Fünf Mal Nordsee

Für Schweden und Italien habe ich bereits je fünf Buchtipps ausgewählt. Heute bleibe ich mal in meiner neuen Heimat an der Nordsee. Was Krimis angeht, wird es hier sehr, sehr schwierig. Zwar gibt es eine wahre Fülle von angeblich spannendem Stoff, der nach Sylt, Föhr, Husum etc. führt. Nein, ich habe noch nicht alles gelesen. Doch jedes Mal, wenn mir wieder einer dieser Krimis unter die Leselampe kommt, bin ich meist mehr oder weniger enttäuscht. Da hilft nur eines: weiter suchen!

Hier meine fünf Auserwählten zum Thema Nordsee im Buch:

Der Schimmelreiter von Theodor Storm

Der absolute Klassiker für Nordseefans. Am besten im Winter lesen! Unglaublich, wie Theodor Storm es schafft, Spannung zu erzeugen. Und ein weiteres Beispiel dafür, dass Juristen sehr gute Geschichtenerzähler sein können. Ich habe die Novelle schon während der Schulzeit lesen müssen, doch das ist verdammt lange her. Nach dem Umzug an die Nordsee habe ich es wieder getan und war begeisterter denn je. Niemand hat meiner Meinung nach so genial wie Storm die Atmosphäre von Nordfriesland eingefangen. Das Buch aus dem 19. Jahrhundert gibt einen tiefen Einblick in das damals sehr harte Leben an der Küste. Kein Wunder, stammte der Dichter doch selbst aus Husum. Jahrelang hat er sich mit einer bestimmten Sage befasst, bevor er den Schimmelreiter schrieb. Es geht um das Leben eines Deichgrafen, um Landbesitz, Landgewinnung, Sturm, Neid, Aberglauben und die Bedeutung der Deiche. Die Natur als Herausforderung für den Menschen. Der Mensch, der versucht sie zu bezwingen, und der doch nur ein kleiner Teil von ihr ist. Theodor Storm hat Nordfriesland im Kern getroffen. Und ich glaube, ich muss die Novelle gleich noch einmal lesen…

Ebbe und Flut von Bärbel Oftring

Nach Möglichkeit lese ich ja eBooks, doch manchmal kommt man um ein schönes klassisches Buch nicht herum. Zum Beispiel ein Kinderbuch. Wenn es dann noch auf recyceltem Papier gedruckt wurde, man auf Folien verzichtet und mineralölfreie Druckfarben verwendet hat, Hut ab! Nun aber zum Inhalt des Buches von Bärbel Oftring. Es geht um Fragen und Antworten. Das ganze System Wattenmeer wird in einfachen Sätzen erklärt, die Natur und der Eingriff des Menschen. Wie entstehen die Gezeiten? Warum gibt es so viele Deiche? Wie wächst Land aus dem Meer? Das Buch erklärt nicht nur die wichtigsten Phänomene, es führt auch zu Wattschnecke und Schlickkrebs und gibt sogar Anregung für Aktivitäten. Damit sich der geneigte Jungleser zum Beispiel live und vor Ort auf die Spuren der Kieselalgen begibt, die die Grundlage für alles Leben im Watt bilden. Damit er beim nächsten Besuch an der Küste sämtliche Vögel identifizieren kann. Wenigstens den einen oder anderen! Sein neues Wissen kann er im Quiz am Ende schon mal testen. Nicht nur für Kinder klasse, dieses Buch!

Viel Meer – Nordfriesische Inseln und Halligen von Andrea Reist

Die Autorin gibt Tipps, viele gute Tipps über jeweils eine Buchseite. Vom dänischen Rømø runter bis Pellworm, der vielleicht verkanntesten nordfriesischen Insel. Dabei ist Pellworm, ökologisch betrachtet, die Modernste! 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden biologisch bewirtschaftet, und die Insel produziert doppelt so viel Strom aus Wind, Sonne und Biogas, wie sie verbraucht. Oder die Halligen – immer ein gutes Thema! Südfall etwa, eine der sogenannten Vogelhalligen. Vermutlich Ort des untergegangenen Rungholt, denn nirgendwo sonst fanden sich so viele Spuren menschlichen Daseins im Watt. Oder die Geschichte der skurrilen Gräfin auf Südfall… Kurzum: Stories von der Küste in mundgerechten Häppchen.

Inselstolz: Zwischen Strandkorb und Sturmflut

Und für alle, die ein wenig mehr hinter die Kulissen schauen möchten, empfehle ich dieses Buch. 25 Geschichten, 25 Leben an der Nordsee. Zum Beispiel das von der Austernprinzessin auf Sylt. Sie stammt aus Blankenese und erzählt von der Endlosigkeit des Blicks am Morsumer Kliff, wenn sie morgens raus geht, zu den Austernbänken. Dass das Wasser die Qualität der Austern ausmacht, reich an Jod, Kalzium, Eisen und Magnesium sei das Fleisch der Sylter Royal.
Oder wie lebt es sich auf Nordstrandischmoor, in einer der vier dort ansässigen Familien? Es klappt nur, wenn die Großfamilie intakt ist, erzählt eine Bewohnerin. Dass Landwirtschaft auf Nordstrandischmoror immer ein Hungerleben war. Dass der älteste Sohn auf einer Hallig immer der Hoferbe ist. Dass auf den Halligen im Frühjahr 90 Prozent der weltweiten Population an Ringelgänsen zu finden sind. Und vor allem: dass man die Natur lieben muss, um dort zu leben.
Zudem ergänzen Gedichte, Volkslieder und Rezepte die 25 Biografien. Fazit: Toller Lesestoff im O-Ton.

Die Julchen-Bücher

Natürlich komme ich hier nicht umhin, noch einmal auf das erste und zweite Buch meiner besten Mitarbeiterin hinzuweisen, Bearded Collie Julchen. Sie hat mir ihre Geschichten von der Nordsee frei Schnauze diktiert, ich habe alles notiert. Oberjournalistisch und schafsköddelkorrekt, so lautet Julchens Devise. Schon als Welpe offenbart sich ihre zwiegespaltene Beziehung zur Nordsee in „Julchen und das wilde Meer“. Es ist einfach zu oft weg und nimmt sich Frechheiten sondergleichen heraus. Julchen pflegt ihren Ruf als „Anarchie auf vier Beinen“ und bringt das Chaos an Strände, in Hundeschulen und auf Fennen. Aber tief im Innern ist sie ein liebenswerter Hund und echter Kerl!
In der Fortsetzung „Mademoiselle Julie: Das zweite Buch der beliebten Meerblog-Kolumnistin“ scheint die Welt des erwachsenen Julchen zunächst in Ordnung: Sie lebt inzwischen auf der schönen Halbinsel Eiderstedt, ist mit Schapendoes Emil verlobt und verträgt sich gut mit Kater Mats und den Meerschweinchen. Doch dann bricht alles zusammen, Julchen muss sich vom gepflegten Einzelhunddasein verabschieden: Welpe Janni steht vor der Tür.
Und ich verrate hoffentlich nicht zuviel, wenn ich sage, dass das umtriebige Julchen bereits über seinem dritten Buch brütet. Dieses Mal soll es ein Krimi von der Küste werden! Hoffentlich macht sie es ein bisschen spannend…

So, das waren meine Tipps. Jetzt bin ich gespannt auf eure. Denn am schlimmsten ist es ja, wenn einem der Lesestoff über die Feiertage ausgeht!

  1. Ich füge mal ein Bändchen hinzu: „Der Halligpastor“.

  2. Liebe Elke,

    tja, also wenn ich es einfach machen wollte, dann würde ich einfach auf meinen Blog verweisen. Da habe ich einge ganze Seite mit Literaturtipps aus dem Norden 😉

    Aber ich will mal nicht so rein 😉

    Es gibt einen ganz wunderbaren Bildband, der sich mit dem Wattenmeer allgemein befasst.
    Die Fotos von Martin Stock sind dort einfach atmenberaubend.
    Der Bildband heißt:
    „Wattenmeer“
    ISBN 9783529053610

    Und dann kann ich noch eine witzige Krimireihe von Krischan Koch empfehlen.
    Der erste Band heißt „Rote Grütze mit Schuss“. Die Story spielt in einem fiktiven nordfriesischen Dorf und vereint Krimi, Humor und „Dorfromantik“ 😉

    Soviel erst einmal von mir.
    Sag bescheid, wenn du mehr willst 😀
    LG

    • Ja, da hast du wohl recht!!! Da werde ich unbedingt mal auf deiner Seite vorbeischauen. Und danke für die Tipps! LG, Elke

  3. Liebe Elke,
    in diesem Jahr war ich zum ersten Mal an der Nordsee, bei herrlichstem Wetter. Ich hatte halt Glück, es verklärt sich aber auch ein bissel. Von der stürmischen Seite hat sie die See nicht gezeigt.
    Auf meinem Programm stand auch das Theodor-Storm-Haus in Husum. Ich habe es nicht mehr geschafft zu besuchen, muss also nochmal kommen. Wenigstens wollte ich den Schimmelreiter lesen, wenn ich wieder zu Hause bin. Seit meiner Schulzeit habe ich mich nicht mehr damit beschäftigt. Wie das aber so ist, ich hatte mein Vorhaben schnell wieder vergessen.
    Angeregt durch deinen Beitrag bin ich heute in eine Buchhandlung gegangen und habe mir den Schimmelreiter gekauft. Gleich werde ich mich in meinen Sessel verziehen und lesen. Und vielleicht zeigt sich mir die See dann doch noch wild und stürmisch.
    Herzlichen Dank für die Anregung.
    Grüße von der Gudrun aus Leipzig.

    • Hallo liebe Gudrun,

      sehr schön, ich wünsche dir eine packende Lektüre!

      Wenn du im Winter oder Herbst wiederkommst, ist die Chance auf Sturm größer. Ich freu‘ mich ja immer, wenn’s mal ruhiger ist. 🙂

      Liebe Grüße nach Leipzig, (da muss ich auch mal hin, hast du einen Lesetipp?)

      Elke

  4. Pingback: Nolde in Nordfriesland

  5. … den Schimmelreiter am besten im Winter zu lesen, mit diesem Tipp hast du absolut Recht! Mindestens aber bei ordentlich schlechtem Wetter. Du wirst lachen – Ich habe den Schimmelreiter grad neulich gelesen: Anfang August, bei einer Wanderung durch die Pfunderer Berge in Südtirol, mussten wir einen Tag lang auf der Edelrauthütte das Wetter aussitzen. Draußen also horizontaler Regen, der irgendwann in wildes Schneetreiben übergeht. Und drinnen eine heiße Schokolade in einer heimeligen Gaststube. Und viiieel Zeit für den Schimmelreiter (Zugegeben, für eine Berghütte(n-Büchersammlung) thematisch doch reichlich außergewöhnlich). Ende der Geschichte: Ich will jetzt unbedingt und endlich mal wieder ans Meer. So richtig, im Winter und so. 🙂 Liebe Grüße, Nadine

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