Weg. Die Rindviecher hatten sich ohne weitere Absprache verdünnisiert. Diese Weicheier!

Bei den ersten Temperaturen gegen Null verkrochen sie sich in ihrer Hütte. Madame meinte, der Herr Bauer hätte das Ganze so arrangiert. Doch sie wollte seine Telefonnummer partout nicht ‘rausrücken.

So machte es für mich zunächst keinen Sinn mehr, mich wie eine Dschungelkönigin ohne Machete durch die Büsche zu schlagen und über den trennenden Graben auf ihre Fennen zu springen.

Wieso verbrachte Monsieur trotzdem den ganzen Samstag damit, einen Schafszaun zwischen den Büschen hochzuziehen? Wenn er mir hier impertinente Wollknäuel vor die Nase setzen wollte, würde ich schon jetzt eine Petition beim europäischen Gerichtshof einreichen.

Um mich zu zerstreuen, lotste ich mein Rudel an einen Ort der Entspannung: St. Buddel-Bad. Der Sehnsuchtsort der meisten Ferienlutscher, die unsere schöne Halbinsel ansteuerten.

Sie kamen alle wegen des Meeres, doch sie übersahen, dass der Sand auch sehr viele Möglichkeiten bot. Vielleicht sogar mehr. Er glich einer Wüste, und Buddeln entspannte mich total. Man wusste auch nie, was man Spannendes unter der Erde fand. Wattwürmer? Eine Quelle? Atlantis?

War hier Atlantis?

Gleich zu Beginn traf ich auf Nemo. Allerdings nicht in Fischform, sondern in der eines vierjährigen Rüden. Tibeter seines Zeichens und erst kürzlich beim Friseur gewesen. Ich tippte auf Hamburg, es war die Art des Schnitts.

Glücklicherweise brauchte Nemo-Baby keine Aufforderung zum Spiel, er hatte mich schon anvisiert. Nur sein Monsieur musste noch überredet werden: Einfach mal loslassen!

Und schon tobten wir über die Weiten. Ich hatte in den letzten Wochen hart an meiner Schnelligkeit gearbeitet, da ich bald wieder meine Schwester Alma treffen würde und ihr auf keinen Fall nachstehen wollte.

So sah Nemo nur noch meinen Kondensstreifen am Horizont, doch es kümmerte ihn nicht. Ein cooler Typ, zu jeder Verrücktheit bereit. Ich hatte das Gefühl, sein Rudel wollte mich adoptieren.

Doch ich hatte genug mit meinem. Warum Madame et Monsieur an diesem Tag allerdings gleich zwei Mal in einem gastronomischen Betrieb einkehren mussten, leuchtete mir ganz und gar nicht ein.

Himmelschafundmeer!

Beim ersten war nichts zu beanstanden. Ich führte sie gerne in ein Lokal, wo es wunderbar duftete, und die Kellner reihenweise mit dampfenden Tellern an uns vorbeizogen. Am Ende bekam ich sogar Käse. Köstlichen Käse.

Aber später, diese Bude am Strand… Der Kellner war ok, aber längst nicht so süß wie beim ersten Boxenstopp. Und ich roch den Braten schon zu Beginn: Hier gab es Nullkommanichts für unsereins. Ok, ein bisschen Wasser. Das war aber nach der ganzen Fliegerei auch nötig!

Hunger hatte ich bis zu den Haarspitzen, warum also soviel Zeit im Strandkorb vertrödeln? Ich durfte ja noch nicht mal meine Nase in die Kuchensahne stecken!

Schon früh legte sich die Nacht über St. Buddel. Der Feuerball glühte noch mal auf, und ich musste mich umschauen: Diese Sandwüste war ein hochromantischer Ort.

Vielleicht sollte ich mich hier mal mit E. verabreden. Diese Enthüllung würde ein Knaller werden, aber ich konnte jetzt noch nichts sagen.

In diesem Zusammenhang war ich leicht angesäuert wegen der Rennplüsche. Die haarigen kleinen Monster hatten schon lange keinen Film mehr mit mir in der Hauptrolle produziert.

Julchen in love

Sie kümmerten sich nur noch um sich selbst und ihr neues Ambiente. Madame trug ihnen ständig Fresserchen ins Zimmer, dieses furchtbar gesunde Zeugs, das sie gemeinhin verkimmelten. Doch die Meerschweinchen kriegten den Hals nicht voll.

Also blieb mir nichts anderes übrig: Ich geigte ihnen ab und an meine Meinung, Schließlich konnte es doch nicht ewig so weitergehen.

Auch der Geduld einer Chachaputi waren Grenzen gesetzt. Hohe Schafszäune mit engen Maschen. Denn für den Film stand quasi alles in den Startlöchern, das Top-Drehbuch war längst geschrieben, das Catering organisiert, die Musik komponiert, alle Rollen optimal besetzt.

Kurzum: ich wartete nur noch auf ein Zeichen der Produzenten. Solange würde ich mich weiterhin mit E. am E. treffen. Mehr konnte ich wirklich nicht verraten!

Nur soviel: Der nächste Film würde eine echte Topstory werden. Ein Liebesfilm, wie es keinen zweiten gab…

Text: Julchen (nach Diktat in lautstarke Verhandlungen mit den Produzenten getreten)

Fotos: Elke Weiler

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CategoriesNordsee
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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