln bereiteten uns wie immer einen gebührenden Empfang, das Königspaar schloß mich in seine liebevollen Arme, und das Wetter war bombig für wilde Gartenspiele.

Der kleine Pupser stand wohl in den Startlöchern. Schon Tage zuvor hatte er die Koffer gepackt und konnte es kaum erwarten. Aber was? Langsam wurde er kirre und zwickte die kleinen Braunweißen.

Als wir anrückten, guckten sie uns alle mit großen Augen an: Janni und seine Entourage. Ich hatte den Eindruck, dass alle fünf sehr viel erwarteten. Zu viel.

Janni und seine Entourage standen schon in den Startlöchern

Doch es wurde ein netter Nachmittag im guten alten Geburtshaus. Ich hummelte mit den Langhaarigen herum, während Madame et Monsieur einiges mit Königinmutti zu bequatschen hatten. Später gesellten sich meine Wenigkeit und auch der kleine Pupser dazu. Da er mich stets gebührend anhimmelte, gönnte ich ihm eine Begrüßung. Aber nur kurz.

Gerade als ich dachte: „Jetzt ist aber Zeit für Abendbrot!“, richteten sich alle Augen auf mich. Im Großen und Ganzen genoss ich die Aufmerksamkeit der Masse, doch hier war etwas im Busch. Ich spürte das.

Und – schwups – hatten sie mich auf den Frisiertisch verfrachtet. Himmelschafundmeer! Königinmutti höchstpersönlich legte Hand an. Wenn du der weltbesten Friseurin derart ausgeliefert bist, bleibt dir nur eins: Du musst dich deinem Schicksal ergeben. Sogar an Madame kämmte sie herum.

Zum Dank pinkelte ich später auf den Wohnzimmerboden, was allerdings nicht entsprechend gewürdigt wurde. Jetzt aber nach Hause! Wohlmöglich hatte das Katertier in einer Gemeinschaftsaktion mit den Rennplüschen das Odnungsamt alarmiert, weil das Dinner nicht zur gewohnten Zeit bereit stand.

Auch mir knurrte der Magen, und ich fühlte mich in mehrfacher Hinsicht federleicht. Keine Ahnung, was Königinmutti mit meiner ganzen Wolle plante. Doch bei dem Wetterchen hatte ich mich gerne davon verabschiedet.

Julchen und Janni - wie geht die Geschichte weiter?

Endlich saßen wir in der Blechhöhle, alles schien seinen geregelten Gang zu nehmen… Doch was sollte das nun? Zu meiner Rechten nahm Madame Platz, und Königvati setzte ihr den kleinen Pupser auf den Schoß! Wir fuhren los, sie standen dort und winkten uns zu. Abschied? So? In einem fort rief ich: „He! Ihr da! Hier ist etwas, das euch gehört!!!“

Doch weg waren sie.

Ich versank in eine tiefe Depression, während Janni seinen Hintern an meinen drückte und seinen Kopf auf Madames Beinen ablegte. Ich ahnte Fürchterliches. Das Ende meines wundervollen Einzelhunddaseins mit zahlreichen Vorteilen, Vergünstigungen, Privilegien und Pannacotta?

Jetzt wusste ich: Es konnte im Leben schlimmer kommen als mit der Occupy-Bewegung auf den Deichen. Schlimmer, als sich von Emil zu entloben. Oder Madame mit einem nichtsnutzigen Rastaschaf auf Reisen zu schicken.

Das größte Übel war: Madame et Monsieur künftig zu teilen. Selbst Luis erschien mir plötzlich liebenswert – wenigstens hatte das Schaf einen passablen Musikgeschmack. No Janni, no cry… No Janni, no cry!

Der kleine Pupser war vor allem eins: der Prototyp eines Schleimers. Ich sah ihn mir genauer an, wie er sich so an Madame kuschelte. Tief bemüht, nichts, aber auch gar nichts falsch zu machen.

Verzweifelt hielt er sich an die Chefetage: Janni wollte wohl um jeden Preis Karriere machen – das war klar wie Kloßbrühe und stank zum Himmel wie Ackergülle.

Kater Mats geht auf Distanz.

Ich kann euch das perfekte Beispiel zur Untermauerung meiner These geben: das arme Katertier. Kaum, dass wir auf der Matte standen, bereitete Mats uns einen liebevollen Empfang. Integer, loyal und mit einem Höchstmaß an Familiensinn bot er dem Neuen seine Freundschaft an.

Mit der ihm eigenen Art: das Nasenstubser-Zeremoniell. Vermutlich hatte sich das Löffelgesicht in einem früheren Leben bei den Inuit aufgehalten und war gewissermaßen kulturell vorgebildet. Janni schätzte dieses Angebot sehr, also rauchte man kurzerhand Friedenspfeife.

Doch das Wort des kleinen Pupsers galt offenbar nicht viel. Mitten in der Nacht pfiff er das Katertier schräg von der Seite an. Noch nicht mal Löffelgesichter verdienten eine dermaßen miese Behandlung.

Mats nahm es dem schwarzweißen Plüschomat natürlich übel und hielt sich erst mal von ihm fern. Da ich noch nicht abschätzen konnte, welche Wendung die Geschichte nahm, und ob Janni eventuell nur vorübergehend bei uns geparkt war, unternahm ich zunächst nichts.

Doch wir hatten einen neuen Fall von Stalking. Die größte Spürnase Nordfrieslands war ihm dicht auf der Spur. Hauptberuflich ein Vielfraß, soviel hatte ich schon herausbekommen. Er wich Madame et Monsieur nicht von der Seite. Seine Hobbies: Schlabbern, Schnarchen. Seine Spezialwaffe: Augenaufschlag, eine Art Kreuzung aus Audrey Hepburn und George Clooney.

Spezialwaffe: Augenaufschlag

Was mich aber vor allem störte: Janni hielt sich einfach nicht an die Größenverhältnisse. Der kleine Pupser war größer, als die Polizei erlaubte. Und das war immer noch ich – hier am Deich. Wer verteilte die Strafzettel für ungebührliches Fahren? Wer wies die Höllenmaschinen zurecht? Wer sorgte für Ruhe und Ordnung? The one and only Julchen.

Ich würde die Sache schnellstmöglich mit meiner Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie besprechen. Und ich sag‘ euch: Wenn Janni mich noch einmal unvermittelt anbellt, dann… dann gründe ich gemeinsam mit dem Katertier eine Selbsthilfegruppe!

Text: Julchen (nach Diktat verzweifelt versucht, ihren Verlobten zu erreichen)

Fotos: Elke Weiler

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Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

  1. Ach Julchen, mach Dir doch nicht so viele Sorgen! Warte mal ein Weilchen, dann wirst Du schnell merken wie schön es sein kann einen so charmanten Kumpel an seiner Seite zu haben. Außerdem zweifel ich nicht einen Augenblick daran, daß Du Janni in kürzester Zeit klar gemacht hast, wer bei Euch die Chefin ist! Dicke Knuddelknutschis für Dich und den „kleinen“ Sesselpupser Janni

    1. Julchen says:

      Schön, liebe Königinmutti,

      dass du dich wenigstens mal meldest, nachdem du mir den „Charmebolzen“ aufs Auge gedrückt hast! Aber man wird sich ja wohl noch mal beschweren dürfen, wenn die Existenz (in der bisherigen gewohnten Façon) auf dem Spiel steht, oder? Jetzt muss ich teilen, alles teilen…

      Es knutscht euch ganz dolle

      das verwirrte Julchen

      P.S.: Eben hat er mir sogar ein Öhrchen geklaut!

  2. Maddy says:

    Hey Julchen!
    Na, da ist ja der kleine Pubser. Du gewöhnst dich schon noch dran. Ganz bestimmt. Vielleicht wird es ja noch irgendwann ganz lustig. Und du kannst den kleinen Pubser erziehen, so, wie du es haben möchtest! Das ist doch was, hm?
    Viele Grüße
    Maddy

    Und: Hallo Janni!

    1. Julchen says:

      Hi Maddy,

      wie geht es dir?

      Vielleicht hast du recht, er vergöttert mich ja und ist bestimmt leicht „modellierbar“ – wie Sand am Strand oder so…

      Aber er soll die Pfoten vom Madame et Monsieur lassen! Die gehören mir!

      Sonst ist er eigentlich ok, ein bisschen anhänglich und streberhaft eben. Aber ich bin mal nicht so und richte ihm deine Grüße aus!

      Schlabber, Julchen

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