Msha und Omar steuern den Holzkahn mit zusammen gerolltem Segel von Matemwe in nordöstlicher Richtung. Wir sind auf Schnorchel-Tour in Sansibar. Am Horizont können wir deutlich die perfekten Konturen von Mnemba erkennen. Simon, der Betagteste aus unserer Gruppe, erwähnt wenig beiläufig, dass er ein paar Tage mit seiner Frau auf jener Privatinsel verbringen wird.

Mehr könne er sich nicht leisten. Bereitwillig nennt er uns eine vierstellige Summe für einen All-inclusive Tag auf Mnemba, das Atoll mit den perfekten Konturen. Ich gebe zu bedenken, dass es ja nach einigen Tagen auf einer Insel, die zwar perfekt, aber doch recht klein erscheint, möglicherweise etwas eintönig werden könnte.

Klar klappt das mit den Delfinen!

“Dolfins!”, rufen Msha und Omar plötzlich und deuten voraus. Tatsächlich. Wir freuen uns wie die Schneekönige, oder besser, wie die Prinzessinnen aus 1001 Nacht, schließlich sind wir ja in Sansibar.

Der tropische Delfintrupp bleibt an Ort und Stelle, selbst als das Boot sich nähert. Wunderbar. Nach und nach lassen wir uns mit Schnorchel und Flossen ins türkisblaue Wasser fallen, um mehr oder weniger auf Tuchfühlung mit den freundlichen Tieren zu gehen.

Delfine unter mir

Doch wo sind sie jetzt? Ich sehe einen Mantarochen und einen Schwarm, aber ansonsten ist fischmäßig nicht so viel los an dieser Stelle. Da, die Delfine – es ist der Wahnsinn. Eine Mutter mit Kind zieht direkt unter mir ihre Kreise.

Ahoi, Matrosen!

Dann sind sie alle weg, und wir krabbeln wieder auf den Kahn. Suchend tuckern wir weiter. Doch die Jungs kennen sich aus. Der nächste Stopp am Riff macht Vorsichtsmaßnahmen seitens Msha notwenig: „Hier müsst ihr in meiner Nähe bleiben!“

Am Riff könnte nämlich der ein oder andere Stonefish lauern, gut getarnt in steiniger Farbe und urigem Outfit. Das Fatale seien seine dorsalen Dornen, so Omar, die der Stonefish blitzartig ausfahren kann. Das Gift: für Menschen tödlich.

Fische auf Zickzackkurs

Ich sehe sandfarbene Grundeln, die in schnellen Bewegungen direkt über den hellbeigen Boden zu spazieren scheinen und farblich mit ihm verschmelzen. Schillernder sind die bunten Papageienfische, einige auf Zickzackkurs, aufgeregt die Seitenflossen wie kleine Flügelchen bewegend.

Was da alles lauert unter der hübschen Oberfläche!

Sonst nichts. Alles um uns herum ist türkis. Beim dritten Stopp der Schnorchel-Tour kommen wir verdammt nah an die perfekte Privatinsel heran. Obwohl sich hier alle Boote zu versammeln scheinen, betritt die Inselwache die türkisblaue Wasserbühne, und es gibt eifrige Diskussionen.

Doch wir Schnorchler paddeln selbstvergessen im warmen Aquarium, umgeben von zahlreichen Zebrafischen, die – bereits durch Kekskrümel konditiert – das Boot umzingeln. Es ist einfach nur schön. Auch Barsche tummeln sich im Mnemba-Atoll, und ich denke an unseren ersten Abend auf Sansibar und einen fantastischen Grey Snapper vom Grill. Knurrt mir jetzt der Magen? Ausgiebiges Schnorcheln macht hungrig.

Zurück am Strand

Zurück auf dem Boot wäscht uns ein tropischer Regenguss das Salz von der Haut. Msha und Omar zaubern Tee, Kaffee, Kekse, frische Mangos und Bananen aus der Kiste. Etwas später an Land erfahren wir dann, dass erst kürzlich ein Walhai von nicht unbedeutender Größe vor dem Riff gesichtet wurde. Gut, dass wir das nicht vorher gewusst haben.

Danke an Mscha und Omar für diesen tollen Tag – und bleibt so, wie ihr seid!

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank auch an die Matemwe Lodge und Ethiopian Airlines für die Unterstützung dieser Reise.

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Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

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  4. Liyang says:

    Wirklich schöne Bilder! Ich finde es toll, auf andere Reisebegeisterte zu treffen, die genauso gern ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Im Moment bin ich in der Provence und verbringe hier einige Zeit als Au Pair. Letzte Woche bin ich angekommen. Ich habe mir aber nicht einfach einen Flug von Köln nach Marseille gebucht, sondern bin eine Woche lang quer durch Frankreich gereist! Auf dem Weg habe ich von alten römischen Ruinen über Sümpfe voller Flamingos bis hin zu traumhaften Stränden alles erlebt. Meine schönsten Fotos habe ich im ersten Teil meiner Frankreich-Bilderstrecke für euch festgehalten. Schaut rein, es lohnt sich!
    https://nightthinkersdiary.wordpress.com/2017/05/06/la-vie-en-france-teil-1-in-sieben-tagen-quer-durch-frankreich/

    P.S.: Der Blog ist ganz neu und ich würde mich auf ein wenig Unterstützung, Tipps und Kritik freuen!:)

    Grüße aus dem sonnigen Sillans,
    Liyang

  5. Melanie says:

    Hallo Elke,

    darf ich mal anmerken, dass du einen wirklich tollen Schreibstil hast, der direkt Lust macht immer weiter zu lesen? Aber das nur am Rande… :)

    Zum Beitrag hätte ich noch kurz eine Frage.
    Wie bist du an Mscha und Omar gelangt? Wir haben im Urlaub schon ein paar mal schlechte Erfahrungen mit einheimischen Tourguides gemacht und möchten das bei unserem Sansibar Urlaub nach Möglichkeit vermeiden. Hast du da vielleicht eine gute Anlaufstelle oder einen hilfreichen Tipp für uns?

    Vielen lieben Dank schon einmal.

    Liebe Grüße,
    Melanie

    1. Elke says:

      Liebe Melanie,

      lieben Dank, das hört man doch immer wieder gerne. :-)

      Leider ist diese Reise schon ein paar Jahre her, da habe ich jetzt mal nachgeschaut, aber keine Unterlagen mehr gefunden.

      Mscha und Omar haben uns auf dem Bootsausflug begleitet, unser Tourguide hieß Juma und war ebenfalls klasse: https://meerblog.de/sansibar-stonetown/

      Liebe Grüße,

      Elke

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