Ziemlich neue Freunde

Manchmal ändert sich alles, und alles ändert dich. Du entdeckst dein Leben und deine Lieben neu. Kennt ihr das? Bei mir war es so, als wir von der schönen Halbinsel Eiderstedt auf die fast-noch-Insel Nordstrand zogen. Irgendwie kamen wir alle zur Ruhe an diesem Ort bukolischer Idylle.

Kleiner Einschub. „Wieso kennst du solche Ausdrücke?“, fragte meine Holde. Julchen galt gemeinhin als die Ältere und Pfiffigere von uns. „Pfff!“, machte ich und diktierte Madame weiter. Denn so funktionierte das nun mal: Madame sah mich an und las alles von meinen nougatfarbenen Augen ab.

Im konkreten Fall war Nordstrand einfach genau so. Bukolisch. Wir fühlten es alle fünf.

So sieht ein Hundestrand aus.
So sieht ein Hundestrand aus.

Dabei waren wir rein zufällig so nördlich gestrandet – als Ergebnis einer höchst verwirrenden Situation. Nie im Leben hätte ich freiwillig Haus und Hof verlassen. Mein Herz hing daran, ich verteidigte mein Revier auf Biegen und Brechen, auf Gebell und Geknurr! Aber ich erzähle am besten von Anfang an…

Madame und Julchen waren wech, unsinnigerweise zu einem Mädelsgassi mit Wilma und Tante Pam am Deich verabredet. In solchen Fällen blieb alles an mir hängen, die ganze Verantwortung, die Gartenarbeit und so. Nach einem sehr netten Jungsgassi quasselte Monsieur ununterbrochen in den Schnackapparat. Er nannte das Arbeit.

Ich war also komplett auf mich allein gestellt, als ich knisternde Geräusche und beißenden Geruch aus dem Schuppen vernahm. Ich blies Alarm, doch keiner kümmerte sich um die warnenden Worte eines armen kleinen Rüden. Erst als ferne Nachbarslutscher auf der Bildfläche erschienen, versuchte Monsieur mithilfe eines kümmerlichen Gartenschlauchs Herr der Lage zu werden. Doch die Leute holten uns weg.

Wenn alles aus dem Ruder läuft...
Wenn alles aus dem Ruder läuft…

Noch ein Rudelmitglied im Haus! Ich zerrte an der Leine. Wir mussten zurück! Riesige Blechhöhlen rollten an, immer wieder kamen neue. Behelmte Lutscher holten unseren Nuno aus dem Haus und warfen Wasser in Fontänen auf alles. Die Nachbarn brachten uns in den Garten des nächsten Cafés, wo wir Rentnerschwein Nuno mit Gras fütterten.

Der Rest teilte sich einen XXL-Büddel, der vor allem aus Eis und Sahne bestand. Das half uns für einen Augenblick, mit der Situation fertig zu werden. Wir standen unter Schock. Noch als uns die Ehre zuteil wurde, in einer der roten Blechhöhlen zur Hütte zurückzukehren, war ich ziemlich durcheinander und wollte lieber nicht einsteigen.

Allein zurückbleiben wollte ich allerdings auch nicht. In der Super-Karre war es recht geräumig, es gab sogar einen Tisch. Doch dieser eklige Geruch, der uns am Ort des Geschehens empfing! Der Schuppen nur noch ein Wust aus verkohlten Dingen, ein Teil des Dachs fehlte an der Hütte, und die Helmlutscher wanderten hin und her.

Auf zu neuen Ufern
Auf zu neuen Ufern

So ging das nicht. Also beschloss ich, die ganze Sache zu beaufsichtigen. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Da! Ein Radlutscher kam vorbei! War die Straße nicht abgesperrt? Ich bellte ihn in Grund und Boden, angefeuert von den Helmlutschern. Sie lachten. Ich machte nie Witze! Nie!

Die Zeit des Abschieds war gekommen. Unser Rudel brauchte dringend Urlaub, also bezogen wir ein Zimmer in einem Hundehotel auf Nordstrand. Was für eine himmlische Ruhe! Meine Holde kannte sich natürlich aus, hatte sie den Laden doch bereits in ihrer Funktion als Reisejulchen getestet – inklusive einer Inspektion des nächstgelegenen Beaches.

Julchen wusste, wo es Frühstück, Eis und Dinner gab. Und einen super Auslauf mitsamt Teich. Das Wasser dort schmeckte vorzüglich. Wir versuchten ein bisschen zu relaxen, traten uns in dem Zimmer jedoch gegenseitig auf die Pfoten. Etwas Größeres musste her, bis die alte Hütte wieder in Gang kam. Das konnte nach der Aussage von Expertenlutschern eine ganze Weile dauern.

Wo manchmal ein Leuchtturm gerettet wird...
Wo manchmal ein Leuchtturm gerettet wird…

Und so landeten wir an diesem bukolischen Ort zwischen Fennen und Deichen, wo Hasen hoppelten und Vögel zwitscherten. Das Meer war in Reichweite, wir konnten zu Pfote hingehen. Was wollte man mehr? Wir schlossen Freundschaft mit Barolo, dessen Rudel die Hütte und alles hier gehörte.

Was für ein Typ, schon betagt, doch fit und schwer in Ordnung! Barolo hatte nichts dagegen, dass wir uns ein wenig umsahen. Doch Monsieur entschied, mithilfe eines grünen, im Wind flatternden Plastikrahmens unser Terrain einzuschränken. Julchen hielt sich an die Vereinbarung, doch ich sagte, ich hätte nichts unterschrieben.

Denn es war simpel, mit einem gezielten Taps und einem lächerlich kleinen Hüpfer auf die andere Seite zu kommen. Und zum Kacken mehr als praktisch. Doch Monsieur schimpfte über den Vertragsbruch und sammelte mich sowie die Hinterlassenschaft ein. Konnte man denn nicht mal in Ruhe…? Bei den Gassis war ich meist viel zu beschäftigt dafür.

Don't touch Jussi!
Don’t touch Jussi!

Wir vermissten Beagle Baguette, die Schweineprinzessin und verschiedene Gadgets aus der Hütte, mussten aber erfahren, dass sie die Katastrophe nicht überlebt hatten. Julchen tröstete sich mit dem geretteten Jussi, einem finnischen Eichhörnchen, das meist am Fenster hockte. Doch Madame meinte, Jussi würde quasi zur Redaktion gehören und stünde unter Artenschutz.

Es war eines schönen Abends, als ich unseren Nuno neu entdeckte. Er grunzte heiser und schaute mich auffordernd mit seinen niedlichen Knopfaugen an. Also sagte ich Monsieur Bescheid: „Akuter Appetit hier! Schafft etwas von diesem vegetarischen Kram herbei!“ Gesagt, getan. Mister Rennplüsch knabberte, was das Zeug hielt, ich starrte ihm fasziniert über die Schulter.

Endlich konnte ich mich ein wenig nützlich machen, mich als Foodblogger um kulinarische Belange kümmern. Ich würde Nuno von nun an mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und ich spürte, es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Nuno – nicht der Osterhase!
Nuno – nicht der Osterhase!

Auch Julchen machte neue Erfahrungen, was bei einer Beardine von Welt schon recht schwierig anmutete. Doch ein paar Tage zuvor hatten wir sie draußen im Dialog mit einem Reh vorgefunden. „Wuff!“, machte meine Holde. „Röhr!“, das Reh, was ein bisschen nach Raucherhusten klang. Schnacken bis der Arzt kommt, war die Devise.

Nuno und ich verstanden uns ohne große Worte, wie es sich für echte Männer gehörte. Die Flimmerkiste konnte mir gestohlen bleiben, so lange ich dem Rennplüsch beim Futtern zugucken konnte. Diese Nager knabbern mit einer Geschwindigkeit, die selbst mir atemberaubend vorkam.

Sagen wir mal: Ungefähr so schnell, wie Julchens Freundin Wilma ein Eis verschlang. Wir trafen uns zu zehnt im Restaurant des Hundehotels: sechs Lutscher, vier Vierbeiner. Am Ende dann der Clou: eine Runde Hundeeis für unsereins! Beim Futtern enthüllte jeder sein ureigenstes Wesen, in dem er Einblick auf seine Methode gewährte.

Little Pepper will die Größte sein.
Little Pepper will die Größte sein.

Die gebürtige Portugiesin Little Pepper schleckte zaghaft bis gesittet, sie brauchte am längsten. Julchen fraß in Häppchen und säuberte ordentlich die Schüssel. Die gebürtige Schwedin Wilma steckte alles auf einmal ins Maul und bekleckerte ihre putzigen Ohren. Ich hingegen kombinierte alles, tendierte aber zu Wilmas Methode und putzte anschließend den Boden.

Als Foodblogger bist du ein Multitalent: Gartenexperte, Ritter der Holden, Schwester für alle Fälle, Sous-Chef in der Küche, Vorkoster sowie bester Kumpel für Rentner Nuno, ehemals Rennplüsch Media. Überlastet fühlte ich mich derzeit nicht. Das musste an diesem Ort liegen. An dieser bukolischen Ruhe auf Nordstrand.

Was diese Lämmer können...
Willst du mit mir chillen?
Wo die Lämmer chillen...
Nachmacher!

Text: Janni (nach Diktat zu Nuno spaziert. Besser als jede Meditation.)

Fotos: Elke Weiler

  1. Auch ein Foodblogger braucht kreativen Raum für seine Recherche.

  2. Pingback: Im Watt bei Fuhlehörn | Nordstrand

  3. Oh je, oh je, eine gar nicht so witzige Geschichte sehr humorvoll erzählt. Aber Asyl auf Nordstrand ist auch nicht der schlechteste Ort. Ich drücke die Damen, dass alles so ausgeht wie Ihr Euch das erhofft! Liebe Grüße aus Dithmarschen, Ulrike

  4. Ganz lieben Dank, Ulrike! Leider wissen wir immer noch nicht, wie es weitergeht. Aber immerhin haben wir diverse Visionen. 😉 Liebe Grüße ins schöne Dithmarschen! Elke

  5. Ok, Ok und wie kann man Nuno geschenkt bekommen? haha 🙂

  6. Verschenken? Ich hör‘ wohl nicht richtig! Hier gibt es nix und niemanden zu verschenken! Wir brauchen eine Hütte, die ich bewachen kann!

  7. Jetzt reg‘ dich ab, Dicker! Das war doch nur als Kompliment für Nuno gemeint!

  8. Pingback: Scandi43 – mit der Ente durch Skandinavien

  9. Nina Kreke

    So schön!

  10. Pingback: Unsere nordfriesische Reetdachkate und der Wiederaufbau

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