Kuchentraum von Keitum

Cafés und Teestuben gibt es in Nordfriesland wie Sand am Meer.

Bei herbstlichem Nebel ist es hier einfach urgemütlich. Kerzen flackern, Kaffee oder Tee dampft in der Tasse. Und nicht zu vergessen: ein gutes Stück Kuchen gleich daneben.

Die „Kleine Teestube“ in Keitum gilt als Hotspot unter den Sylter Cafés. In den Saisonzeiten ist sie zum Bersten gefüllt, und bei schönem Wetter erfreuen sich die Sonnenplätze im Garten äußerster Beliebtheit.

In einem Dirndl ähnlichen grünen Schürzenkleid erscheint eine der freundlichen Kellnerinnen, die auch bei Hochbetrieb den Überblick behalten. Doch was soll ich ausprobieren?

Den Milchreis, der bei den Tischnachbarn so köstlich aussieht? Blaubeerpfannkuchen? Krabbenbrot mit Spiegelei? Oder eine wärmende Suppe?

Viele Gäste kommen schon zum Frühstück her, das bis 12 Uhr serviert wird. Danach gibt’s Waffeln… Die Kuchenvitrine im puppenstubenhaften Innern des Reetdachhauses lacht mich an. Ja! Apfelkuchen soll es sein. Mit Sahne, klar.

Puppenstube oder Teestube?

Natürlich wäre dazu ein Tee angesagt, die Auswahl ist immens, von Chai bis Rotbusch. Oder ganz friesisch, ein Darjeeling. Der Kandis steht schon auf dem Tisch. Heute ist mir eher nach einer heißen Schokolade. Und zwar das volle Programm: Mit Sahne bitte!

Der unaufgeregte Klassiksound im Hintergrund passt optimal ins nostalgische Kuschelambiente. Ich muss nicht lange warten auf meinen Traum von einem Apfelkuchen. Eine zarte Verschmelzung von Teig und Frucht.

Große Stücke, die sich in die lockere, saftige Umgebung eingraben. Der Süße des Teigs steht die angenehme Fruchtsäure gegenüber. Was zusammen mit der oberen Mandelschicht ein harmonisches Ganzes ergibt.

Umgeben von stummen Teddybären und plaudernden Menschen genieße ich die Exklusivität des Moments.

Und bin mir darüber im Klaren: Die meisten Teestubenbesucher werden rückfällig. Da kann man eigentlich schon mal Pläne schmieden: Beim nächsten Kaffeestopp kommt vielleicht die Friesentorte in die nähere Auswahl. Oder Käse-Mohn? Und dazu dann ein klassischer Schietwetter-Kräutertee.

Es soll Leute geben, die sich als Andenken einen der abgepackten Tees mitnehmen. Und ihren nächsten Besuch so einplanen, dass der Tee so gerade reicht.

Text und Fotos: Elke Weiler

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