Mit dem Floß über die Müritz

„Die Hemmschwelle, ein Floß zu betreten, ist gering.“ Im Gegensatz zur Yacht. Während Anja Duklau die Einführung auf unserem schiffbaren Untersatz bis ins kleinste Detail vornimmt, sehen sich schon weitere Interessenten neben uns schon ein baugleiches Modell an. „Tante Polly“ und ihre Verwandten sind wohl beliebt.

Wir warten im Hafen von Priepert auf das Zeichen zum Ablegen, um mit dem Holzkasten, größtenteils aus sibirischer Lärche, über den Ellbogen- und Ziernsee zu schippern. Zwölf einzelne Schwimmkörper sorgen unter der Konstruktion dafür, dass wir nicht untergehen. So etwas nennt man dann Katamaran-Aufbau.

Bevor es losgeht, überprüft Anja noch einmal die Sicherheitsausstattung: Schwimmwesten, Stechpaddel, Signalhorn – die Auflistung ist lang. Dann gibt sie uns grünes Licht. Alle Mann an Bord. Zum Kapitän kühren wir einen Begleiter vom Müritz-Nationalpark. Obwohl die hölzerne Kiste leicht und von jedermann lenkbar ist, erscheint uns Wolf Stein, Praktikant, Abenteurer und Buchautor in einer Person, als der richtige Mann hinterm Steuer.

Hat er doch schon Bäume in Kanada gepflanzt und ist mit dem Rucksack durch Australien gezogen. Nun ist er also im Nationalpark aktiv, wohnhaft bei den alten Buchenwäldern von Serrahn, frisch als Weltnaturerbe deklariert. Gemütlich schippern wir los, der Weg ist das Ziel. Nach einem Picknick, sachte auf dem Wasser schaukelnd, lädt das Sonnendeck auf dem Dach zur Siesta ein. Oder doch die Hängematte?

Kindheitserinnerungen werden wach: Diese Kombination aus Wasser, Wald und Holzfloß hat Schuld, jenes einfache Leben zwischen Moskitonetz, Gaskocher und Isomatte. Und eh man sich versieht, erwachen die Geister von Tom Sawyer und Huckleberry Finn zum Leben.

Da kann die Müritz zum Mississippi werden, das Leben einen Hauch von Abenteuer bekommen. Auch wenn alles sehr ruhig auf der Mecklenburger Seenplatte zugeht. Wir leben einfach, fast archaisch. Toilette? Natur! Klappspaten! Aber im Gegensatz zum Huckleberry-Floß gibt es hier sogar eine Camping-Toilette an Bord.

Oder eine kleine Lektüre?

Stilecht wäre, wir würden uns unser Abendessen aus dem Wasser fischen. In der Abenddämmerung. Doch daraus wird heute nichts, denn wir schnuppern ja nur ein bisschen Luft und Leben auf dem Floß.

Nachts heißt es für die anderen Polly-Tanten: Anker werfen, ausruhen. Und für die Floßfahrer: eine Runde schwimmen bei Mondschein? Den Geräuschen der Natur lauschen. Sich von den Wellen in den Schlaf schaukeln lassen.

Denn die Sitzfläche des wetterfesten Kajütaufbaus kann mit wenigen Handgriffen zu einem Schlafplatz von 2,80 mal 2,10 Metern umgebaut werden. Plus Hochbett und Hängematte. Wenn man in einer regenfreien Nacht dann die seitlichen Fensterfolien hochrollt, ist das wie draußen übernachten. Es ist eben alles offen und einladend auf so einem Floß. Auch für die Mücken. Aber zum Glück hat Anja an das Moskitonetz gedacht!

Auf der Müritz
Besuch!

Text und Fotos: Elke Weiler

Danke an den Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, der diese Reise ermöglicht hat.

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Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Manfred Bethke says:

    Wo kann man ein Wochenende buchen mit dem Floß und wie sind die Preise ? Danke für eine Antwort. Grüße Manfred Bethke

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